Schwäbisch Hall „Eine Stadt ist nie fertig“

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 22.11.2018
Normalerweise präsentiert OB Pelgrim im November im Siedersheim Zukunftsideen. Doch derzeit bewegt sich in Hall so viel, dass die Vorstellung aktueller Projekte den Abend füllt.

Rund 40 Millionen Euro kostet der Weilertunnel. Was bringt der?“, will ein Mitglied von Alt Hall von Oberbürgermeister Pelgrim wissen. „Wo soll der Jakobimarkt abgehalten werden, wenn der Haalplatz 2019 saniert wird?“, lautet eine andere Frage. Und: „Wann wird das Bahnhofsareal bebaut?“

Mollige Wärme verbreitet sich im Siedersheim. Der Ofen knistert. Gemütlich sitzen diesmal nur 20 Gäste an den Holztischen und nippen am Bier. Einmal im Jahr stellt sich der OB den Fragen. Er ist Vorsitzender des Vereins Alt Hall, in dem die Sieder organisiert sind. Ein Heimspiel also im Vereinsheim „Hoolgaascht“. Pelgrim präsentiert dort regelmäßig Zukunftsprojekte, um mit einem Testballon ein Stimmungsbild einzufangen. „Wer Visionen hat, geht zu Alt Hall“, könnte man titeln. Dieses Mal gibt er einen Sachstandsbericht ab, der auf wenig Kritik stößt.

Es wird gebaut

„Eine Stadt ist nie fertig“, schlussfolgert Hermann-Josef Pelgrim am Ende seiner „Tour d’Horizon“. „Die Aufgaben werden nicht weniger.“ Der OB sortiert am Montagabend die lokalpolitischen Baustellen.

Einen Imageerfolg habe Schwäbisch Hall zu verbuchen. Da ein ZDF-Fernsehteam im Frühjahr beim Bericht über Oscar-Preisträger Gerd Nefzer nicht alle Aspekte über die Stadt Hall unterbringen konnte, holte es das kürzlich für einen Beitrag am 7. November in den Heute-Nachrichten nach. „So oft kommt man auch nicht mit einem Werbeblock ins ZDF-Heute“, freut sich Pelgrim.

Schwäbisch Hall könne aber auch eine erstaunliche Entwicklung vorweisen. Es entstehen mehr Jobs als Menschen zuziehen. Rechne man zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten noch die Freiberufler und Beamte, komme man auf 31 000 Menschen, die in Hall arbeiten. Die Gewerbesteuer erreichte zuletzt mit 42 Millionen Euro einen Höchststand seit 2002. Als die Bausparkasse noch in Hall und nicht wie heute in Frankfurt veranlagt wurde, betrug die Einnahme für Hall allerdings 80 Millionen Euro (rund 60 davon kamen von der Bausparkasse). „Hall war eine der steuerstärksten Städte des Landes“, sagt Pelgrim.

Die Ausgaben für die frühkindliche Bildung seien mit 23 Millionen Euro (inklusive Geld an freie Träger und inklusive Gehalt für Verwaltungsmitarbeiter) der mit Abstand größte Etatposten. Und der werde mit der Abschaffung der Elternbeiträge steigen.

Das neue Globe-Theater sei bereits 2006 nicht mehr als temporäres Gebäude tragbar gewesen. Schon damals ging es um ein Ersatzbauwerk. „Im Grunde nahm ich es auf meine Kappe, die Betriebserlaubnis um zehn Jahre zu verlängern“, sagt er. „Jetzt stehen wir vor der Eröffnung des Neubaus.“ Er stelle fest: „Viele werden uns darum beneiden.“ Er hat bei Gesprächen am Bauzaun gehört, dass viele auswärtige Besucher deutlich euphorischer über das neue Gebäude sprechen als die jeweiligen Haller Gastgeber.

Ein viel größeres Projekt werde mit der Reaktivierung des Karl-Kurz-Areals gestemmt. „Die Fläche ist größer als die des Kocherquartiers“, berichtet das Stadtoberhaupt. Die Gartenschauhalle sei in Zeiten von wenig Steuereinnahmen aufgegeben worden. Seitdem fehle Hall ein Veranstaltungszentrum für kleinere Messen. „Die Angebote ver­flüchtigten sich und fanden in der Arena in Ilshofen und auch im Hangar in Crailsheim neue Orte“, sagt Pelgrim. Das könnte sich nun mit dem Fassfabrik-Areal ändern. Dort zieht die Würth-Eventagentur Marbet ein. Zudem findet die Modemarke Mustang Platz. Es entstehe ein Veranstaltungs- und Ausstellungsbereich. Durch den Wegfall der Hessentaler Krone und die Verkleinerung des Haller Hofs fehlten 200 Betten. Daher soll das Karl-Kurz-Areal ein Hotel erhalten. Die Erneuerung des Bahnhofsareals werde eine „Herausforderung“. Die Unterführung unter der Bahn werde teuer. Zudem müssten sich die Bauwilligen an das Prinzip gewöhnen, dass ein Hauptinvestor die Tiefgarage für weitere Häuslebauer erstellt und die dann an den Kosten beteiligt werden. „Das ist neu für Hall“, sagt Pelgrim. Das Gelände werde bis Mitte 2019 geräumt. Ab Anfang 2020 würden die Grundstücke vergeben. Dann gehe die Bebauung los.

Beim Haalplatz sei der „Prozess nicht mehr aufzuhalten“. Am 6. Dezember tage das Preisgericht. Danach könnten sich die Haller die Entwürfe ansehen. Im zweiten Halbjahr 2019 würde der Platz umgestaltet. Allerdings weder mit Tief- noch mit bedeutenden Hochbauten. „Es geht ausschließlich um eine oberflächliche Umgestaltung.“ Daher hofft Pelgrim, dass vor dem Jakobimarkt 2020 einiges fertig ist, womit eine der Zuschauerfragen beantwortet wäre.

Die neuen Schutzbestimmungen für Lärm, die zu hohen Wällen für neue Bewohner und einem Aktionsplan für die bestehende Bebauung führten, würden die Verwaltung herausfordern. Der Ausbau mit Breitband-Internet stehe an. Und der Fachkräftemangel verstärke sich. Pelgrim stellt in Aussicht, dass die Geschäftsstelle des Städtebündnisses Hohenlohe Plus, das auch für Fachkräfte werbe, in Hall angesiedelt wird.

Der Weilertunnel sei vor 50 Jahren geplant worden. Damals war die Idee, vierspurig durch ganz Hall zu fahren. Der Lange Graben hätte vier Fahrbahnen erhalten. Das wurde verworfen. Übrig geblieben ist eine vierspurige Strecke im Tunnel. Ist der nach der Inbetriebnahme der Westumgehung und der Ostumfahrung noch nötig? „Wäre er zweispurig ausreichend?“, fragt der OB. Er sagt Ja. „In 20 Jahren werden wir froh darüber sein.“ Der Verkehr nehme schließlich zu. 2023 könnte der Tunnel eröffnet werden.

In der öffentlichen Diskussion neu: Die Stadt Hall hat den grünen Hangar in der Eugen-Bolz-­Straße des Solparks gekauft. Nun gehören die beiden ehemaligen Flugzeughallen der Stadt. Beide seien als Lagerflächen vermietet und das werde auch so bleiben, berichtet Pelgrim. Und dann entlocken ihm die Mitglieder vom Verein Alt Hall doch noch so eine Vision, wie sie sie sonst bei dem Termin im Siedersheim regelmäßig erfahren. Konkret sei nichts. Doch Pelgrim könnte sich vorstellen, dass ein Hangar eine Sportevent-Halle für Großereignisse werde. Noch sei nichts detailliert geplant.

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