Freilichtspiele „Diesen Sommer bin ich die Liebende“

Info / Maya Peters 14.08.2018
Nur noch vier Mal wird sich Schauspielerin Alice Hanimyan in „Don Camillo und Peppone“ als Gina in den Po stürzen. Unter anderem als „Julia“ ist sie im Theaterspaziergang zu erleben.

Das ist der perfekte Sommertheater-Abend“, wirbt Alice Hanimyan für „Don Camillo und Peppone“. Ab heute startet der letzte Vorstellungsblock auf der Großen Treppe mit ihr als Gina. Das Stück sei lustig, rasant und voll spritziger Dialoge. „Wir Schauspieler haben selbst so viel Spaß dabei“, meint sie und gluckst beim Gedanken daran laut auf. Es sei beim Spielen beinahe wie in einer Sitcom: „Du sagst einen Satz und weißt: Jetzt kommen wieder die Lacher“, erklärt die 29-Jährige. Es sei wohltuend, wie diese sich selbst während des Stücks entlüden.

Sie habe heuer gleich zwei Produktionen, bei denen die Leute nach dem Applaus glücklich gingen, freut sich Alice Hanimyan. Damit spielt sie auf den Theaterspaziergang „Williams weite Welt“ an, auf dem man hören kann, dass sie zugleich Sängerin ist: Ihr Mezzosopran klingt deutlich heraus.

„Das Musikalische war irgendwie schon immer in mir“, sagt Alice Hanimyan über die Anfänge ihrer Berufswahl. „Da stand ich und dachte: Wahnsinn, das ist ja ein richtiger Beruf, das möchte ich machen“, erzählt die Schauspielerin von ihrer Erkenntnis als Zehnjährige. Damals durfte sie – gegen Gage – erstmalig auf einer Theaterbühne stehen. Seitdem sie fünf Jahre gewesen sei, habe sie in Berlin im Neuköllner Chor gesungen. „Ich war damals ein eher lautes Kind, etwas vorlaut vielleicht. Mein Chorleiter hat mich immer wieder empfohlen. Er wusste, dass ich mich das traue und auch will“, blickt Hanimyan zurück.

Weitere Theater-Engagements hätten sie in ihrem Berufswunsch noch bestärkt. „Ich habe als Kind auch mal das Titellied einer Zeichentrickserie eingesungen“, erinnert sie sich schmunzelnd und meint: Einen Anteil „Künstlerblut“ habe sie durch ihre armenische Großmutter mitbekommen.

Diese sei Konzertpianistin gewesen. Aufgewachsen ist Hanimyan als Einzelkind, dafür aber eng mit der Großfamilie verbunden. Nach dem Abitur verschlug sie der Zufall 2009 als Stipendiatin nach Hamburg an die Joop van den Enden Academy. In der Hansestadt hat sie bis heute ihren Hauptwohnsitz. „Die Aufnahmeprüfung war heftig. Aber wir hatten einen tollen Schulleiter, der eher dem Schauspiel nahe war.“ 2012 schloss sie als zertifizierte Musicaldarstellerin ab.

Ihr erstes Engagement sei im gleichen Jahr am St. Pauli Theater in Hamburg im Weihnachtsstück „Die kleine Hexe“ gewesen. Ganz nah an den Kindern, mit Tanz und Gesang und Schauspiel – das sei nach der Ausbildung für sie das Beste gewesen. „Wir hatten etwa 15 Vorstellungen pro Woche“, erzählt sie, seitdem spiele sie dort regelmäßig mit. Die Kollegen von der Weihnachtsproduktion nennt sie ihre „Winterfamilie“. Zu Beginn ihres Berufslebens habe Hanimyan noch häufiger an Castings teilgenommen. „Doch ich merkte: Das ist nichts für mich.“

2013 sei sie zum Festspielsommer nach Bad Gandersheim gekommen. „Das waren tolle Stücke“, erinnert sie sich. Als es hieß, dass „Ronja Räubertochter“ aufgeführt werden solle, habe sie bei sich gedacht: „Das bin doch ich!“ Tatsächlich erhielt sie im darauffolgenden Sommer die Hauptrolle in dem Kinderstück. Seither spiele sie jeden Sommer mit Gunter Heun, Moritz Fleiter oder Christine Dorner, die auch auf der Großen Treppe zu sehen sind. „Das ist schon schön, so eine Sommerfamilie zu haben“, freut sie sich über die Kontinuität. Das fühle sich beinahe an wie ein festes Engagement, das durchaus auf ihrer Wunschliste stünde.

Mit Kollegen lebt sie in diesem Jahr erstmals in einer großen Schauspieler-WG in einem Haus in der Kreuzäckersiedlung zur Zwischenmiete. An der Gartenarbeit habe sie Gefallen gefunden. „Ich glaub’, so schön habe ich noch nie gewohnt.“ Im zweiten Jahr in Schwäbisch Hall fühle sie sich noch enger mit der Stadt und dem Ensemble verbunden. „Ich habe auch viel mehr Einheimische kennengelernt“, blickt sie bereits auf die Saison zurück. Und sogar einen Pilates-Kurs in der Stadt besucht. „Heuer hatte ich irgendwie die Rolle der unglücklich verliebten, aber gut situierten Dame“, sinniert Hanimyan. In „Don Camillo und Peppone“ sei sie Gina, die sich in den Falschen verliebe und deshalb in den Fluss Po stürzen wolle. Beim Theaterspaziergang spiele sie unter anderem die „echte“ Julia, frei nach der weltberühmten Tragödie von William Shakespeare. Und in der dritten Produktion, bei „Wilhelm Tell“ sei sie als Berta von Bruneck auch eher unglücklich verliebt, fasst sie zusammen. Doch freue sie sich nun auf ihren Partner – mit dem sie im Gegensatz zu den Theaterrollen glücklich sei – und die eigene Wohnung in Hamburg. Letzte Saison spielte sie noch im Theaterzelt auf dem Teurershof, nun auf den Stufen. „Ich sehe die Treppe ein bisschen als Fitnessprogramm. Das ist gut für meine Bikinifigur, wenn auch erst am Ende des Sommers“, scherzt sie. „Immer erst mal probieren“, sei ihr Motto. Gerade, wenn beispielsweise eine Szene gefährlicher aussehe, als sie es sei, mache es ihr große Freude. So beim Theaterspaziergang beim Hangeln am Geländer beim Schiedgraben.

„Es ist alles gut, so wie es ist“, fasst Alice Hanimyan ihre Arbeit als freie Schauspielerin, Tänzerin und Sängerin zusammen. „Ich habe genug zu tun und kann oft genau die Sachen machen, auf die ich Lust habe.“

Die Komödie „Don Camillo und Peppone“ steht von heute, Dienstag, bis Freitag, 17. August, noch vier Mal auf dem Spielplan. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr auf der Großen Treppe. Die letzten vier Vorstellungen des Theaterspaziergangs „Williams weite Welt“ sind bereits ausverkauft.

Berlinerin mit armenischen Wurzeln

Alice Hanimyan wurde 1989 in Berlin-Neukölln geboren. Sie hat armenische Wurzeln über die mütterliche Linie. Von 2009 bis 2012 war sie Stipendiatin an der Joop van den Ende Academy in Hamburg und wird Musicaldarstellerin. Seither wohnt sie in Hamburg. Von 2013 bis 2015 war die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin bei den Gandersheimer Domfestspielen engagiert. In Hamburg ist sie seit 2012 im Winter regelmäßig am St. Pauli Theater. An den Hamburger Kam­merspielen war sie als Natalie Goodman im Rockmusical „Fast Normal“, am Altonaer Theater als Doro in „Der bewegte Mann“ zu sehen. Diesen Sommer ist sie zum zweiten Mal bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall. Sie spielt in „Wilhelm Tell“, „Don Camillo und Peppone“ und „Williams weite Welt“ mit. Zu ihren Hobbys gehören Lesen und Klavierspielen. may

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