Rosengarten „Die können sich ihre Kunden aussuchen“

So  sieht das neue, über 400 000 Euro teure Löschgruppenfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Rosengarten aus. Das Foto stellten die Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr Backnang zur Verfügung, zu deren Fuhrpark das hochmoderne Fahrzeug bereits gehört.
So  sieht das neue, über 400 000 Euro teure Löschgruppenfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Rosengarten aus. Das Foto stellten die Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr Backnang zur Verfügung, zu deren Fuhrpark das hochmoderne Fahrzeug bereits gehört. © Foto: cito
Rosengarten / Beatrice Schnelle 28.06.2018
Das Ausschreibungsverfahren ist abgeschlossen, die zwei Bieter langen kräftig zu: Das neue Löschfahrzeug der Feuerwehr Rosengarten wird 102.000 Euro teurer als geplant.

Das hochkomplizierte, EU-weite Ausschreibungsverfahren rund um das neue Löschgruppenfahrzeug „LF 20 KatS“ für die Rosengartener Feuerwehr ist abgeschlossen. Es wird die beiden Tragkraftspritzenfahrzeuge der Baujahre 1988 und 1989 ersetzen. Die notwendigen Verfahrensschritte, die Fachbereichsleiterin Marina Köhler vor dem Gemeinderat Revue passieren lässt, vermitteln den Eindruck von einem Bürokratie-Marathon, den die Verwaltung nicht ohne externen Berater bewältigen konnte.

Und die Geschichte ist noch längst nicht völlig ausgestanden: Bis Mitte 2019 muss die Gemeinde warten, bis das Fahrzeug tatsächlich in der Feuerwache ankommt. „Damit haben Sie noch Glück“, sagt Berater Christian Schwarze, der seit Einführung der komplexen EU-Vorschriften schon etwa 150 Vergaben begleitet hat, „es gibt Fälle, da dauert das bis zu zwei Jahre“. Die Auftragsbücher der Hersteller seien voll, jedenfalls bei denjenigen, von denen man ein Auto haben wolle: „Die können sich ihre Kunden aussuchen.“ Dies schlage sich selbstverständlich in der Preisgestaltung nieder

Kosten: rund 402.000 Euro

Die Situation sei darauf zurückzuführen, dass Baden-Württemberg eines der letzten drei Bundesländer sei, in denen es noch die Projektförderung gebe. In den anderen Bundesländern dürften wiederum notleidende Kommunen zwar kein Geld etwa für Kultur ausgeben, jedoch für gesetzliche Pflichtaufgaben, zu denen die Ausstattung ihrer Feuerwehr gehöre.

Rund 402.000 Euro muss die Gemeinde für das notwendig gewordene Löschfahrzeug berappen, davon können 90.000 Euro bereits bewilligte Fördergelder abgezogen werden. Veranschlagt worden waren vor zwei Jahren nur 300.000 Euro minus Förderanteil. Der Ansatz sei schon „extremst mutig“ gewesen, kommentiert Schwarze, der allerdings auch einräumt, dass die Preissteigerung angesichts der Marktlage bei jährlich zehn Prozent liege. Das nächste Mal wäre die Planung mit einer realistischeren Summe wünschenswert, findet Gemeinderat Jürgen Liebig. Bürgermeister König verteidigt die Strategie der Verwaltung: „Wir konnten die Preisentwicklungen damals nicht voraussehen und haben das absolute Minimum angesetzt, um nicht den Eindruck zu erwecken, wir könnten aus dem Vollen schöpfen.“

Nicht aus einer Hand

Drei Angebote gingen auf die Rosengartener Ausschreibung ein. Das sei zur Zeit absolut normal, betont Christian Schwarze. Die Firma Albert Ziegler mit Hauptsitz in Giengen/Brenz will für das „nackte“ MAN-Fahrgestell mit 290-PS-Euro-V-Motor 350.331 Euro haben. Die passende Einrichtung soll bei Ziegler 52.361 Euro kosten. Nur für Einrichtung bot die Stuttgarter Firma Wilhelm Barth an und ist dabei lediglich um 700 Euro günstiger als der Konkurrent. Laut EU-Recht muss die Gemeinde dem jeweils wirtschaftlichsten Preis den Vorzug geben. „Es wäre natürlich schön und viel praktischer gewesen, alles aus einer Hand zu kaufen, aber das ist eben nicht erlaubt“, bedauert Marina Köhler.

Dafür bekommen die Rosengartener einen potenten 14-Tonner mit besonderer Ausstattung, die von den Feuerwehrverantwortlichen und Berater Schwarze sehr bewusst ausgesucht wurde: Das „LF 20 KatS“ verfügt über einen 1400-Liter-Wassertank; ein 600-Meter-B-Schlauch und zwei Pumpen sorgen für eine schnelle Bereitstellung der Wasserversorgung. Die Wasserdurchfahrtstiefe von 60 Zentimetern und die Zusatzbeladung mit Rettungswurfleinen und Schwimmwesten werden für den Einsatz bei den immer häufiger auftretenden Überschwemmungen infolge von Starkregen eine wertvolle Hilfe sein.

Wenn das neue Fahrzeug endlich in Rosengarten steht, ist erst mal eine ganze Weile Ruhe. Bis zu den nächsten Aufrüstungen wird einige Zeit ins Land gehen. Sie stehen laut Feuerwehrbedarfsplan für die Jahre 2025, 2027, 2030 und 2039 an.

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