Schwäbisch Hall Hall: „Weilertunnel ist unser Stuttgart 21“

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 27.06.2018
600.000 Euro soll die erneute Untersuchung des Baugrunds kosten. Nach derzeitigem Stand muss das die Stadt bezahlen, was Stadträten im Ausschuss missfällt.

§Leider stehen wir an einem Punkt, wo die bisherigen Normen hinterfragt werden“, erläutert Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Montag. Nachdem in Rastatt eine Untertunnelung der Eisenbahn den Verkehr lahmlegte, würde nun bei solchen Projekten die Messlatte höher angelegt. Und in Hall soll der Weilertunnel unter der Bahn verlaufen (siehe Info).

Gefahr für Gleisverlauf

„Ausgerechnet dort, wo der  Tunnel die Bahnlinie kreuzt, liegt über der Oströhre Lockergestein. Eine Kerbe im Hang  wurde wohl aufgeschüttet“, vermutet Baubürgermeister Peter Klink. Ein Ingenieurbüro hat alles noch mal durchgerechnet. Ein Tunnelbau an dieser Stelle könnte nach diesen Prognosen die Bahnschienen schlimmstenfalls nicht nur im Millimeter- oder Zentimeter-Bereich, sondern gar im Dezimeter-Bereich verschieben.

Es gibt Lösungen. Doch die sind teuer und verzögern den Start des Tunnelgrabens um zwei Jahre. „Wir haben acht Varianten untersucht. Allein die provisorische Bahnbrücke ist realistisch“, erläutert Klink. Zuvor seien noch einmal 18 Bohrungen nötig. Und die haben es in sich. Denn rund 600.000 Euro soll die erneute Baugrunduntersuchung kosten.

„Es gibt einen Vertrag aus dem Jahr 1968. Der regelt: Es ist eine Maßnahme des Bundes. Die Stadt plant für den Bund“, führt Pelgrim aus. Die Planungskosten würden aber gedeckelt, damit die Stadt auch sparsam wirtschaftet. Der Vertrag sieht vor, dass diese Vorleistung der Stadt nur bis zu 3 Prozent der Gesamtkosten erstattet werden. „Alles darüber zahlen wir“, sagt Pelgrim. Da das Budget fürs Planen bereits ausgeschöpft ist, müsste Hall die 600.000 Euro für die Bohrungen, nicht aber das Geld für die Bahnbrücke, bezahlen. Außer, es tritt ein grotesker Fall ein: Verteuert sich das Tunnelprojekt, dessen Bauausführung der Bund zahlt, erheblich, kann Hall wegen der 3-Prozent-Regel mehr Planungsleistungen abrechnen.

Das schmeckt den Stadträten alles nicht, obwohl sie am Ende mehrheitlich zustimmen. „Wir hätten gerne eine Vorlage, in der die Gesamtkosten aufgelistet sind“, fordert CDU-Fraktionssprecher Ludger Graf von Westerholt. „Wenn auch nur ein Bruchteil der Maßnahme bei uns hängen bleibt, ist das bitter“, meint Nikolaos Sakellariou (SPD). „Es wäre einen Gedanken wert gewesen, den Vertrag zu ändern“, mahnt Hartmut Baumann, FWV-Fraktionssprecher, an. Er ruft aber dazu auf, den Weilertunnel nicht mit anderen Großprojekten zu vergleichen und „schlechtzumachen“.

Zaudern oder voranschreiten?

Seine Vorrednerin, Grünen-Sprecherin Andrea Herrmann, tat genau das. „Man müsste jetzt die Reißleine ziehen: Wir stoppen das Ding“, sagt sie. „Es erinnert an S 21.“ Sie schlägt einen oberirdischen Ausbau der Straße vor. „Dann reden Sie mal mit den Besitzern der Häuser, die dafür abgerissen werden müssten“, kontert Hansjörg Stein (SPD).

Kristian Neidhardt (FDP) stellt einen Vergleich an: „Frau Herrmann hat recht. Der Weilertunnel ist unser Stuttgart 21.“ Allerdings zieht er einen gegenteiligen Schluss: „Wir müssen durch diesen Berg durch, auch wenn es einige Euro mehr kostet.“ Hansjörg Stein macht einen Vorschlag: „Ich bitte den Punkt mit in die Abstimmung aufzunehmen: Die Stadt bemüht sich um eine Kostenerstattung beim Regierungspräsidium.“ Das hatte die Verwaltung zwar sowieso schon vor, dennoch begrüßt Pelgrim den schriftlichen Auftrag nachzuverhandeln: „Das gibt uns Rückenwind.“

Mindestens zwei Jahre Verzögerung 

„Bei Station 0+970 stieß man auf eine Störstelle aus Lockergestein im Kreuzungsbereich des Tunnels mit der Bahnstrecke. Das Gebirge ist dort nicht standfest“, steht in der Vorlage für den Bau- und Planungsausschuss am Montag. Jetzt sollen 18 Bohrungen Klarheit bringen, wie der Baugrund beschaffen ist und wie eine Behelfsbrücke für die Bahnlinie einzubauen ist. Die sei nötig, damit die Grabung nicht die Lage der Gleise verändere. Da für den Bau der Brücke die Zugstrecke sechs Wochen lang gesperrt wird, benötigt die Bahn einen Vorlauf von zwei Jahren. Im Sommer 2020 soll die Brücke kommen und danach der Tunnelbau – mit zwei Jahren Verzögerung – starten. tob

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