Weilertunnel Weilertunnel: „Club war schöner als Betonwand“

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 05.07.2018
Die Spritzbetonwand an der Stuttgarter Straße wird nur im unteren Bereich von einer Baumreihe verdeckt. Die große kahle Fläche finden Stadträte und Verwaltung hässlich.

Gegen die Wand. Selbst Baubürgermeister Peter Klink ist gegen den Spritzbeton in seiner jetzigen Ausführung. Er formuliert es nur diplomatischer: „Es ist gestalterisch nicht das, was wir uns vorgestellt haben.“

Doch die wuchtige Hangsicherung, die jedem Autofahrer auffällt, der die Stuttgarter Straße entlangfährt, sei notwendig. „Die ursprüngliche Planung sah vor, nur einen Streifen unterhalb des Gottlob-Weißer-Wegs mit Spritzbeton abzusichern“, erläutert er kürzlich in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses. Das Gros der Wand sollte als sichtbarer Fels offen bleiben. Geplant war lediglich, ein Metallnetz als Steinschlagsicherung anzubringen, so wie das wenige Meter weiter an einem ehemaligen Steinbruch zu sehen ist.

Doch daraus wird nichts. Klink: „Es wurde immer deutlicher, wie zerklüftet das Gestein ist.“ Letztendlich entschied sich das Regierungspräsidium als Bauherr nach Gesprächen mit der Stadtverwaltung für die Spritzbetonwand. Die ist nun in voller Größe sichtbar, soll in den nächsten Wochen vollendet werden. Von der Straße hoch bis zur Hangkante erstreckt sich die Betonwand.

„Der Club Alpha sah besser aus“, zitiert Grünen-Sprecherin Andrea Herrmann ihren Fraktionskollegen Werner Feucht, der diesen Vergleich zuvor im kleinen Kreis gezogen hatte.

Über Jahre galt die Stadteinfahrt mit dem maroden Clubgebäude, den vielen Graffiti und den abgewrackten Autos davor als wenig einladendes Eingangstor zur Stadt. Die Club-Mitglieder störte das wenig. Einige Haller aus dem bürgerlichen Lager schon. Der Umzug und Abriss des Jugendclubs verbesserte das Erscheinungsbild für kurze Zeit. Der grüne Hang wurde sichtbar. Doch genau an diesen Hang heran führt die neue Trasse der Stuttgarter Straße. Sie holt dort quasi aus, um in einem weiten Bogen im Tunnel zu verschwinden. Daher musste ein Stück des Hangs abgetragen werden.

Eine andere Lösung sei nicht möglich, betont Klink. Der Hang sei zu steil, der Taleinschnitt zu schmal, um zu bezahlbaren Kosten eine Alternative zur Wand zu entwickeln.

Das schmeckt einigen Stadträten nicht. „Diese graue Wand lädt geradezu ein, sie für Graffiti zu nutzen“, meint Hartmut Baumann, FWV-Sprecher. „Kann man nicht ein Gitter darüberziehen und sie grün machen, damit sie nicht so gräuslich aussieht?“ Er plädiert für eine Bepflanzung.

Was dabei möglich ist, werde geprüft, berichtet Klink. „Der untere Bereich wird mit einem Blockabsatz aus Muschelkalk gestaltet“, berichtet er. Diese  Natursteinmauer steht 3,80 Meter vor der Spritzbetonwand. In dem Zwischenbereich sei Platz für Bäume. „Rankpflanzen dürfen die Wand nicht beschädigen“, erläutert Klink. Die große Befestigung müsse auch grundsätzlich für Kontrollen zugängig bleiben.

Bericht erwartet

„Wir wollen die Bedenken dem Projektleiter selbst vortragen“, fordert Ludger Graf von Westerholt, CDU-Fraktionssprecher. Doch obwohl bereits vor Monaten zugesichert wurde, einen Verantwortlichen des Regierungspräsidiums in den Ratssaal einzuladen, ist zumindest bei einer öffentlichen Sitzung daraufhin keiner erschienen. Es gibt beim Weilertunnel weitere Knackpunkte. Die Überflutungsprobleme bei Starkregen (siehe Info) seien gelöst worden. Doch der Durchbruch des Tunnels unter der Bahnlinie verzögert den Start der Bauarbeiten um zwei Jahre. Die Sicherheitsvorgaben beim Bauen im Bahnbereich hätten sich verschärft.

Stadtrat Baumann ist sich sicher, dass die Probleme von außen kommen: „Da hat niemand in Hall dran Schuld. In Deutschland ist man beim Bauen immer pingeliger.“

Wasserschäden werden untersucht

„Wir sehen es nicht ein, dass Besitzer auf Schäden sitzen bleiben“, mahnt CDU-Stadtrat Ludger Graf von Westerholt an. Gleich zweimal versagte die Wasserführung in der Weilertunnelbaustelle. Es bildete sich ein See am Scharfen Eck. Läden in der Heimbacher Gasse wurden überflutet. „Es ist beileibe nicht so, dass wir uns wegducken“, entgegnet Baubürgermeister Peter Klink. Regierungspräsidium und Stadtverwaltung hätten einen Sachverständigen eingeschaltet, der den Schaden prüft. „Das müssen wir abwarten.“ Geprüft werde auch, ob es sich bei den beiden Starkregen um Ereignisse höherer Gewalt gehandelt habe. Das habe versicherungsrechtliche Auswirkungen.

Die Probleme an der Baustelle seien beseitigt. Ein Provisorium sollte verhindern, dass Wasser bei kleineren Regenfällen in die Baugrube läuft. Doch beim Starkregen staute sich das Wasser darin, trat durch einen Schachtdeckel aus, was wiederum zur Überflutung der Straße führte. Dieses Provisorium wurde komplett abgebaut. tob

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