Gäste in Hall „Die Menschen hier sind entspannt“

Vier Wochen lang in Schwäbisch Hall, um besser Deutsch zu lernen: Ida Koskinen aus der Partnerstadt Lappeenranta.
Vier Wochen lang in Schwäbisch Hall, um besser Deutsch zu lernen: Ida Koskinen aus der Partnerstadt Lappeenranta. © Foto: Fotograf
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 09.08.2018
Ans Goethe-Institut kommen auch junge Menschen aus Halls Partnerstädten. Ida Koskinen stammt aus dem finnischen Lappeenranta und ist zum zweiten Mal im Kochertal.

Ida Koskinen geht die knarzenden Treppen im Goethe-­Institut hinunter. Aus einem Raum kommt Gesang. Eine Klasse singt: „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“. Die junge Frau wippt ein bisschen den Kopf. „Ich bin Musikerin“, sagt sie.

Vor ein paar Tagen ist die Finnin aus Lappeenranta in Hall angereist. Noch am selben Tag hat sie „die Karin“ (Karin Eißele-­Kraft, Beauftragte der Städtepartnerschaften) getroffen und wurde bei einer Eiscreme in der Stadt begrüßt. Dabei waren auch drei weitere Studenten, aus Épinal, Loughborough und Karesi, der französischen, englischen und türkischen Partnerstadt.

Ida Koskinen, 20 Jahre jung, rote Turnschuhe und rote Lippen, möchte gerne die deutsche Sprache besser lernen. Auf ein Stipendium ihrer Stadt hat sie sich beworben. „Ich habe mich vorgestellt, den Platz bekommen, hier bin ich.“ So einfach war das. Die junge Frau war vor drei Jahren schon einmal hier. „Warten Sie“, sagt sie und holt ihr Smartphone heraus. Nach kurzem Tippen und Wischen hat sie ihn gefunden: den Zeitungsbericht vom Juni 2015: „Finnische Musiker aus der Partnerstadt spielen in der Sommerhitze“. Vor wenig Publikum, der Hitze geschuldet, steht darin. Ja, daran kann sie sich gut erinnern. Das ganze Orchester quetschte sich auf dem Dietrich-­Bonhoeffer-Platz unter den einzigen Schatten spendenden Baum.

Sie spielt Eufonium, ein Foto auf ihrem Smartphone zeigt sie mit dem der Tuba ähnelnden Instrument. Neben ihr steht ihr Freund – auch Musiker. Im Jahr 2016 hatten sie mit ihrem Orchester Besuch aus Hall. Eine deutsche Musikerin war bei ihr daheim untergebracht.

Sonst hat sie wenig zu tun gehabt mit der Städtepartnerschaft. Im Vergleich beider Orte findet sie, dass Hall eine ganz andere Architektur hat. Viel mehr alte Häuser. Das sagte sie auch neulich schon einem Mitarbeiter dieser Zeitung, der sie für die Rubrik „Woher, wohin“ auf der Straße angesprochen hat . In Lappeenranta seien die Gebäude viel moderner, abgesehen von einer alten Festung, die die finnische Stadt als Sehenswürdigkeit aufzuweisen hat. Und Lappeenranta ist größer. Mit 70 000 Einwohnern fast doppelt so bevölkert wie Schwäbisch Hall. Die Finnen sollen angeblich die glücklichsten Menschen sein. Ihre Augen werden groß hinter der runden Brille. Sie kennt das genau andershe­rum. Der Stereotyp eines Finnen gelte als „grumpy“ (mürrisch), verschlossen und kühl. Die Stimmung in der deutschen Stadt, in der sie für vier Wochen sein wird, empfindet die Finnin als lebendig. „Die Menschen hier wirken sehr offen und entspannt.“

Morgens geht es für die Goethe-Studenten zum Unterricht, nachmittags und abends stehen Ausflüge auf dem Programm. Schenkenseefreibad, Hällisch-­Fränkisches Museum, von dem sie sich die alten Uniformen gemerkt hat, noch mal „Karin“ treffen, Kaffee und Kuchen mit dem Freundeskreis des Goethe-Instituts und so weiter, und so weiter.

Wenn Ida, deren Vorname in Finnland übrigens der allerhäufigste ist, Schwäbisch Hall verlässt, bleiben ihr nur wenige Tage, dann beginnt ihr neuer Lebensabschnitt in Helsinki, zwei Zugstunden entfernt von Lappeenranta. Dort beginnt sie im kommenden Semester ein Studium in Mathe, Physik und Chemie auf Lehramt.

Im September beginnt das Lehramtsstudium

Ida Koskinen wurde vor 20 Jahren in Lappeenranta geboren, machte dort in diesem Frühjahr das Abitur und zieht im September mit ihrem Freund nach Helsinki, wo sie Mathe, Physik und Chemie auf Lehramt studieren wird. Noch wohnt sie bei ihren Eltern. Ihre Hobbys sind Eufoniumspielen, Singen und sie betreibt „Postcrossing“. Das ist ein Projekt, bei dem Postkarten in die Welt verschickt werden und man aus aller Herren Länder Postkarten zurückbekommt.

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