Kreis Hall Pfand-Kaffeebecher kommen gut an

Einfach weggeworfen: Ein Einweg-Kaffeebecher liegt auf der Straße. Damit soll im Landkreis Schwäbisch Hall Schluss sein. Ein neues Kaffeebecher-Pfandsystem wurde auf den Weg gebracht. Die Klimaschutzbeauftragte hat es im Kreisausschuss vorgestellt.
Einfach weggeworfen: Ein Einweg-Kaffeebecher liegt auf der Straße. Damit soll im Landkreis Schwäbisch Hall Schluss sein. Ein neues Kaffeebecher-Pfandsystem wurde auf den Weg gebracht. Die Klimaschutzbeauftragte hat es im Kreisausschuss vorgestellt. © Foto: dpa
Kreis Hall / Von Marcus Haas 11.07.2018
Sie ist Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Schwäbisch Hall. Caroline Mayer zieht im Kreisausschuss ein erstes Zwischenfazit. Hauptthema ist ein neues Kaffeebecher-Pfandsystem.

Seit rund einem Jahr ist Caroline Mayer Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Schwäbisch Hall. Nun berichtete sie im Umwelt- und Technikausschuss über die Projekte im Klimaschutzmanagement. Großes Thema: Ein neues Kaffeebecher-Pfandsystem der Firma Recup wurde vollends auf den Weg gebracht.

„Der Kunde bekommt einen Mehrwegbecher und zahlt einen Euro Pfand dafür“, erklärt die Klimaschutzbeauftragte. Die Becher gibt es in zwei Größen und sind mit der Skyline des Landkreises Hall bedruckt. Die Klimaschutzbeauftragten der Städte Schwäbisch Hall und Crailsheim haben mitgeholfen und Bäckereien gewonnen, die mitmachen. „Es ist längst keine Landkreislösung mehr. Wer seinen Becher im Zug dabeihat, kann ihn beispielsweise auch in München oder Berlin abgeben“, sagt Mayer und ergänzt: „auch ein Marketingfaktor für den Landkreis.“

Über 1000 Partner

Am Anfang waren es 250, mittlerweile können leere Becher an über 1000 Partnerstandorten deutschlandweit zurückgegeben werden. 23 Bäckereien, Cafés und Kantinen machen bereits mit im Landkreis Schwäbisch Hall und „die erste Tankstelle wurde auch schon gewonnen“, sagt Mayer. Die Becher kämen bei den Kunden gut an, gibt die Klimaschutzbeauftragte ein positives Zwischenfazit wieder. Sie nennt Vorteile wie Einsparung von Abfall, Ressourcen und Kohlendioxid. Zudem trage der nachhaltige Konsum zur Bewusstseinsbildung bei.

Becher zu Weihnachten

„Meine Frau hat seit zwei Jahren ihren eigenen Becher im Rucksack dabei und füllt selbst ab“, sagt Friedrich Zahn (Grüne/ÖDP). Der Kreisrat ergänzt, dass seine vier Jungs zu Weihnachten auch jeder einen Becher bekommen haben. „Im Endeffekt ist es ein kleiner Mosaik­stein. Es müsste an einem größeren Rad gedreht werden, damit viel Verpackungsmüll erst gar nicht in der Umwelt landet“, macht Zahn deutlich. Die Mittelflut sollte direkt an der Quelle eingedämmt, über den Preis geregelt werden. Bedeutet: Gleich bei der Herstellung sollten die ganzen Entsorgungskosten auf den Kostenblock der Verpackungsindustrie draufgepackt werden.

„Werben Sie auch in Bussen, im Schülerverkehr für das Kaffeebecher-Pfandsystem“, rät Annette Sawade (SPD) in Richtung Mayer.  Kurt Wackler (Freie) macht auf große Unternehmen im Fast-Food-Bereich im Landkreis aufmerksam. Da sei, mit Blick auf den ganzen Müll nur wenige Meter vom Standort entfernt, die große Politik gefordert, eine Regelung von oben notwendig. „Das Verpackungsmaterial sollte entweder zu 100 Prozent abbaubar oder wiederverwertbar sein“, betont der Kreisrat.

Lieber Porzellantasse

„Das ist ja alles recht und gut, aber ich sitze lieber an einem Tisch und trinke Kaffee aus einer Porzellantasse. Wie weit ist denn unsere Kultur gesunken?“, kommentiert Kreisrat Friedrich Bay (Freie) das Becherthema. Daniel Kießecker (Grüne/ÖDP) hat ein ganz anderes Problem. Dem Kreisrat fehlt das Thema Landwirtschaft im Klimaschutzkonzept des Landkreises. „Das vermisse ich. Die Landwirtschaft ist einer der größten Verursacher, deshalb gibt es auch große Chancen­­, etwas zu verbessern“, betont der Kreisrat. Er nennt die Förderung des Humusaufbaus in Böden und damit große Speichermöglichkeiten von Kohlendioxid als ein Thema. Die Kohlendioxid-Belastung könnte dadurch in den vorindustriellen Bereich zurückgesetzt, gesenkt werden.

Ausbildung zum Klima-Scout

„Was bringen die Projekte, um Kohlendioxid zu senken?“, fragt in dem Zusammenhang Kieß­eckers Fraktionskollege Gottfried Gronbach, ob ausgewertet wird. „Das ist sehr aufwendig und dauert noch etwas. Die letzte Kohlendioxidbilanz wurde 2014 gemacht“, antwortet die Klimaschutzbeauftragte und gibt noch einen Ausblick. Dabei geht es vor allem um Klima-Scouts. „15 Auszubildende werden als kommunale Klima-Scouts ausgebildet“, erläutert Mayer. Die Ausbildung erfolgt im Energiezentrum in Wolpertshausen.

In der Theorie geht es um Themen wie Klimaschutz, Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Praktisch suchen die Auszubildenden im Landratsamt nach Energiefressern und planen eigene Aktionen, um Nutzer zu sensibilisieren, Energie einzusparen.

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