Vellberg „Des kamme sicher noch brauche!“

Diese historische Tafel hängt in Großaltdorf.
Diese historische Tafel hängt in Großaltdorf. © Foto: Ufuk Arslan
Vellberg / swp 27.07.2018
Truppenteiltafeln gehören Ende des 19. Jahrhunderts zum Stadtbild – und mancherorts noch heute.

Vor Kurzem haben wir nebenstehendes Schmuckfoto veröffentlicht. Ludwig Horn aus Ilshofen kann dazu einiges berichten: Bei der Tafel in Großaltdorf handelt es sich um eine sogenannte Truppenteiltafel. Diese Tafeln wurden 1876 im Königreich Württemberg zur Pflicht. Jede Gemeinde musste sich eine solche Tafel anschaffen und an einer zentralen Stelle aufhängen, zum Beispiel an einem gusseisernen Pfosten oder einem öffentlichen Gebäude.

Beim deutsch-französischen Krieg 1870/71 waren die deutschen Truppen aus Preußen, Sachsen, Bayern und Württemberg noch recht unterschiedlich aufgestellt. Nach der Reichsgründung war man von Berlin aus bemüht, eine einheitliche Struktur im Heereswesen aufzubauen. Deshalb wurden in Württemberg nach preußischem Vorbild diese Tafeln angeschafft. In Norddeutschland und dem ehemaligen Preußen sind nur wenige dieser Tafeln erhalten, weil sie aus Holz hergestellt wurden. Anders in Württemberg: Hier war Eisenguss vorgeschrieben – zur Freude des Königshauses. Denn etwa 80 Prozent der Tafeln wurden in den königlichen Hüttenwerken in Wasseralfingen hergestellt.

Ein positiver Nebeneffekt: in jedem Ort, Weiler oder Flecken wusste man als Fremder, wo man gerade war. Der Zweck war allerdings ein militärischer. Jeder männliche, wehrpflichtige Einwohner wusste dank der Schilder auch, zu welcher Einheit er gehörte, und hatte sich bei Zuzug oder Wegzug zu melden. Das galt beispielsweise auch für Gesellen auf der Walz. Offenbar hatten die Reservisten beim Krieg gegen Frankreich ihre Einheiten nicht gefunden. Oder nicht finden wollen.

Württemberg hatte neun Regimenter. Jedes Regiment war unterteilt in zwei Bataillone. Jedes Bataillon bestand in der Regel aus vier Kompagnien. Die Ziffer vor dem Regiment war die Regimentsnummer von Württemberg, die Ziffer danach wurde vom Reichskriegsministerium zugeteilt. So handelt es sich bei dem Regiment in Großaltdorf um das 4. württembergische und gleichzeitig um das 122. Reichsregiment.

Viele Tafeln erhalten

1918, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, wurden die Tafeln überflüssig. Viele Gemeinden ließen sie aber als Ortstafeln an ihrem Platz oder nutzten sie anderweitig. „Auffällig ist, dass in unserem Raum noch recht viele Tafeln erhalten sind“, bemerkt Horn, „nach dem Motto: So was schmeist me net weg, des kamme sicher noch brauche!“

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