Gaildorf Beim Feiern „einfach mal den Krieg vergessen“

Für das große Fest ist alles vorbereitet. Frauen und Kinder haben sich chic gemacht, das Essen ist bereit. Das Bild zeigt (von links) Hanifa Youseff, Rehab Slibi und Rozalin Hassan mit ihrem Sohn.
Für das große Fest ist alles vorbereitet. Frauen und Kinder haben sich chic gemacht, das Essen ist bereit. Das Bild zeigt (von links) Hanifa Youseff, Rehab Slibi und Rozalin Hassan mit ihrem Sohn. © Foto: Sigrid Bauer
Gaildorf / Sigrid Bauer 08.11.2018
Feiern wie in ihrer Heimat, zusammen mit Frauen aus Deutschland und anderen Ländern – das haben sich vier syrische Frauen aus Gaildorf vorgenommen. Am Samstag wurde das große Fest gefeiert.

In Syrien feiern wir viel, zum Beispiel auf Hochzeiten, das fehlt uns hier. Außerdem wäre ein Fest vielleicht eine gute Möglichkeit, deutsche Frauen kennenzulernen“, erklärt Hanifa Youseff. Die 30-jährige Mutter zweier Mädchen im Alter von neun und drei ist mit ihrem Mann aus Syrien geflohen. Sie sind kurdischer Abstammung und wurden deshalb diskriminiert. „Wir bekommen in Syrien keinen Pass“, sagt sie. Deshalb wollen sie auf keinen Fall zurück, sondern in Deutschland bleiben. Wie ihre drei syrischen Freundinnen, mit denen sie das Fest vorbereitet hat, hat sie in Gaildorf eine Wohnung gefunden. „Wir vier haben uns erst hier kennengelernt“, berichtet sie. Die vierte Frau ist leider zum Fest nicht da, sie ist verreist.

Rozalin Hassan ist ebenfalls Kurdin. Die 32-Jährige kann sich eine Rückkehr nach Afrin bei Aleppo nicht vorstellen. In Syrien war sie Lehrerin, zuletzt hat sie ein Bekleidungsgeschäft geführt. Aber jetzt sei alles kaputt. Jeden Tag bekommen sie und die anderen Frauen schlechte Nachrichten aus der Heimat, wo noch Verwandte leben.

„Wir treffen uns mit Familienangehörigen im Libanon, nach Syrien können wir nicht“, berichtet Rehab Slibi. Die 28-jährige Muslima aus Damaskus hat ihren Bruder verloren. Assads Leute hätten ihn festgenommen und getötet, sagt sie. Die junge Frau ist seit gut zwei Jahren in Deutschland, hat hier ihren Mann kennengelernt. „Ich konnte nur eineinhalb Monate in den Deutschkurs gehen, dann kam das Baby“, erzählt sie. In Damaskus war sie Sportlehrerin. Sie würde gern hier arbeiten, aber mit dem Kind sei es jetzt nicht möglich.

Regelmäßig besuchen die Frauen das Gaildorfer Frauen-Café, das Silke Manderscheid,  Integrationsmanagerin im Landratsamt und zuständig für Gaildorf, einmal im Monat für die Flüchtlingsfrauen organisiert. Dort hatte Hanifa Youseff die Idee für das Fest. Dort hat sie auch Dagmar Seybold von der Flüchtlingshilfe der Diakonie Gaildorf kennengelernt, die sich um einen Termin und Räume im evangelischen Gemeindehaus für das Fest gekümmert hat. „Die Kirche unterstützt uns ganz wunderbar“, betont sie. Zu fünft hätten sie sich ein Programm überlegt. „Die Frauen haben Özlem Schwarzenhölzer angesprochen, ob sie mit einem Bauchtanz auftritt. Sie hat zugesagt und will auch einen Kreistanz mit allen Frauen zusammen machen“, schildert die Diakoniemitarbeiterin. Für orientalische Musik haben Hanifa und ihre Freundinnen gesorgt. Dagmar Seybold hat sich um die Technik gekümmert und hat Musik mitgebracht, die eher dem Geschmack der Deutschen entspricht, es soll ja auch musikalisch eine bunte Mischung sein.

Jeder steuert etwas bei

Die Tage zuvor haben die Syrerinnen in Gaildorf und Umgebung Plakate aufgehängt und Hanifa Youseff, die neben Kurdisch und Arabisch auch Türkisch und ein bisschen Afghanisch und Deutsch spricht, hat bei den Frauen aus ihrem Bekanntenkreis für das Fest geworben. Die Besucherinnen bringen Schüsseln und Platten mit appetitlich angerichteten Speisen mit. Jede Frau steuert etwas aus ihrer Heimat zum Büfett bei. Etwa 40 Frauen kommen dann auch.

„Kinder sind dabei“, meint Hanifa. Sie selber hat ihre beiden Mädchen mitgebracht. Die Dreijährige steht in einem schwarzen, langen Spitzenkleidchen am Eingang und hält jedem Gast eine Schale mit Bonbons als Begrüßung hin. Die Frauen haben sich chic gemacht. Sie freuen sich auf den Abend und begrüßen alle mit einer Umarmung.

„Einfach mal den Krieg vergessen“, hat Hanifa Youseff vorher gesagt. Alle drei wünschen sich, dass sie bei dem Fest deutsche Frauen kennenlernen, mit denen sie sich auch mal privat treffen können, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern – aber auch, um vielleicht eine deutsche Freundin zu finden.

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