Großerlach / Maya Peters Daniel wird von der Erlacher Höhe geholfen. Aus der Obdach- und Wohnungslosigkeit heraus hat der Enddreißiger eine neue Zukunft und damit auch ein neues Leben gefunden.

Die „Kolonisten“, wie die „Klienten“ der Erlacher Höhe noch immer im Volksmund genannt werden, fanden und finden aus der sozialen Not heraus seit 128 Jahren eine neue Heimat. Doch im Idealfall wird ihnen an einem der 16 Standorte in Baden-Württemberg schon vorher geholfen, wieder auf eigenen Füßen zu stehen.

So wie Daniel. „Ich hab‘ nur gute Sachen gehört, der Name war mir ein Begriff“, erzählt er von der Erlacher Höhe. Warmes Mittagessen, Getränke, ein Bett, die Möglichkeit zur Körper- und Wäschepflege sowie persönliche Beratung und Betreuung habe er bekommen. „Wenn man es will, dann schafft man es wieder raus“, blickt der 38-Jährige auf den Tiefpunkt seines Lebens zurück. „Es war total schlimm“, schluckt er schwer und dann huscht ein Lächeln über sein Gesicht. „Ich habe jetzt ein Jobangebot und wahrscheinlich auch eine Wohnung“, freut Daniel sich über die guten Aussichten. „Manche Leute gucken weg, manche verstehen das“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Allein, dass man ihm zugehört und mit ihm geredet habe, sei gut gewesen. „Ich hatte viele Pläne und bin für einen Job als Lkw-Fahrer von Hohenlohe nach Nordrhein-Westfalen gezogen“, erzählt der 38-Jährige von seinem Schicksal. In der Fremde, er lebte vorher rund zehn Jahre in der Region, verlor er Job und Wohnung zugleich. „Dort bin ich in meiner Not auch zur Übernachtungsstelle“, sagt Daniel. „Aber das war schrecklich und ich einsam.“ Er sei bewusst nach Schwäbisch Hall, um dort die Hilfe der Erlacher Höhe in Anspruch zu nehmen. „Ich wusste, ich habe hier bessere Chancen“, betont er. Neben deutsch spreche er rumänisch, englisch und französisch, sei handwerklich begabt, habe Ausbildungen in den Bereichen Elektronik und Elektrik, sei aber auch schon Feuerwehrmann, Soldat und Bäcker gewesen.

Mit einer kreativen Idee gelangt ein zukünftiger Student an eine Bude. Günstige Wohnungen sind rar. Die Stadt Hall belegt aber Platz 1 in einer Studie, die das Wachstum an Wohnraum untersucht.

Man hört die Motivation heraus, das neue Selbstwertgefühl. „Das ist echt optimal gelaufen“, freut sich Fabian Braun, Sozialarbeiter von der Haller Fachberatungsstelle der diakonischen Einrichtung, für ihn. Daniel habe alle Möglichkeiten der persönlichen Beratung und die Hilfsangebote angenommen und sei selbst sehr motiviert. Der Tagestreff Schuppachburg in Hall wurde für einen Monat zum Wohn- und Esszimmer Daniels und die Notübernachtung Kelkertor zu seiner Schlafstätte. Die drei sozialen Einrichtungen, die von der Erlacher Höhe mit Unterstützung von Ehrenamtlichen betreut werden, liegen nur wenige Meter voneinander entfernt.

Sofort und direkt helfen

Braun nennt das niederschwellige Angebot „Erste Hilfe“, die auf der Grundlage der Paragrafen 67 des Sozialgesetzbuches angeboten werde. „Bei einer besonderen Lebenslage, verbunden mit sozialen Schwierigkeiten, die aus eigener Kraft nicht überwunden werden können, kommen wir ins Spiel“, fasst Braun zusammen.

Zweimal in der Woche gibt es im Stüble des Arbeitskreises Burgbergstraße ein warmes Mittagessen.

Daniel sei kein Klient für die weitergehenden Angebote, betont Braun. Jeder Mensch verkrafte eine Negativerfahrung anders. Wer mehr Unterstützung brauche, bekomme zunächst einen Platz im Aufnahmehaus in Künzelsau oder Backnang. „Da gilt es auch, abzuklären, welche Probleme noch vorliegen“, erklärt er in Bezug auf die Themen Sucht oder Psyche. „Wenn sich dann herausstellt, dass die sozialen Probleme mittelfristig nicht überwunden werden können, dann gilt es, eine Verschlimmerung zu verhindern. Für solche Menschen ist das stationäre Angebot in Erlach selbst ausgelegt.“

Gegründet wurde die diakonische soziale Einrichtung im Teilort Erlach 1891 als Arbeiterkolonie. Menschen, die in der Folge der industriellen Revolution ihr Auskommen verloren hatten und bettelnd durchs Land zogen, sollten als „Kolonisten“ wieder Beschäftigung bekommen. Bis heute ist die Erlacher Höhe ein großer Arbeitgeber in der Region. Am Sitz der Stammeinrichtung arbeiten in den Abteilungen Soziale Heimstätte, Sozialtherapie, Arbeitshilfen und Zentrale Dienste knapp 200 Menschen. Darunter sind 80 Integrationsbeschäftigte in einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahme. „Neben den Angeboten für 30 pflegebedürftige Menschen und etwa 130 Menschen in Wohnungsnot, liegt hier ein großer Schwerpunkt auf Dienstleistungs- und Produktionsbereichen und einer großen Demeter-Landwirtschaft“, so Wolfgang Sartorius, geschäftsführender Vorstand. Täglich erreiche man in Baden-Württemberg über 1400 Hilfebedürftige. „Wir unterstützen wohnungslose, arbeitslose, suchtkranke und einkommensarme Menschen, kümmern uns um Pflegebedürftige und begleiten minderjährige Geflüchtete“, zählt er auf.

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Engagiert für die Schwächsten

Organisation Das diakonische Sozialunternehmen Erlacher Höhe mit Hauptsitz in Großerlach setzt sich seit 1891 für Menschen in sozialen Notlagen ein. An 16 Standorten in Baden-Württemberg werden Wohnungslose, Arbeitslose, Suchtkranke und Einkommensarme unterstützt. Auch Plätze für Pflegebedürftige und minderjährige Geflüchtete gibt es. Der Diakonieverbund Dornahof und Erlacher Höhe gehört zum Diakonischen Werk Württemberg. Das Bioenergiedorf Erlach ist weitgehend energieautark und wurde für seine vorbildliche Entwicklung 2014 mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.