„Laut Sendungsverfolgung wurde mir das Paket am 28. Februar abends zugestellt“, berichtet ein Leser aus Gottwollshausen. „Es ist vom angeblichen Empfänger mit einem mir nicht bekannten Namen quittiert.“ Im Paket befinden sich von einem Oldtimerspezialisten aufgearbeitete Bremsbacken für einen Anhänger. Es seien kaum zu ersetzende Einzelteile, die er zur Reparatur weggeschickt hatte.

„Es gab mehrere Anzeigen aus dem Raum Schwäbisch Hall“, berichtet Polizeisprecher Ronald Krötz. Der Verdacht: „Es gab eine Welle  von Unterschlagungen im Zeitraum 27. bis 28. Februar.“ Es handele  sich möglicherweise nicht um einzelne Täter, sondern um eine Gruppe, die gezielt agiert hat.

„Die Vorwürfe stimmen leider: Es kam zu Unterschlagungen“, räumt der regionale Firmensprecher von Hermes, Sebastian Kaltofen, offen ein. „Alle Beteiligten sind  des Amtes enthoben worden.“ Bereits bei internen Kontrollen sei es  zu Auffälligkeiten gekommen. „Wir wussten das sehr schnell.“ Offensichtlich kam es in den letzten Arbeitstagen von zwei Fahrern zu diesen Diebstählen „Das Unternehmen nimmt das sehr ernst“, berichtet Kaltofen. Alle geschädigten Kunden fordert er auf, sich über den „Customer-Service“ des Unternehmens zu melden. Die Kontaktdaten stehen im Internet auf der Firmenhomepage. „Wir gehen jedem Einzelfall nach.“ Vom Versandhaus Otto wurde die Paketfirma Hermes im Jahr 1972 gegründet.

Ware ist versichert

Über die Sendungsverfolgung im Internet können Kunden feststellen, wo sich ihr Paket gerade befindet. Sobald es im Paketzentrum angekommen ist oder in ein Lieferfahrzeug geladen wurde, kann der Kunde diese Informationen online einholen und somit abschätzen, wann sein Paket zugestellt wird beziehungsweise den Empfänger erreicht hat.

Die gute Botschaft für Kunden: Die Pakete seien versichert. Wer zum Beispiel eine Ware mit einem bestimmten Wert bestellt habe, erhalte den Preis voll erstattet. Beim Versenden von Gegenständen mit nicht bezifferbarem Wert, dem Gemälde vom Enkelkind, sei das schwieriger.  Der Firmensprecher entschuldigt sich für die Vorfälle. „Wir beschäftigen 14.000 Zusteller und liefern pro Tag knapp zwei Millionen Pakete aus“, berichtet er. Eine interne Kontrolle sei vorhanden, habe aber in diesem Fall zunächst nicht gegriffen.

„Die Geschädigten sollen natürlich bei der Polizei Anzeige erstatten“, berichtet Krötz. Diese Angaben würden in die weiteren Ermittlungen einfließen, die von der Polizei in Heilbronn und Öhringen geleitet werden. Polizei und Staatsanwaltschaft versuchten, die Täter zur Verantwortung zu ziehen und gegebenenfalls vor Gericht zu bringen. „Die Geschädigten können wir allerdings nicht ausbezahlen. Diese Schadensersatzforderungen gehen nur über ein zivilrechtliches Verfahren. Das bringen manchmal Bürger durcheinander“, erläutert Krötz.

In Hall sind bislang rund 10 bis 20 Fälle bekannt geworden, berichtet Krötz. Im Bereich Murrhardt waren es vor zwei Wochen ebenfalls einige Geschädigte, die sich meldeten. Die Beschuldigten waren zumindest teilweise flüchtig. „Es geht um 2000 bis 2500 Pakete mit einem Gesamtwert von etwa 300.000 Euro“, berichtete Erste Staatsanwältin Bettina Jörg aus Heilbronn auf Nachfrage der Backnanger Zeitung. Bei dem Paketdienst gingen laut Jörg etwa 900 Beschwerden von Kunden ein, weil die Pakete in der Sendungsverfolgung den Status „ausgeliefert“ hatten, tatsächlich aber nicht angekommen waren. Bettina Jörg: „Die Pakete sollten vom Lager in Öhringen aus teilweise auch an Empfänger in Murrhardt ausgeliefert werden.“

Der regionale Kommunikationsmanager Kaltofen versichert: „Die Beteiligten wurden zur Verantwortung gezogen. Der Zustellservice  funktioniert wieder einwandfrei.“

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