Fazit „Die Erklärung ist ein Meileinstein“

Eine Vertreterin der Kleinbauernorganisation La via campesina hat am vergangenen Mittwoch die internationalen Teilnehmer des Kongresses in Hall eingestimmt.
Eine Vertreterin der Kleinbauernorganisation La via campesina hat am vergangenen Mittwoch die internationalen Teilnehmer des Kongresses in Hall eingestimmt. © Foto: Fotos: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Norbert Acker 15.03.2017
Kongressinitiator Rudolf Bühler zeigt sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Veranstaltung in Hall. Das Manifest wird im Mai bei der UN eingereicht.

Drei Tage hat er gedauert, der Kleinbauernkongress im Haller Neubau in der vergangenen Woche. Auf Einladung der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), der Stiftung Haus der Bauern Schloss Kirchberg, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ecoland sowie der internationalen Kleinbauernorganisation La via campesina (LVC) und FIAN (FoodFirst Informations- und Aktionsnetzwerk) haben fast 500 Kleinbauernvertreter aus aller Welt für ihre Rechte gestritten. Am Ende ist ein Manifest vorgestellt worden. „Wir sind damit absolut zufrieden. Die ‚Haller Erklärung zu den Rechten der Bauern‘  ist ein Meilenstein“, sagt Rudolf Bühler, Chef der BESH und Initiator des Kongresses „Global Peasants‘ Rights“.

Von allen mitgetragen

Zur nächsten Sitzung der UN-Kommission „Intergovernmental Working Group upon the Peasants Rights and People living in Rural Areas“ (Zwischenstaatliche Arbeitsgruppe zu Kleinbauernrechten und Menschen, die auf dem Land leben), die im Mai am Sitz der Vereinten Nationen in Genf stattfinden wird, soll die Erklärung eingereicht werden. Wer dies tut, steht noch nicht fest. „FIAN und LVC sind auf jeden Fall bei der Arbeitsgruppe vertreten“, erklärt Kongress-Pressesprecher Lutz Bergmann. Die BESH werde wahrscheinlich auch in der Schweiz dabei sein.

Rudolf Bühler zeigt sich zuversichtlich, dass das Manifest bei den Vereinten Nationen gut aufgenommen wird: „Auf jeden Fall. Es ist ein Manifest, welches von allen am Prozess beteiligten Gruppen mitgetragen wird.“ Die UN-Kommission arbeitet schon seit längerem an einer Erklärung für die Rechte von Kleinbauern weltweit.  „Der Prozess wurde bislang vor allem von den europäischen Staaten behindert, die sich bei Abstimmungen stets enthalten haben“, so Bühler. Der einzige Staat, der stets dagegen gestimmt habe, seien die USA. „Das resultiert vor allem aus dem Druck der dortigen Gentechnik-Lobby.“  Daher ist es noch etwas fraglich, ob die „Haller Erklärung“ zum Ziel führt: einer UN-Deklaration. „Möglicherweise gibt es einen Folgekongress in Bilbao“, ergänzt Bühler.

Es gebe ein Grundverständnis von ländlicher Kultur und bäuerlichem Leben weltweit, davon zeigt sich Bühler überzeugt. Das habe der Kongress in Hall vor Augen geführt. „Man begegnet sich auf Augenhöhe und tauscht sich aus“, so Bühler. Ein ganz wichtiger Teil sei die gegenseitige Gastfreundschaft und die gemeinsamen Werte: Solidarität und die „Bewahrung der Schöpfung“.

Ein erster Forderungskatalog

„Nach zunehmenden Übergriffen von Seiten der Fürsten und Kirchen auf das bäuerliche Allmendeland kam es vor fast 500 Jahren im ländlichen Süddeutschland zu Aufständen und zur Niederschrift der Zwölf Artikel der Bauern. Dieses Dokument gilt als erster Forderungskatalog für Menschen- und Freiheitsrechte in Europa und enthielt auch das Recht auf gleichen Zugang zu Land, Wald und Fischereigründen. Obwohl die Feudalherren den Aufstand gewaltsam niederschlugen, leisteten die Bauern weiterhin Widerstand und zeigten dadurch, dass es dem Feudaladel nicht gelungen war, sie wirklich zu besiegen. Die Geschichte zeigt: Auch wenn Bauern Rückschläge erleiden, kämpfen sie an anderer Stelle weiter. Bäuerliches Aufbegehren gibt es weiterhin.“ So lautet die Einleitung der „Haller Erklärung zu den Rechten der Bauern“. Der komplette Text ist heute im Internet veröffentlicht worden: www.global-peasants-rights.com. noa

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