Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer  Uhr

Seit ziemlich genau neun Jahren existiert der Fechtclub Schwäbisch Hall. Federführend ist die Familie Hartelt. Manfred Hartelt ist Präsident des Vereins. Er ist ein langjähriger passionierter Fechter, war 18 Jahre lang zudem Bezirksfechtwart. Das Hoolgaascht-Turnier feierte 1999 seine Premiere. Seit 2011 wird es jährlich vom FC Hall organisiert. An diesem Wochenende kämpfen Fechter und Fechterinnen der A-Jugend (U 17) um den Sieg.

Herr Hartelt, seit 2012 wird in der Hagenbachhalle gefochten. Zuvor fanden die Turniere in der Schenkenseehalle, der Ballspielhalle der JVA und in der Blendstatthalle statt. Hat sich die Hagenbachhalle für das Fechten bewährt?

Manfred Hartelt: Auf jeden Fall! Schon allein wegen der großen Küche unmittelbar an der Halle. Dazu hat sie die ideale Größe. Wir können zehn Bahnen aufbauen, in der Blendstatthalle waren nur vier möglich. Auch aufgrund der höheren Anzahl der Bahnen haben wir den Status eines Ranglistenturniers bekommen.

Im Degen gibt es drei Landesranglistenturniere: das „Hoolgaascht-Turnier“ in Schwäbisch Hall, der „Jugenddegen“ in Backnang sowie die Landesmeisterschaften. Also war diese Aufwertung wichtig?

Natürlich. Unser Turnier ist damit bekannter und interessanter für den Degen-Nachwuchs geworden. Wir werden auf Bundesebene ausgeschrieben und hatten schon Teilnehmer aus Zypern, Mexiko oder Frankreich. Diesmal allerdings hat sich nur ein Fechter aus Ungarn angemeldet.

Warum?

Diesmal haben wir mit dem Termin Pech. Zeitgleich sind die Europameisterschaften. Dadurch werden auch die stärksten Fechter aus Ditzingen, Tauberbischofsheim oder Heidenheim dort sein und nicht bei uns.

Haben damit die Fechter des FC bessere Chancen?

Sie werden sicher topmotiviert sein, aber mehr als die Vorrunde wird kaum drin sein. Sie treffen auf Gegner, die weitaus öfter trainieren und bessere Trainingsmöglichkeiten haben.

Nathan Bui war einer Ihrer Schützlinge, der knapp an einem Vorrundensieg dran war.

Richtig. Leider ist es meistens so, dass der Nachwuchs nach dem Abitur von hier wegzieht und damit auch den Verein verlässt. Das war bei ihm der Fall. Immerhin bekommen wir durch die größer werdende Hochschule auch ab und zu jemanden. Insofern schließt sich der Kreis. Zumal wir auch ein paar talentierte Schüler haben, die auch schon Ranglistenpunkte gesammelt haben.

Ist es schwierig, Nachwuchs für den Verein zu finden?

Wir haben die gleichen Probleme wie wohl fast jeder Verein. Die meisten Nachwuchsfechter rekrutieren wir aus unserer Schul-AG.

Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, dass die Hauptwaffe beim FC der Degen ist. Warum ist das so?

Wir bieten alle drei Waffen – Degen, Florett und Säbel – an und unsere Trainer sind auch für alle Gattungen ausgebildet. Aber es stimmt: Der Degen ist unsere Hauptwaffe, die Waffe der Musketiere. Wir sind einfach familiär darauf geprägt. Ich selbst, meine Kinder, wir alle haben mit dem Degen gefochten. Zudem gibt es noch die Fechtabteilung der TSG, die hauptsächlich das Florett anbietet. Da wollten wir uns anders positionieren.

Hall ist keine Großstadt, hat aber ein vielfältiges Sportangebot. Gehörte Fechten immer dazu?

Unbedingt! In Hall wurde im Prinzip schon immer gefochten. Vor vielen Jahren waren wir eine Fechterclique. Und deshalb gibt es Fechten auch heute noch.

Ist es für das Fechten günstig, wenn man kleiner oder größer ist?

Als größerer Mensch hat man mehr Reichweite, das kann schon ein Vorteil sein. Doch auf die Körpergröße kommt es nicht an. Jeder kann fechten. Der Wille ist das, was man braucht, um erfolgreich zu sein.

Mancher Nachwuchsfechter beschäftigt sich auch online mit dem Fechten, liest im Internet und sieht sich Videos an.

Natürlich ist das so. Das Internet ist Fluch und Segen gleichzeitig. Da sieht der Nachwuchs Sachen und manchmal übernimmt er etwas Falsches. Da muss man üben, üben, üben, bis eine falsche Kreisparade wieder weg ist (lacht).

Die Stadt Hall hat seine Sportförderrichtlinie vor Kurzem verändert. Was hat das für Ihren Verein bedeutet?

Ich benötige mittlerweile fast eine Sekretärin (lacht). Es gibt Formulare, Formulare und Nachweise, Nachweise. Alles muss extra gemacht werden, jeder Trainer muss auf einem gesonderten Schein angegeben werden. Was mich an der Richtlinie stört: Da werden viele Sportarten erwähnt, aber vom Fechten lesen Sie nichts.

Stimmt es, dass der Fechtclub Schwäbisch Hall beim Hoolgaascht-Turnier 2019 eine Premiere feiert?

Ja, wir werden erstmals eine Damenmannschaft stellen. Ich hoffe, dass die drei Mädchen nicht krank werden und bin gespannt, wie sie sich schlagen.

Steckbrief Manfred Hartelt

Geburtstag: 15. Juli 1955
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Gaildorf
Familienstand: verheiratet
Beruf: Beamter a.D.
Hobbys: Fechten, Urlaub an der See
Bisherige Stationen: bis 1999 TSG Hall und bis 2009 VSV Schwäbisch Hall, seit 2010 Fechtclub Schwäbisch Hall
Größte sportliche Erfolge: ehrenamtliche Tätigkeiten, 18 Jahre lang Bezirksfechtwart