Sie sind in Mainhardt am unteren Ende der Lärmbelastung“, berichtet Manfred Schwarz vom Büro BIT-Ingenieure aus Öhringen dem Gemeinderat. Im März 2015 hat das Gremium die Aufstellung des Lärm­aktionsplans beschlossen und ist damit den Anforderungen einer EU-Richtlinie „über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm“ gefolgt. Trotz der Bundesstraßen B 14 und B 39 schnitt Mainhardt nicht grundsätzlich schlecht ab. Auch deshalb musste die Gemeinde erst in der Lärmkartierung der zweiten Stufe die Belastungen für ihre Bürger messen. Diese zeigen mehrere Lärmkarten, die Schwarz in der Ratssitzung vorstellte.

Durch eine Bestands- und Konfliktanalyse hat sein Büro die Lärmpegel auf Grundlage von Verkehrszählungen zwischen null und 140 Dezibel am Tag, in der Nacht und als Mittelungspegel gerechnet. Dabei wurde ein logarithmischer Maßstab für die Schalldruckpegelskala angewendet. Beispielsweise wirke ein Pkw mit 60 Dezibel, zwei hingegen werden mit 63 Dezibel angegeben. Ein Lkw sei bei 50 Stundenkilometern rechnerisch so laut wie 23 Pkw, erläutert Schwarz das kompliziert wirkende Verfahren.

B 14 über dem Schwellenwert

Im Gemeindegebiet weist nur die B 14 vom Abzweiger B 39 bis in Richtung Michelfeld 9166 Kraftfahrzeuge im Mittel auf. Damit sei sie über dem Schwellenwert von 8200 Kraftfahrzeugen am Tag. An allen anderen Messstrecken der Gemarkung liege man weit darunter, so der Ingenieur. In Ammertsweiler sind es im Vergleich weniger als die Hälfte (3952 Pkw, darunter knapp acht Prozent Schwerlastverkehr), durch Hütten auf der L 1050 fahren im Schnitt 1579 Fahrzeuge täglich, in Gailsbach sind es 1174 mit einem Schwerlastanteil von 2,2 Prozent.

Doch selbst wenn die meisten Mainhardter unter dem Schwellenwert liegen, können Einzelgeräusche das Leben beeinträchtigen: Gerade an den Wochenenden fühlen sich viele gestört durch lautes Motorradgeknatter. „Die nerven, sind meist viel zu schnell unterwegs und niemand macht was dagegen“, lautet der Tenor in Sachen Motorradfahrer in einer lebhaften Diskussion unter den Gemeinderäten. „Wir sprechen das nochmals bei der Polizei an“, verspricht Bürgermeister Damian Komor.

Neun Mainhardter seien tagsüber, elf nachts stärker von Lärm mit einem Pegel über 70 beziehungsweise 60 Dezibel betroffen, so das konkrete Ergebnis der Rechnungen von Schwarz. Weitere 47 Einwohner tags und 55 Einwohner nachts liegen im „Auslösebereich“ ab 55 beziehungsweise 60 Dezibel.

Neuer Asphalt und Tempolimits

Der Lärmaktionsplan sieht dagegen Maßnahmen vor – beispielsweise bei zukünftigen Belagserneuerungen in den Ortsdurchfahrten lärmmindernde Asphaltdecken einzubauen. „Ich bitte, damit gleich mit dem Bau der neuen Wasserleitung in Hütten anzufangen“, drängt Gemeinderat Udo Kallina auf rasche Umsetzung. Klappernde Abdeckungen sollen befestigt werden, um störende „Einzelschallereignisse“ auszuschließen, die „grüne Welle“ und Lärmschutzwände können Geräusche mindern, so der Maßnahmenkatalog weiter. Auch verstärkte Geschwindigkeitskontrollen und -einschränkungen und das Bewusstsein der Fahrer um die Lärmsteigerung bei Tempoüberschreitungen helfen, Lärm zu vermeiden. „Da sind wir alle gefragt“, mahnt Schwarz.

Weiter könne man sein Haus dämmen und Schallschutzfenster einbauen lassen. Möglicherweise gibt es dafür bald Fördergelder, denn Mainhardt bewirbt sich um eine Aufnahme ins Lärmsanierungsprogramm des Bundes. „Ich bemängle an der EU-Richtlinie, dass die Straßenbaulastträger nicht konsequenter dazu verpflichtet werden, die Maßnahmen auch umzusetzen“, schließt Bürgermeister Damian Komor im Anschluss die Debatte um die aufwendige Untersuchung. Die Ergebnisse liegen öffentlich zur Einsicht und Stellungnahme aus.

Wie eine Landkarte für weniger Lärm sorgen soll


Seit 2007 gibt es in Baden-Württemberg sogenannte Lärmkarten. Sie zeigen die Lärmbelastung an, die Hauptverkehrsstraßen und Haupteisenbahnstrecken, Großflughäfen und in Ballungsräumen beispielsweise auch Industriegelände verursachen. Auf den Lärmkarten aufbauend werden Lärmaktionspläne mit Maßnahmen zur Lärmminderung erarbeitet. Die Lärmaktionspläne werden ausgelegt, sodass die Öffentlichkeit die Möglichkeit bekommt, an deren Ausarbeitung und Überprüfung mitzuarbeiten. Lärmkarten und Lärmaktionspläne müssen mindestens alle fünf Jahre überprüft und, falls nötig, überarbeitet werden.