Schwäbisch Hall "Das war eine tolle Show" - Winfried Kretschmann bei den Freilichtspielen

WOLF-DIETER RETZBACH 13.08.2015
Die Wanderung ist beendet, ein frisches Hemd angezogen: Der Ministerpräsident besucht am Dienstagabend die Freilichtspiele-Revue "Stairways to Heaven". Dabei trifft er auf eine ehemalige Schülerin von ihm.

Sabine Hegemann ist von diesem Lehrer beeindruckt: Er unterrichtet und ist zugleich politisch aktiv, als Landtagsabgeordneter der zwei Jahre zuvor gegründeten baden-württembergischen Grünen. Dieses Engagement gefällt der 19-Jährigen, die sich ein Jahr lang zur staatlich anerkannten Kosmetikerin ausbilden lässt. Vor der Klasse der Stuttgarter Kosmetikschule steht Winfried Kretschmann. Der studierte Biologe und Chemiker unterrichtet die Schülerinnen beispielsweise in Pflanzenkunde, er erklärt ihnen, wie etwa Blüten und Stengel von Pflanzen verwendet werden können.

34 Jahre nach der Kosmetikschule: Wiedersehen in Hall

34 Jahre nach diesem gemeinsam verbrachten Jahr in der Kosmetikschule treffen sich die ehemalige Schülerin und ihrer damaliger Lehrer wieder. Sabine Hegemann, mittlerweile Mutter von vier Kindern, wohnt seit 1993 in Braunsbach. Sie ist ein Fan der Freilichtspiele, hat fast sämtliche Stücke gesehen. Die Revue "The Stairways to Heaven" fehlte ihr noch. Für die Aufführung am Dienstagabend hatten sie und ihr Mann Karten. Auch Winfried Kretschmann, mittlerweile Landesoberhaupt, ist da. "Sind Sie jetzt Kosmetikerin?", fragt der Ministerpräsident, als er vor Beginn der Revue an der Sekthütte Hegemann trifft. "Ja", antwortet die 53-Jährige, "aber ich bin vor allem Mutter." Kretschmann erzählt, dass er damals, an der privaten Kosmetikschule, die Lehrpläne für seine Fächer selbst geschrieben hat. Später traf er eine andere ehemalige Schülerin der Kosmetikschule wieder: Sie arbeitete jetzt beim Südwestrundfunk und schminkte Kretschmann vor einem Fernsehauftritt.

Nach dem Wiedersehen gehen Kretschmann und Hegemann zu ihren Plätzen. "Er war ein sehr guter Lehrer", sagt die Braunsbacherin.

Dann beginnt die Revue. Die Schauspieler spielen Stationen der 70er- und 80er-Jahre nach, Fußball-WM 1974, RAF, sexuelle Befreiung, DDR. Es geht auch um die Gründung der baden-württembergischen Grünen an der Schwelle zu den 1980er Jahren. Kretschmann wird von Jan Kämmerer gespielt, jenem Akteur, über den Intendant Christoph Biermeier vor Beginn des Stücks gesagt hatte: "Ein Schauspieler ist jetzt besonders nervös."

Kämmerer verkörpert den jungen Grünen-Mitbegründer Kretschmann als eine Person, die sich an Planung und demokratische Abstimmungsprozesse hält. "Wir müssen das strukturell angehen, ich schlage vor, wir stimmen dann irgendwie über Sabines Vorschlag ab", sagt der Revue-Kretschmann, als über den Beginn der Grünen-Präambel abgestimmt werden soll. Eine Mitstreiterin sagt zu ihm: "Wenn du so weitermachst, wirst du noch Ministerpräsident." Das Publikum lacht und klatscht.

Kretschmann: „Alle denken, dass ich so war“

"Das war eine tolle Show", sagt Kretschmann nach Ende der Revue. Es sei "schon lustig" gewesen, sich selbst in dem Stück zu beobachten. "Alle denken, dass ich so war", sagt der wahre Kretschmann über sein etwas steif wirkendes Pendant, das in dem Stück als das genaue Gegenteil des aggressiven Joschka Fischers dargestellt wird. Der Ministerpräsident aber deutet an, dass er eben nicht so war wie dargestellt. Wie dann? "Viel lockerer", sagt Hermann-Josef Pelgrim, der sich mit Kretschmann gerade auf dem Weg zu einem Glas Wein aufmacht.

Halls Oberbürgermeister, Jahrgang 1959, erzählt, dass die Revue Wegmarken seiner Jugendzeit darstelle. Beim Reaktorunglück in Tschernobyl sei er Asta-Vorsitzender an der Uni Paderborn gewesen. "Das war die Musik meiner Jugend", sagt Pelgrim über die in der Revue gespielten Lieder. Welches Stück ihm am besten gefallen hat? "Smoke on the water."

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