Hohenlohe Unternehmen sponsern Sportmannschaften – warum?

Der Haller Raheem Wilson (2) verfolgt, wie sich sein Teamkollege Nathaniel Robitaille (86) gegen einen Spieler aus Kirchdorf durchsetzt. Die Unicorns tragen den Schriftzug der Sparkasse auf ihrer Brust. Unterstützt werden sie aber von mehreren Sponsoren.
Der Haller Raheem Wilson (2) verfolgt, wie sich sein Teamkollege Nathaniel Robitaille (86) gegen einen Spieler aus Kirchdorf durchsetzt. Die Unicorns tragen den Schriftzug der Sparkasse auf ihrer Brust. Unterstützt werden sie aber von mehreren Sponsoren. © Foto: Manfred Löffler
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 09.11.2018
Warum drei heimische Unternehmen die erfolgreichsten Sport-Mannschaften im Landkreis Schwäbisch Hall unterstützen. Über die Höhe ihrer Förderung verraten Hakro, Sparkasse und BWK nichts.

Warum unterstützen heimische Unternehmen erfolgreiche und weniger erfolgreiche Mannschaften aus dem Sport – ist es Lokalpatriotismus, Liebhaberei oder die Hoffnung, auf das Unternehmen aufmerksam zu machen? Diese Aspekte lassen sich allerdings nicht scharf trennen. Eine Mischung aus diesen drei Punkten kommt einer Antwort auf die Frage wahrscheinlich am ehesten nahe.

Drei Vereine im Raum Hall-Crailsheim-Gaildorf weisen zumindest teilweise professionelle Strukturen auf. Das sind die Crailsheim Merlins in der Basketball-Bundesliga, die Haller Unicorns in der American-Football-Bundesliga und der TSV Ilshofen in der Fußball-Oberliga. Die Nähe zu einem Sponsor wird zumindest bei den Basketballern unmittelbar deutlich. Sie nennen sich ganz offiziell Hakro Merlins Crailsheim.

Hakro ist ein Bekleidungsunternehmen aus Schrozberg. Spezialisiert ist es auf sogenannte Corporate Wear. Darunter ist Kleidung zu verstehen, die von Unternehmen, Verbänden oder Vereinen für Kunden, Mitarbeiter oder Mitglieder bestellt wird. Zu 95 Prozent sind die Kleidungsstücke mit Namen, Bezeichnungen oder Logos gekennzeichnet. Diese werden aufgedruckt oder eingestickt.

„Der Hauptgrund unseres Engagements ist die Leidenschaft“, erklärt Jochen Schmidt. Er ist bei Hakro Beauftragter für Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit. Danny Jüngling, einst Hallensprecher bei den Merlins, aber auch Praktikant und Assistent der
Hakro-Geschäftsführung, inzwischen Prokurist, nahm Carmen Kroll und Thomas Müller mal mit zu einem Spiel. Dabei haben die beiden Geschäftsführer Gefallen gefunden. Carmen Kroll, die Tochter des Gründers Harry Kroll, findet toll, was die Merlins leisten. Das gehe von Angeboten für Schulen bis hin zu Integration. „Es ist das Angebot, das die Merlins bieten. Der Geschäftsführung ist dieses Gesamtpaket zur Herzenssache geworden“, erklärt Jochen Schmidt.

Hakro beansprucht ein Ticket-Kontingent für die Spiele in der Arena. Mitarbeiter besuchen die Bundesliga-Partien der Mannschaft, die zum zweiten Mal in die Bundesliga aufgestiegen ist und dort um den Klassenerhalt kämpft, sehr gerne. Ohne Wirkung bleibe das Engagement nicht. Zahlreiche Bewerbungen auf freie Stellen würden aus dem Basketball-Umfeld eingehen.

Weil Hakro an autorisierte Fachkunden liefert, nicht aber an Endkunden, sei es nicht der entscheidende Punkt gewesen, den Namen des Unternehmens über den Basketball bundesweit bekannt zu machen.

Die Schwäbisch Hall Unicorns sind vor wenigen Wochen zum vierten Mal deutscher Meister im American Football geworden. Sie tragen den Schriftzug der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim auf dem Trikot. Warum fördert das Geldhaus die Unicorns? Die Sparkasse nennt vier Punkte: Förderung eines überregional erfolgreichen Vereins; Bekanntmachen der Unicorns als Aushängeschild der Region; Werbung für die Sparkasse sowie Anerkennung einer hervorragenden Jugendarbeit.

„Wir geben regelmäßig über eine Million Euro in Form von Spenden und Sponsoring an Einrichtungen, Institutionen und Vereine im Landkreis zur Förderung von Sozialem, des Ehrenamtes, der Kunst, Kultur und des Sports“, macht Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Thomas Lützelberger deutlich.

„Es ist ein Geben und Nehmen“, sagt Hartmut Layer. Er führt das Wolpertshausener Unternehmen BWK Dachzubehör. Der Betrieb unterstützt die Fußballer des TSV Ilshofen, die als klassenhöchste Mannschaft der Region in der Oberliga spielen. Als Aufsteiger stehen sie im vorderen Drittel. Das Geben besteht in einer Zahlung an die TSV-Fußballer, deren Höhe Hartmut Layer nicht verraten will. Das Nehmen ergibt sich in erster Linie daraus, dass sich BWK bei jungen Menschen aus dem Fußball-Umfeld durch sein Sponsoring einen Namen gemacht hat. Dies mache es einfacher, Nachwuchskräfte fürs Unternehmen zu finden. Gerade in der Region sei die Konkurrenz unter den Betrieben riesig. Layer nennt die Unternehmen Bausparkasse und Würth, die auf junge ausbildungs- und arbeitssuchende Frauen und Männer eine hohe Anziehungskraft ausüben.

BWK-Geschäftsführer Hartmut Layer ist dem Fußball schon seit Jahrzehnten eng verbunden. Er selbst war einst aktiver Kicker, seine Söhne spielen beim TSV-Nachwuchs. Das Jugendkonzept, das beim TSV vor Jahren entwickelt wurde, habe ihn überzeugt. „Wir sind ins Träumen gekommen“, räumt Hartmut Layer ein, „so ist das Sponsoring schleichend entstanden.“

BWK ist Teil einer Unternehmensgruppe, die Hartmut Layer zusammen mit einem Kollegen führt. Beschäftigt werden insgesamt rund 160 Mitarbeiter, der Jahresumsatz beläuft sich auf rund 80 Millionen Euro. Hartmut Layer macht deutlich, dass er nicht der alleinige Sponsor sei, auf den sich der TSV Ilshofen verlässt. „Unser Konzept steht auf 1000 Füßen.“ Damit meint er, dass der TSV auf viele kleine Sponsoren setze. So wirkt es sich nicht allzu gravierend aus, wenn sich mal einer zurückzieht.

Eines ist allen drei Sponsoren gemein: Sie verraten nicht, wie viel sie sich ihr Engagement für die jeweilige Mannschaft kosten lassen.

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Zweimal führte Abhängigkeit zum Abstieg

Nicht immer haben Sportvereine mit ihren Sponsoren nur gute Erfahrungen gesammelt. Im Bereich des Fußballs im Bezirk Hohenlohe hat es zumindest zwei Fälle von erheblicher Abhängigkeit gegeben, die schließlich im sportlichen Abstieg endeten.

Der TSV Crailsheim wurde einst von Hermann Opferkuch, dem Eigner und Gesellschafter der Stimpfacher Schokoladenfabrik Hosta, unterstützt. Die Crailsheimer stiegen mit seiner finanziellen Hilfe bis in die Oberliga auf. Als sich Opferkuch zurückzog, brachen für die TSV-Fußballer 2009 karge Zeiten an. Sie stiegen freiwillig in die Bezirksliga ab.

Der SV Berlichingen schaffte es bis in die Verbandsliga. Die Spiele des Dorfklubs in dieser Klasse sahen teilweise mehr als 2000 Besucher. Der Ort zählte damals 700 Einwohner. Im Februar 1996 zog Sponsor Klaus Isaak (LTI-­Metalltechnik) den Stecker: „Ich bin es leid, die ständig steigenden finanziellen Forderungen der Spieler zu erfüllen.“ Der SV fiel in die Kreisliga A zurück. just

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