Stadtentwicklung „Der Siegerentwurf sieht die Fläche als eine Einheit“

Der Sieger des Wettbewerbs Franz Reschke zeigt auf den Haalbrunnen. Ihn will er als zentrales Element auf dem Platz deutlicher hervorheben. Dafür müssen allerdings drei der fünf großen Bäume dort gefällt werden. An anderen Stellen werden neue gepflanzt.
Der Sieger des Wettbewerbs Franz Reschke zeigt auf den Haalbrunnen. Ihn will er als zentrales Element auf dem Platz deutlicher hervorheben. Dafür müssen allerdings drei der fünf großen Bäume dort gefällt werden. An anderen Stellen werden neue gepflanzt. © Foto: tob
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 08.12.2018
Eine 20-köpfige Jury wählt den Entwurf des Büros von Franz Reschke für die Haalplatzgestaltung aus. Neue Zugänge zum Fluss sollen entstehen.

Um 20 Uhr hat Franz Reschke vorgestern per Telefon davon erfahren, dass er als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangen ist. „Wir haben das mit Maultaschen und Bier gefeiert“, berichtet er. Morgens um sechs setzte er sich in Berlin in den Zug nach Hall, um bei der Präsentation der 14 Arbeiten zu Haalplatz und Unterwöhrd dabei zu sein.

Beide Preise gewonnen

„Der Siegerentwurf sieht die Fläche als eine Einheit“, erläutert Professor Axel Lohrer aus München, der als Vorsitzender des 20-köpfigen Preisgerichts fungierte. Zwei Bürger aus Hall waren in der Jury mit dabei. Eine „glückliche Fügung“ sei es, dass der Berliner Landschaftsarchitekt im anonymen Verfahren den ersten Preis sowohl für den Haalplatz als auch den Unterwöhrd erzielte. Daher gehen 17.000 Euro für die Konzeption des Haalplatzes und 10.000 für die des Unterwöhrds nach Berlin.

„Eine beachtliche Wegstrecke haben wir  nun hinter uns“, berichtet Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Seit Jahrzehnten werde der Haalplatz als Missstand wahrgenommen. Mit vielen Planungen samt Bürgerbeteiligung sei man nun weiter. Bodendenkmale, die in einer Tiefe ab einem Meter schlummerten, würden die Gestaltungsfreiheit einschränken. Daher sah schon die Auslobung des Wettbewerbs kein Tiefgaragendeck vor. Auch oberirdisch soll sich nicht viel ändern: An eine Bebauung mit Häusern wie zu Zeiten der Salzgewinnung sei nicht gedacht.

„Es ging um die Frage, wie viel Freiraum man lässt“, erläutert Pelgrim die Diskussion, die sich bis ins Preisgericht zog, das am Donnerstag zwölf Stunden lang tagte. Die Entscheidung wurde so getroffen, dass man für die Zukunft die Kreativität nicht abschnüren will.

Als Betrachter der Pläne, die sich explizit auf „Freiräume“ beschränken, muss man daher ganz genau hinsehen: Was soll sich denn  nun ändern?

Baubürgermeister Peter Klink wertet den Wettbewerb als vollen Erfolg. Es sei eben besser, viele Ideen gegeneinander abzuwägen, als ein Konzept von Anfang an zu verfolgen.

Große Freude

In blumigeren Worten erläutert Professor Axel Lohrer gestern im Zeughaussaal die Vorzüge und Nachteile der Entwürfe. „Das Polygonale als Aufgreifen des Kristallinen“ sei in einem Entwurf zu sehen. Sprich: Ein Planer wollte das Salz in der Bodenstruktur rund um den Haalplatz sichtbar machen.

Am Ende hat bei der Vorabpräsentation gestern um 12 Uhr der Sieger des Wettbewerbs das Wort: „Wir haben uns sehr gefreut“, sagt er über die Entscheidung.

In der Fragerunde meldet sich der Bürger Jochen Brand zu Wort: „Warum hat man das Thema Salz nicht weiter herausgearbeitet?“ Franz Reschke sagt: „Der Brunnen steht als identitätsstiftend im Mittelpunkt.“ Da es sich um ein Original handelt, sehe er keine Veranlassung, mit weiteren künstlichen Gestaltungsmitteln die Geschichte zu verfälschen.

OB Pelgrim sagt dem 36-jährigen Landschaftsarchitekten zu, dass bald der Gemeinderat entscheiden wird, ob er dem Preisgericht folgt. Bereits im nächsten Jahr könnte mit der Umgestaltung begonnen werden.

Was der Siegerentwurf vorsieht

Zum Wasser soll es mehr Zugänge geben. Statt bisher einer Treppe sollen im Siegerentwurf drei schmale Stiegen vom Haalplatz runter zum Kocher führen. Eine der neuen wird bei der Haalhalle, eine andere an der Südecke des Platzes angelegt. . An einer Stelle führen Stufen bis ins Wasser hinein. Auch der Biergarten auf dem Unterwöhrd soll durch eine Kombination aus Mauer und Treppe einen Zugang am Nordzipfel des Unterwöhrds zum Fluss erhalten.

Eine Promenade soll nachts mit Licht und tags mit Natursteinen sichtbar gemacht über den Unterwöhrd und vor dem Haalplatz am Kocher entlangführen. Auch zwischen Haalhalle und Kocher soll man entlangflanieren können.

Der Haalbrunnen wird herausgestellt, indem drei der fünf Bäume dort gefällt werden. Schautafeln könnten das Thema Salz aufgreifen. Im Gegenzug werden weitere Bäume im östlichen Bereich des Haalplatzes, im Übergang zur Schwatzbühlgasse und zur Haalstraße gepflanzt. Auch einige Bäume ums Globe sollen fallen. Im Gegenzug werden Stämme dort gesetzt, wo im Sommer die Biergartenhütten stehen. Die Haalstraße soll auf dem Platz verkehrsberuhigt und um wenige Meter versetzt werden.

Der Imbiss auf dem Haalplatz rückt an die Stadtmauer am Kocher. Die neue Biergartenhütte steht nicht mehr  am Rand der Insel, sondern etwas mehr in der Mitte.

Von 163 Parkplätzen bleiben 87 übrig. Die Reduzierung war eine Vorgabe des Wettbewerbs.

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