"Einige Äußerungen im Internet machen Angst"

SWP 18.11.2013

Im Anschluss an die Lesung führt Helmut Zeller ein Interview mit Marika Novakova.

Zeller: Wann haben Sie erfahren, dass Sie im KZ geboren wurden?

Novakova: Ich habe erst zum Ende der ersten Klasse erfahren, dass ich im KZ geboren wurde. In meinem Zeugnis stand als Geburtsort Kaufering/Deutschland. Damit war ich die einzige in der Klasse und habe meine Mutter gefragt. Sie war sehr verschlossen und wollte nicht darüber sprechen. Als Kind dachte ich immer, Kaufering wäre ein Waldstück gewesen. Nach Jahren hat mir Miriam Rosenthal bei einem Treffen mehr darüber erzählt.

Zeller: Was wissen Sie über das Schicksal Ihres Vaters?

Novakova: Ich habe lange Jahre nicht gewusst, dass Lazar Fleischmann nicht mein richtiger Vater ist. Meine Mutter hatte im Sommer 1947 wieder geheiratet. Mein Vater ist in Auschwitz-Birkenau ums Leben gekommen.

Zeller: Gibt es Kontakt zu den anderen sechs in Kaufering geborenen Kindern?

Novakova: Wir trafen uns alle im Jahr 2007, das war sehr bewegend. Wir hatten gleich das Gefühl, dass wir Geschwister sind. Ich bin sehr glücklich, wir haben bis heute Kontakt miteinander.

Zeller: Haben Sie auch nach dem Kriegsende Antisemitismus erfahren?

Novakova: In der Schule war Antisemitismus nicht so verbreitet. In letzter Zeit habe ich das Gefühl, die Situation verschlechtert sich. Manche Äußerungen im Internet machen meinen Kindern und Enkeln Angst. Meine Bitte an alle Gäste ist, jeder soll der Verbreitung Einhalt gebieten.

Tochter vor jeder Gefahr schützen
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