Blutspender „Es ist eine kleine Sucht geworden“

Ein eingespieltes Team: Dietmar Neckermann und sein Hund Dingo. Blut zu spenden, braucht der Vierbeiner aber nicht. Das Bild zeigt sie auf dem Balkon.
Ein eingespieltes Team: Dietmar Neckermann und sein Hund Dingo. Blut zu spenden, braucht der Vierbeiner aber nicht. Das Bild zeigt sie auf dem Balkon. © Foto: Guido Seyerle
Frankenhardt / Guido Seyerle 13.02.2019

Warum sollte man mit diesem Mann ausgerechnet übers Blutspenden reden? Da gibt es doch noch ganz viele andere spannende Themen, wie Angeln in Finnland, Arbeiten in der Schweiz oder auch die Gartenarbeit in Hellmannshofen. Auch weil Dietmar Neckermann es selbst als nicht so großartige Leistung ansieht, bereits über 100-mal Blut gespendet zu haben. Dabei wollte ihn die Gemeindeverwaltung in Frankenhardt bereits mehrmals für vielfaches Spenden auszeichnen. „Da bin ich nicht hin“, berichtet der 56-Jährige. Und warum dann ausgerechnet bei 100? Neckermann lächelt: „Man kennt sich auf dem Land.“ Freunde und Bekannte hätten leichten Druck ausgeübt.

Unfall als Lebenseinschnitt

Der gebürtige Crailsheimer hat schon vieles erlebt. „Ich habe Koch gelernt, war Fahrlehrer, bei der Bundeswehr und ich hatte eine Tankstelle.“ Nun arbeitet er unter der Woche als „Allrounder“ für eine Hohenloher Firma in der Schweiz.

Und da gibt es ja noch das Motorradfahren – inklusive eines respektablen Unfalls. „Das war 1998 in Österreich, Selbstüberschätzung“, sagt er im Rückblick. Neckermann touchierte eine Mauerkante, danach fiel er 30 Meter eine Böschung hinunter. Ein Hubschrauber brachte ihn ins Krankenhaus. „Das war ein Einschnitt in meinem Leben, auch wenn ich nicht lebensgefährlich verletzt war. Die Genesung war schwierig, ich konnte unter anderem meinen Arm nicht mehr waagrecht strecken.“ Heute funktioniert sein Bewegungsapparat wieder normal. Ins Krankenhaus geht er nur zum Blutspenden, das für ihn „eine kleine Sucht“ geworden ist. Angefangen hat es bei der Bundeswehr. „Für gute Leistungen wie das Blutspenden gab es einen Tag Sonderurlaub, das nimmt jeder mit.“

Keine Probleme mit Aderlass

Fünfmal pro Jahr schafft es Neckermann. Ein paar Wochen nach der Spende spürt er: „Jetzt wird es wieder einmal Zeit.“ So einige Bekanntschaften hätten sich dadurch über die Jahre hinweg ergeben. Gesundheitlich macht ihm der Aderlass keine Probleme: „Ich stehe danach auf und gehe heim. Ich hatte noch nie Probleme mit Blut oder Nadeln.“ Dass Blut auch ins Ausland verkauft werde, stört ihn nicht. „Dann bringt es dort etwas. Man kann es ja nicht künstlich herstellen.“

Vor einigen Jahren hat der Hellmannshofener bei einer Blutspende zufällig eine ehemalige Klassenkameradin wiedergetroffen. Auf das meistens angebotene Vesper („manche machen ein ganz gutes“) als Belohnung ist er nicht aus – eher freut sich Neckermann auf das Lächeln des Personals und den Satz „Danke für die Spende!“.

Als häufigem Spender werden ihm routinemäßig Eisentabletten angeboten, um „die Speicher aufzufüllen“. In seinem Bekanntenkreis ist er der Einzige, der Lebenssaft spendet. Neckermann versucht, sein Umfeld zu motivieren. Aber er sagt auch: „Das muss von selbst kommen, man muss überzeugt davon sein.“ Wie oft er noch spenden wird? „Solang es geht. Hoffentlich bleibe ich gesund und muss keine bedenklichen Medikamente nehmen. Ich denke, bis zum Alter von 65 ist es erlaubt.“ Erst einmal ist er nicht zur Spenden zugelassen worden – allerdings aus formalen Gründen. Neckermann hatte seinen Blutspendeausweis dabei, allerdings nicht seinen Personalausweis. „Leute, ihr könnt doch ablesen, dass ich Mehrfachspender bin“, versuchte er es freundlich. Doch das Personal blieb hart.

Dafür ging es ein anderes Mal besonders schnell. Während seiner Bundeswehrzeit in Ellwangen gab es auf der nahen Autobahn 7 eine Massenkarambolage. „Wir Soldaten wurden aufgefordert, Blut zu spenden.“ Neckermann lächelt. „Bei den damals 3500 Soldaten wäre es ganz schön viel gewesen.“ Er selbst hat die seltene Blutgruppe AB+. Diese war gesucht. Ein Notarzt aus Aalen raste mit Martinshorn und mit ihm an Bord nach Wasseralfingen. „Wir sind mit 140 Kilometer pro Stunde in den Ort rein“, erinnert er sich.

Noch in der Notaufnahme ist ihm Blut abgenommen worden, das Personal meinte: „Gut, dass es Flüssiges gibt.“

Info Dietmar Neckermann wohnt gemeinsam mit seiner Partnerin im Frankenhardter Teilort Hellmannshofen. Er ist 56 Jahre, geschieden und hat zwei erwachsene Kinder.

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