Aktuell haben wir wieder eine kleine Welle“, sagt Bernd Märkle, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Derzeit komme es nämlich im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums, zu dem auch Schwäbisch Hall gehört, wieder vermehrt zu Betrugsversuchen, die vor allem auf ältere Menschen abzielen. „Enkeltrick“ und „falsche Polizeibeamte“ sind die Stichworte.

„In meinem Freundeskreis ist auch schon mal jemand angerufen worden, der dann auch fast gezahlt hätte“, erzählt Dieter Breitner vom Stadtseniorenrat Schwäbisch Hall. An ihn sei aber noch nichts zu dem Thema herangetragen worden. Die Polizei versuche aber durch Vorträge für das Thema zu sensibilisieren.

Und die Betrüger suchen gezielt ältere Menschen aus. „Sie schauen beispielsweise online im Telefonbuch. An den Namen lässt sich meist schon erkennen, ob es sich um eine ältere Person handelt“, sagt Märkle. Breitner bestätigt das und sagt: „Das erkennt man schon am Vornamen.“

Diese werden dann angerufen und erschleichen sich das Vertrauen. Märkle erklärt das so: „Sie sagen ‚hallo Oma‘, diese fragt dann ‚bist du das, Sandra?‘ und schon haben die Täter den Namen der Enkelin.“ Die Angerufen wüssten dann meist gar nicht mehr, dass sie den Namen am Telefon gesagt haben.

Die Betrüger rufen meist auch mehrmals an und bitten um Geld. „Ich finde es verwunderlich, dass die Masche so erfolgreich ist“, sagt Märkle. Aber wahrscheinlich denken sich die Betroffen, so etwas passiere ihnen nicht.

Im Mai ist beispielsweise eine 83-jährige Frau in Schwäbisch Hall Opfer eines Betrügers geworden, der sich als ihr Sohn ausgegeben hat. 60 000 Euro hat die Frau einem angeblichen Boten übergeben. „Ich wundere mich immer, dass alte Menschen so viel Geld haben“, sagt Breitner.

Hohe Dunkelziffer

Bernd Märkle berichtet auch von Fällen, bei denen die Angerufenen gleich aufgelegt und sich an die Polizei gewandt haben. Genaue Zahlen der Vorfälle für Hall kann er nicht nennen, außerdem gebe es eine hohe Dunkelziffer. „Hin und wieder gelingt uns aber doch eine Festnahme.“

Neben dem „Enkeltrick“ seien auch immer wieder falsche Polizeibeamte unterwegs. Diese versuchen mit gefälschten Dienstmarken Geld von den Opfern zu bekommen, oder sie per Telefon dazu zu bringen, Wertsachen wie Schmuck an einen falschen Beamten zu übergeben. „Die Polizei würde niemals um Geld bitten, wir sind keine Bank“, sagt Bernd Märkle.

Der Polizist gibt Tipps zum richtigen Verhalten in so einer Situation. Bei Verdacht auf einen Betrugsversuch solle man das örtliche Polizeirevier anrufen und den Vorfall melden. Und wenn ein angeblicher Polizeibeamter angerufen hat, solle man auf dem Revier nachfragen. Außerdem solle man bei einem Rückruf nicht auf Wahlwiederholung drücken, sondern den Verwandten unter der Nummer zurückrufen, die man kennt. Er appelliert auch an die Verwandten, Eltern und Großeltern über diese Maschen aufzuklären.

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Mehr „Enkeltricks“ weniger „Falsche Polizeibeamte“


In der Statistik des Polizeipräsidiums Aalen aus dem Jahr 2018 sind 59 Betrugsversuche mithilfe des „Enkeltricks“ aufgeführt. 2017 waren es 23. Im Jahr 2018 sind in 48 Fällen die Opfer nicht auf die Trickanrufe hereingefallen. Trotzdem beläuft sich die Schadenshöhe auf rund 253 700 Euro. Im Bereich „angeblicher/falscher Polizeibeamter“ wurden nach dem Anstieg der Fallzahlen im Jahr 2017 auf 53 Straftaten (2016: 34), und damit auf den höchsten Stand im Fünfjahresvergleich, 2018 beim Polizeipräsidium Aalen ein Rückgang auf 48 Fälle festgestellt. Die Hälfte der Fälle blieben im
Versuchsstadium
stecken. Die Täter erbeuteten rund 101 400 Euro. kv