Kurzinterview „Die Wetterlagen wechseln immer schneller“

Martin Melber arbeitet ein Jahr lang auf der Zugspitze.
Martin Melber arbeitet ein Jahr lang auf der Zugspitze. © Foto: Gottfried Mahling
Gottfried Mahling 11.01.2018
Wie Meteorologe Martin Melber den Klimawandel in Westheim und auf der Zugspitze erlebt.

Noch bis Ende Mai ist Meteorologe Martin Melber aus Rosengarten-Westheim für den Deutschen Wetterdienst auf der Zugspitze tätig. In fast 3000 Metern Höhe erlebt er ständig extreme Wetterbedingungen. Doch auch daheim, wo der 57-Jährige eine private Station betreibt, scheinen die Wetterextreme zuzunehmen. Ein deutlicher Fingerzeig ist der Jahresrückblick 2017.

Die Jahresmitteltemperatur an Ihrer Wetterstation in Westheim lag 2017 unter der der letzten Jahre. Müssen wir uns wegen der Erderwärmung wirklich Sorgen machen?

Martin Melber: Egal ob auf der Zugspitze oder in Westheim – der Klimawandel ist überall zu spüren. Betrachtet man die letzten 30 Jahre, sind bis auf wenige Ausnahmen deutliche Temperaturanstiege zu verzeichnen. Hinzu kommt, dass es in den letzten Jahren immer mehr Tageshöchsttemperaturrekorde gibt. Am 31. März 2017 zum Beispiel war es zum ersten Mal überhaupt in diesem Monat wärmer als 25 Grad. Man spricht dann von einem Sommertag.

Der Januar war dafür extrem kalt…

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten war der Kocher über mehrere Wochen hinweg zugefroren. Dafür waren Februar und März sehr mild. Im April wiederum gab es extreme Fröste, und das sogar gegen Ende des Monats. Es scheint manchmal so, als wenn es gar keine langsamen Übergänge zwischen den Wetterlagen mehr gibt. Auf Sommer folgt direkt Winter und umgekehrt. Die Extreme nehmen offensichtlich zu.

Gilt das auch für die Zugspitze?

Die Erderwärmung wird einem hier besonders deutlich vor Augen geführt. Das Schneefernerhaus wurde einst direkt an den Gletscher gebaut. Heute ist das Eis weit zurückgewichen. In wenigen Jahren ist der Schneeferner vermutlich komplett weggetaut.

Ist die Arbeit auf Deutschlands höchstem Berg für Sie der erhoffte Traum?

Es ist schon ein einmaliges Erlebnis, das Wetter dort oben hautnah zu spüren. Am Silvestermorgen zum Beispiel kam ich aus der Wetterstation gar nicht mehr heraus. Es gab einen Schneesturm mit Orkanböen von 120 Stundenkilometern. Ich war in der Station völlig eingeschneit. Ein Schaufelbagger musste mich befreien. Wenige Stunden später war das Wetter fantastisch. Die Fernsicht reichte 200 Kilometer weit. Seit Juli habe ich Temperaturen zwischen 10 und minus 22 Grad erlebt.

Was hat die neue Seilbahn verändert?

Auf dem Berg wird es noch voller als bisher. Schon jetzt besuchen 500 000 Menschen pro Jahr den Zugspitzen-Gipfel. Manchmal ist es so eng, dass man kaum aneinander vorbeikommt. Ich habe aber auch einsame Momente erlebt. Wenn man abends bei dichtem Nebel keinen Fernseh- und Radioempfang mehr hat, ist das nicht lustig.

Die Wetterstation auf der Zugspitze wird demnächst automatisiert. Wie geht es ab Sommer mit Ihnen dann beruflich weiter?

Ich wechsele in die Außenstelle der Regionalen Messnetzgruppe auf den Schnarrenberg in der Nähe von Stuttgart. Dorthin kann ich von meinem Wohnort West­heim aus täglich pendeln.