Politik „Der gesunde Menschenverstand reicht vollkommen“

Petra Weber ist Bürgermeisterin in Blaufelden. Sie ist eine von sechs Bürgermeisterinnen im Landkreis – bei 30 Gemeinden.
Petra Weber ist Bürgermeisterin in Blaufelden. Sie ist eine von sechs Bürgermeisterinnen im Landkreis – bei 30 Gemeinden. © Foto: Archivfoto
Hall/Landkreis / Monika Everling 13.03.2018

Einen Tag nach dem Internationalen Frauentag treffen sich in der vergangenen Woche 17 Frauen im Haller Haus der Bildung. 15 davon haben bereits politische Ämter oder Funktionen inne, zwei weitere haben Interesse daran, im kommenden Jahr bei den Kommunalwahlen zu kandidieren.

Eingeladen hat die Frauenakademie der Haller Volkshochschule, also eine politisch neutrale Institution. Sie will ein Netzwerk gründen, das über alle Parteigrenzen hinweg Frauen Mut machen soll, sich politisch zu engagieren. Denn daran mangelt es nach Beobachtung der meisten Teilnehmerinnen: am Mut. „Frauen sagen oft, dazu fehlt mir das Hintergrundwissen. Von einem Mann habe ich einen solchen Satz noch nie gehört“, sagt Uta Rabe, die seit 1994 im Haller Gemeinderat sitzt und dort auch lange CDU-Fraktionsvorsitzende war. Ute Zoll, Bürgermeisterin in Vellberg, kann da nur zustimmen: „Ich möchte allen aktiven Frauen die Angst vor der Arbeit im Gemeinderat nehmen. Ich versichere Ihnen, dort wird auch nur mit Wasser gekocht.“ Sie betont: „Die Gemeinderäte brauchen kein Hintergrundwissen. Der gesunde Menschenverstand reicht vollkommen! Ich sehe es als meine Aufgabe als Bürgermeisterin an, die Themen so vorzustellen, dass die Räte entscheiden können.“

Die beiden Bürgermeisterinnen Ute Zoll und Petra Weber versichern, dass es für viele Hürden eine Lösung gebe: „Es gibt Schulungen für neu gewählte Gemeinderäte. Und man kann Babysitter in Anspruch nehmen.“ Zu absolvieren seien etwa zwölf Sitzungen im Jahr, dazu Exkursionen. „Und auf den großen Festen in der Gemeinde sollte man sich auch zeigen.“

Viele Leute finden, dass mehr Frauen in die Politik gehen sollten. Aber warum eigentlich? Petra Weber, Bürgermeisterin in Blaufelden, nennt Gründe: „Wenn ich die Männer frage, wie es um die Kinderbetreuung bestellt ist, heißt es, da ist bei uns die Welt in Ordnung. Die Frauen sehen da ganz andere Probleme.“

Weitere Aktionen geplant

Gerlinde Michelfelder, die im Gemeinderat von Michelfeld die erste Frau war, berichtet, sie habe sich immer dagegen gewehrt, auf frauenspezifische Themen reduziert zu werden. „Ich habe mich genauso mit der Kläranlage befasst wie die Männer auch“, sagt sie. Uta Rabe hat in der CDU auf kommunaler Ebene das Reißverschlusssystem bei Nominierungen durchgesetzt: abwechselnd eine Frau und ein Mann, bis die Frauen ausgingen. „Leider hat das in der CDU nicht viel genützt.“

Die Veranstaltung war eigentlich vor allem für Frauen gedacht, die noch nicht politisch aktiv sind. Dass davon nur zwei gekommen sind, entmutigt die Veranstalterinnen nicht. Denn es sollen weitere Aktionen im ganzen Landkreis folgen. „Wir sollten dorthin gehen, wo die Frauen schon sind“, meint eine Teilnehmerin. Ein Podium können unter anderem Veranstaltungen der Landfrauen sein. Die Kreislandfrauen sind Mitveranstalter des Netzwerktreffens. Weitere Ideen sind Sportgruppen und Frauenfrühstücke. Monika Everling

Info Wer sich für das überparteiliche Netzwerk für Frauen in der Kommunalpolitik interessiert, kann sich bei Andrea Wanner in der Volkshochschule Hall melden: E-Mail a.wanner@vhs-sha.de

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