Kabarett „Die lächeln Sie um“

Mit Witz und Komik präsentiert der Kabarettist Claus von Wagner seine Kapitalismus- und Konsumkritik im Neubau-Saal.
Mit Witz und Komik präsentiert der Kabarettist Claus von Wagner seine Kapitalismus- und Konsumkritik im Neubau-Saal. © Foto: Hans Kumpf
Schwäbisch Hall / Maya Peters 13.02.2018

Ich mag die stade Zeit zwischen Wahl und Regierungsbildung“, begrüßt Claus von Wagner seine rund 500 Gäste im Neubau-Saal – noch vor der Bühne. Ganz aktuell kommentiert er im bayerischen Slang zum zukünftigen Innen- und auch Heimatminister Horst Seehofer: „Servus Maultäschle“ und erntet die ersten Lacher des fast dreistündigen Abends.

Von Wagner, im Duo mit Max Uthoff aus der „Anstalt“ im ZDF bekannt, macht nicht nur Kabarett, sondern ein echtes Kammerspiel: Als Klaus Neumann, 39, Sohn eines jüngst verstorbenen Wirtschaftsberaters, wird er versehentlich über Nacht im Tresorraum der Deutschen Bank eingeschlossen. Unterlagen darin entlarven geheime Absprachen über Finanzderivate, fast deckt er einen Skandal auf. Eingesperrt denkt er über sein Leben und die Welt der Wirtschaft und Finanzen nach – und versucht sich an einer Rede über seinen Vater. In der Schule habe er immerhin bei „Wirtschaft und Recht“ gelernt, dass das zwei getrennte Phänomene seien, meint er satirisch. Am Ende erstickt Neumann fast.

Metaphern und beredte Bilder

Von Wagner spielt seine ernste Kapitalismus- und Konsumkritik mit großer Komik und viel Witz. Er ist spontan und flicht das Knallen eines Strahlers und das Gläserklirren vom Publikum in den durchkomponierten Text mit ein. Dabei versagt er sich selbst das glucksende Lachen nicht. Metaphern und beredte Bilder verdeutlichen die Unmoral und Mechanismen der Finanz- und Wirtschaftsprüferwelt. Doch auch Gegner der Frauenquote oder die Automobilindustrie bekommen unterhaltsam ihr Fett weg.

Für ihn seien Leerverkäufe „Pferdewetten ohne Pferde, Reiter und Rennbahn“. Dass man meine, nach einem VWL-Studium könne man in die Zukunft sehen, sei so, als ob man Theologie studiere, um die CSU zu verstehen. Mittels einer Parabel beschreibt von Wagner die Wirtschaftswissenschaften: „Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit 200 Sachen über die Straße. Auf der Rückbank hocken die Wissenschaftler, die nur die Autos hinter ihnen zählen. Aufgrund der Ergebnisse sagen sie, ob Sie vorne rechts oder links abbiegen müssen.“

Die Finanz- und Wirtschaftswelt sei in den letzten Jahren stets in der Krise dargestellt worden. „Dabei ist sie wie ein 500 Kilogramm schwerer Koloss, dem man weiter alles gibt, nach dem er verlangt. Hauptsache, er ist ruhig“, wettert von Wagner.

Bankberater „lächeln Sie um“, warnt er. Denn sie suchten für ihre Kunden keine passenden Produkte, sondern für ihre Produkte passende Kunden. Es sei bezeichnend, dass Banken bei der Beratung oft die Pyramide – ein Grabmal – wählten, so von Wagner zynisch. „Wir sind das Plankton im Meer der Finanzhaie“, klagt er als geprellter Kleinanleger und zieht Vergleiche zum Geld-Märchenesel von „Tischlein deck dich“. „Wenn Sie mal wieder nicht verstanden haben, was ihr Bankberater zu Ihnen gesagt hat: Dann war es vielleicht ,bricklebrit’!“ Denn gerade Kleinvieh mache Mist. „Ich dachte auch immer, Wirtschaftsprüfungsunternehmen werden fürs Prüfen bezahlt, nicht fürs Beraten“, wundert er sich. Finanzderivate hätten Bestnoten bei den Ratings bekommen. „Und dann kam die Finanzkrise.“ Derivate selbst sind für von Wagner Wetten, die nachweislich kriminell manipuliert wurden. „Stellen Sie sich vor, Ihre Bank ist ein Gebrauchtwagenhändler und verkauft Ihnen ein Auto, bei dem die Bremsen defekt sind – und wettet dann auf den Tod des Fahrers.“ „Wir kaufen Ratgeber, die uns sagen, wir sollten weniger konsumieren. Und was machen wir? Wir kaufen die Fortsetzung“, fasst von Wagner seine Konsumkritik sarkastisch zusammen. Es sei schwer, ein guter Mensch zu sein. Auch seine Figur Klaus Neumann ist da kein Vorbild. Er rast sprachlich durch die menschlichen Abgründe, ist witzig, informativ und anregend – und bleibt verführbar. „Entdecken Sie den kleinen Guerilla in sich“, gibt von Wagner zum Abschied unter kräftigem Applaus seinen begeisterten Zuschauern mit. Als Schauspieler hätte von Wagner Karriere machen können – gut, dass er auch Kabarettist wurde.