Schwäbisch Hall "Ein unschätzbarer Verlust"

Schwäbisch Hall / SWP 26.07.2014
Die Drogenhilfe im Landkreis Hall weist Mängel auf. So der Vorwurf des Drogenseelsorgers Wolfram Kaier. Bei der bundesweiten Gedenkveranstaltung für verstorbene Abhängige informierte er über seine Arbeit.

Seit 1998 wird am 21. Juli bundesweit der Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige begangen. Zu diesem Anlass, der unter dem Motto "Leben retten" steht, haben auch dieses Jahr wieder die Drogeninitiative "Raphael", die Selbsthilfegruppe für Angehörige und Freunde, der Drogenkontaktladen "Point" und die Drogenseelsorge des Katholischen Dekanats Schwäbisch Hall zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen. Auf dem Grasmarkt informierten die Einrichtungen über ihre Hilfsangebote und die Situation Betroffener in Hall. Im Anschluss erinnerten sie schweigend an die Toten. Der Gedenktag stand unter der Schirmherrschaft von Dr. Harald Terpe, Mitglied des Deutschen Bundestags (Bündnis 90/Die Grünen) und Sprecher für Sucht- und Drogenpolitik.

Für die Ehrenamtlichen des Drogenkontaktladens "Point" und den Drogenseelsorger Wolfram Kaier ist der Tod eines Besuchers jedes Mal ein unschätzbarer Verlust. "Wir setzen uns täglich dafür ein, dass die Abhängigen überleben", sagte Kaier, "und da sind wir traurig und schockiert, wenn einer auf der Strecke bleibt." Im Bundesgebiet sei die Zahl der Drogentoten gegenüber dem Vorjahr wieder leicht angestiegen. Für Kaier ein Grund, sich dafür stark zu machen, dass die bestehenden Hilfen erweitert werden.

Der Seelsorger und die ehrenamtlichen Mitarbeiter wiesen auf Mängel der Drogenhilfe im Landkreis hin. Noch immer müssten Drogenabhängige nach Ellwangen oder Aalen fahren, weil im Landkreis alle Therapieplätze belegt seien. "Eine gut funktionierende Drogenbehandlung rettet Menschenleben", betonte Kaier, "deshalb muss es unserem Gesundheitssystem ein Anliegen sein, eine wohnortnahe Versorgung zu gewährleisten."

Vor allem kritisierte er aber die ablehnende Haltung des Landkreises niedrigschwellig-akzeptierenden Hilfsangeboten gegenüber. "Wenn wir als Kirche keinen Kontaktladen anbieten würden, gäbe es im Landkreis keine einzige Drogenhilfseinrichtung für akut Drogenabhängige, die noch nicht in der Lage sind, zu einer Beratungsstelle zu gehen." Für jeden größeren Landkreis sei es Standard, diese niedrigschwellige Überlebenshilfe anzubieten.

Kaier bemängelte außerdem die laxe Haltung der Landesregierung gegenüber der Einrichtung von Drogenkonsumräumen. Die Abhängigen, die im Kontaktladen zur Vermeidung von Aids und anderen tödlichen Infektionskrankheiten sterile Spritzen bekommen könnten, müssten sich dann zum Konsum ihrer Drogen in völlig unsterile öffentliche Toiletten zurückziehen. "Wenn sich da einer eine Überdosis gibt", sagte Kaier, "stirbt der, ohne dass es jemand merkt." Außerdem scheine die Landesregierung kein Interesse daran zu haben, dass endlich, nach über zehnjähriger erfolgreicher Erprobungsphase, Ambulanzen mit klinischem Heroin eingerichtet werden, so der Vorwurf des Seelsorgers.

Bei der Gedenkveranstaltung klärten die Initiatoren über die tägliche Arbeit des Drogenkontaktladens auf. Zahlreiche Passanten ließen sich informieren.

Ansprechpartner in Hall

Kontakt Wolfram Kaier, Aids- und Drogenseelsorge, Am Säumarkt 2, 74523 Schwäbisch Hall, Telefon (0791) 4994551, E-Mail: wolfram.kaier@drs.de

www.hecken-und-zaeune.de.

Anlaufstellen Die Selbsthilfegruppe "Raphael" für Angehörige trifft sich jeden dritten Freitag im Monat um 19.30 Uhr in den Räumen der Aids- und Drogenseelsorge. Der Drogenkontaktladen "Point" ist werktags von 9 bis 11 Uhr für Drogenabhängige geöffnet.

SWP

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