Dieselgate? Alles Unsinn, findet ein Kunde aus Sulzdorf, der mit prüfendem Blick den brandneuen Tuareg begutachtet: „Selbst der Kretschmann hat gesagt, dass Dieselfahrzeuge besonders umweltfreundlich sind, weil sie weniger Sprit verbrauchen und dass man die kaufen soll.“ Der Ursprung der ganzen Geschichte liegt für ihn in den USA: „Die finden, dass VW zu viele Autos bei ihnen verkauft, denen geht es doch nicht ums Abgas.“ Beim Umweltschutz sieht der Dieselfan ganz andere Versäumnisse: „Wir sind hier in der Großen Kreisstadt Hall und die S-Bahn endet in Öhringen. Hallo?“

 Bei der 37. Frühjahrsschau im Autohaus Koch dreht sich alles ums Auto. Dass der SUV-Hype ungebrochen ist, zeigt sich an der Menge von Interessenten, die sich um die gewichtigen „Sportive Urban Vehicels“ scharen. Elektroautos sind zwar auch im Angebot, stehen jedoch auf dem Kunden-Wunschzettel nicht an erster Stelle: „Elektromobilität ist sicherlich das Ziel, das aber nicht in der Geschwindigkeit erreicht werden kann, die die Politik jetzt fordert“, macht Geschäftsführer Thomas Härterich seinen Standpunk klar.

E-Mobilität noch ausbaufähig

Sein Unternehmen unterstütze die Entwicklung, aber ohne eine entsprechende, länderübergreifende Infrastruktur blieben die Kunden skeptisch: „Man will ja mit seinem Auto auch in den Urlaub fahren können ohne ständig vor dem Problem zu stehen, wo krieg ich jetzt den Strom dafür her.“

Beim Nachbarn Zweirad-Zügel, mit dem Koch seit 37 Jahren gemeinsam zum großen Frühlingsevent einlädt, sieht die Elektro-Welt ganz anders aus: „Von allen Fahrrädern, die wir verkaufen, machen E-Bikes mittlerweile 35 Prozent aus“, kann Wolfgang Zügel berichten. Käufer sei längst nicht mehr überwiegend die „Ü-50“ Generation: „Die akkuunterstützten Fahrräder werden immer leistungsfähiger und schicker, das bemerkt auch die jüngere Käuferschicht.“ Seit 1994 biete Zügel E-Bikes an: „Seither habe ich noch keinen einzigen Kunden erlebt, der wieder auf ein herkömmliches Rad umsteigen wollte.“

Youngtimer immer populärer

Nicht um die Umwelt, sondern um Schönheit und Leidenschaft geht es beim „Youngtimer“-Treffen, das erstmals zum Festprogramm der Frühjahrsschau gehört. 20 bis 25 Jahre alt sollen die Autos sein, die sich hier präsentieren. Doch es haben sich einige dazwischengeschmuggelt, die erheblich mehr auf dem Buckel haben. Heinz Engel aus Michelfeld ist mit seinem NSU RO 80, Baujahr 67, da: „Von der Form her ist der völlig zeitlos“, lobt er seinen Liebling, dessen „Bruder“ 1970 in Hall als Fahrschulauto unterwegs gewesen sei.

Dieter Bach hat sein Golf 1-Cabrio aus Waldenburg mitgebracht: „Das ist das erste Auto, das ich mir in den 80ern mit meinem eigenen Geld gekauft habe.“ Mit offener Motorhaube präsentiert ein Polo G40, Baujahr 91, sein blitzblankes Innenleben. Herrchen Andreas, Baujahr 74, nutzt ihn nicht mehr als Alltags-Auto: „Dazu ist er mittlerweile zu schön geworden.“

„Ein voller Erfolg“, freut sich Showmoderator Andreas Häberle, Teile-Vertriebsleiter bei Koch, über die rund 40 Old- und Youngtimer. Ersatzteile für die betagten Herrschaften zu erhalten, sei kein Problem mehr: „Die Hersteller haben erkannt, dass da ein echter Bedarf da ist.“

Die umweltfreundlichsten Energiequellen am Platz kommen aus drei Oldtimer-Bussen: Geht man nach den Menschenmengen, die hier für Hamburger, Kartoffel-Gröstl und Buritos Schlange stehen, muss halb Hall dem Hungertod nahe sein. Beschallt wird die Fast-Food-Orgie von sechs Schülerbands, die sich mit ihrem Auftritt Geld für Schulinstrumente erspielen.

Bereits zum zweiten Mal in Folge darf die Wolfgang Wendlandt-Schule die Kuchentheke bewirtschaften. „Offenbar haben wir im letzten Jahr mit unseren 40 hausgemachten Torten überzeugen können“, lacht Schulleiterin Susanne Gsell.