Künstler „Eine gesunde Aufregung muss sein“

Sänger, Schauspieler, Chorleiter und Impresario des neuen Formats  „T(Hall)ent-Show“: Brady Swenson.
Sänger, Schauspieler, Chorleiter und Impresario des neuen Formats  „T(Hall)ent-Show“: Brady Swenson. © Foto: Foto: John London
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 17.04.2018

Eigentlich wollte er 1993 wegen eines Engagements nur für ein Jahr in Berlin bleiben. Jetzt lebt Brady Swenson bereits ein Vierteljahrhundert in Deutschland, vor allem in Berlin. Aber im Sommer 2017 zog er mit seiner Frau und den zweieinhalb Jahre alten Zwillingen nach Schwäbisch Hall.

Die Stadt kannte er bereits von den Freilichtspielen: 2015 und 2016 spielt er den Heiner in „The Stairways to Heaven“. Auch gemeinsam mit der Haller Bigband trat er auf. Jetzt ist er in Hall daheim, und fasst auch als Chorleiter und Gesangslehrer in Hohenlohe Fuß. Er dirigiert den Kirchenchor in Sulzdorf, den Aspacher Kinderchor in Oberaspach sowie weitere Chöre in Dörzbach, Rüblingen, Bibersfeld und Oberrot. Der Familienvater ist abends viel unterwegs. „Dafür ist das Wochenende heilig, das gehört der Familie – so gut es eben geht“, meint er lächelnd.

Alle Künste willkommen

Nun möchte Swenson gemeinsam mit dem Anlagencafé-Team die offene Bühne umsetzen. Premiere ist am Donnerstag, 19. April. Ob Sänger oder Stand-up-Comedian, Multiinstrumentalist, Jongleur, Kabarettist, Jongleur oder Poet – alle Kunst-Begabten sollen willkommen sein. „Ich hatte das ähnlich auch in Berlin organisiert“, erzählt er. Dort konnten sich seine Gesangsschüler auf der Bühne ausprobieren.

Swenson stand auch selbst auf solchen Bühnen, „um meine Eigenkompositionen und Lieder zu testen, und wie es ist, sich selbst auf der Gitarre zu begleiten“. Auch der Profi kennt Lampenfieber: „Vor allem beim Vorsingen für eine Rolle, das ist oft schlimmer als bei einer Premiere.“ Klar, ein bisschen Anspannung gehöre immer zum Auftritt dazu: „Eine gesunde Aufregung muss sein.“

Swenson hat schon als Kind im Kirchenchor gesungen. „Als Knabensopran machte ich erste Erfahrungen.“ Gut erinnert er sich an einen Auftritt als Viertklässler bei einem Wettbewerb in seiner Heimatstadt. Tags zuvor hatte sich der kleine Brady die Hand gebrochen. „Dann stand ich mit dem Gips auf der Bühne und musste singen.“ Seine Mutter saß in der letzten Reihe. Später habe sie erzählt, dass sie sah, wie die Gipshand des Buben vor Aufregung zitterte, aber die Knabenstimme blieb klar.

Die neue Reihe, die der Amerikaner nun in Hall etablieren möchte, nennt er „T(Hall)ent-Show“. „Ein Wortspiel, wie wir das auch schon bei ,The Stairways to Heaven‘ gepflegt haben: Zum Schluss haben wir immer mit dem Publikum ,Schwäbisch Hallelujah‘ gesungen – ein großer Spaß.“

Ob Neuling oder Profi, bei der „T(Hall)ent-Show“ im Anlagencafé soll jeder seine Chance bekommen. Damit er den Ablauf planen kann, freut sich Swenson, wenn sich die Auftrittswilligen bei ihm anmelden. Swenson wird das Format moderieren und auch selbst Songs zum Besten geben. „Mir ist es wichtig, dass es entspannt abläuft.“

Info Die „T(Hall)ent-Show“ mit Brady Swenson beginnt am Donnerstag, 19. April, um 19.30 Uhr im Haller Anlagencafé. Der Eintritt ist frei. Swenson freut sich, wenn sich Auftrittswillige bei ihm anmelden: bradyswenson@hotmail.com

Ein Amerikaner wird heimisch in Hall

Brady Swenson ist vor fünf Tagen 48 Jahre alt geworden. Er stammt aus Chippewa Falls im US-Bundesstaat Wisconsin. Schon als Kind hat er in Chören gesungen und war musikalisch aktiv. Am Luther College in Decorah im Bundesstaat Iowa studierte er Musikwissenschaft, Gesang, Chorleitung, Klavier, Schauspiel und Tanz. Bei zahlreichen Musicalproduktionen hat er Bühnenerfahrungen gesammelt. Von 1993 an lebte Brady Swenson in Berlin. Er war unter anderem in der Revue „Jazz Leggs“ am Berliner Friedrichstadtpalast sowie in Musicals wie „Les Misérables“ in Duisburg und „Elisabeth“ in Essen zu erleben. Als Leadsänger war er unter anderem mit einer Berliner 70er-Jahre-Disco-Band unterwegs. Brady Swenson komponiert, ist Chorleiter und Gesangslehrer. Bei den Freilichtspielen Hall verkörperte er in den Spielzeiten 2015 und 2016 mit Heiner eine der Hauptrollen in „The Stairways to Heaven“, zudem spielte er 2016 den Annas in „Jesus Christ Superstar“. Im Sommer 2017 zog er mit seiner Familie – seine Frau und ein Zwillingspärchen im Alter von zweieinhalb Jahren – nach Hall. Ein älterer Sohn Swensons studiert in den USA. Brady Swenson leitet in der Region verschiedene Chöre, er unterrichtet Gesangsschüler, einmal in der Woche auch in Nürnberg. blo