Kunst „Das ist wie eine Wundertüte“

Die Gründungsmitglieder der Vellberger Straßengalerie im Garten vor dem Amtshaus. Die bunten Stöcke haben Grundschüler für eine frühere Straßengalerie bemalt. Von links Ursula Schneider-Szutta, Joachim Trick, Christl Jäger, Gerhard Knapp und Roswitha Schäfer. Nicht mehr aktive Gründungsmitglieder sind Annette Bischof-Wehmeier und Helene Heilmann.
Die Gründungsmitglieder der Vellberger Straßengalerie im Garten vor dem Amtshaus. Die bunten Stöcke haben Grundschüler für eine frühere Straßengalerie bemalt. Von links Ursula Schneider-Szutta, Joachim Trick, Christl Jäger, Gerhard Knapp und Roswitha Schäfer. Nicht mehr aktive Gründungsmitglieder sind Annette Bischof-Wehmeier und Helene Heilmann. © Foto: Sigrid Bauer
Vellberg / Sigrid Bauer 13.07.2018
Die Straßengalerie hat sich zu einem Markenzeichen Vellbergs entwickelt.

Im Jahr 2005 auf einem Spaziergang durch Radolfzell kam Roswitha Schäfer der zündende Gedanke: „Dort hingen quer über die engen Gassen doppelseitig bemalte Bilder. Das sah toll aus und ich dachte, so etwas könnte man doch in Vellberg auch machen.“ Sie lud andere kreative Köpfe aus ihrem Vellberger Bekanntenkreis in ihr Atelier ein und warb für ihre Idee – mit Erfolg.

Die Straßengalerie, eine Ausstellung unter freiem Himmel im Städtle als Forum für überwiegend Vellberger Künstler, war geboren. „Unser erstes Thema haben wir alle in der gleichen Art umgesetzt: aus großen Platten Figuren ausgesägt und sowohl die Platten als auch die ausgesägten Figuren individuell bemalt und übers ganze Städtle verteilt aufgestellt. Gearbeitet haben alle zusammen in der Trick‘schen Scheune“, erinnert sich Ursula Schneider-Szutta. „Ich hatte die Geräte dazu und auch den Platz“, so Joachim Trick, dessen Scheune – sein Atelier – mitten im Städtle steht.

Mut zur Dreidimensionalität

Für sie sei es ein gewaltiger Sprung gewesen, so großformatige Objekte zu schaffen, räumt Christel Jäger ein, die bis dahin fast ausschließlich Radierungen gefertigt hat. „Aber ich bin froh, mich dazu entschlossen zu haben“, sagt sie. „Für die meisten war auch die Dreidimensionalität, die wir uns für die Objekte vorgenommen hatten, eine neue Erfahrung“, pflichtet ihr Schneider-Szutta bei. „Eine weitere Herausforderung ist das Material, denn unsere Kunstwerke stehen bei jedem Wetter draußen“, ergänzt Gerhard Knapp, der vorwiegend mit Metall arbeitet. Von den Holzfiguren der ersten Freiluftausstellung existieren nur noch wenige Exemplare. „Meine sieht noch super aus. Sie steht vor der Haustür und ist unser Erkennungszeichen“, wirft Jäger ein.

Auch über eine geeignete Halterung für die meist frei stehenden Objekte müssen sich die Künstler beizeiten Gedanken machen. „Sicherheit steht ganz oben“, betont Jäger. „Bei manchen Kollegen geht es nicht ohne Gabelstapler. Da ist es besonders wichtig, dass der Platz der Plastik gut gewählt ist und nicht nachträglich verändert werden muss“, fällt Schneider-Szutta dazu ein. Die Präsentation der Kunstwerke will gut durchdacht sein. Jeder Künstler kann Wünsche äußern, letztendlich entscheidet ein Kuratorium, zusammengesetzt aus dem Teilnehmerkreis, über den Standort. „Der Hintergrund muss passen, und die Ausstellung soll in sich geschlossen wirken“, erläutert Schneider-Szutta.

Das Aufhängen künstlerisch gestalteter Fahnen an Stahlseilen übernimmt der städtische Bauhof. „Die Kooperation mit der Stadt klappt prima. Für die Öffentlichkeitsarbeit ist es wichtig, dass die Stadt hinter uns steht. Das war von Anfang an so“, betont Gerhard Knapp.

Die Anzahl der teilnehmenden Künstler hat sich mittlerweile deutlich erhöht. Dieses Jahr sind es 25. Schwerpunktmäßig kommen sie noch immer aus Vellberg und Umgebung. „Wir sind kein elitärer, geschlossener Kreis. Wir freuen uns, dass die Vellberger Grundschule regelmäßig mitmacht, ebenso wie der Sonnenhof, dieses Jahr erstmals mit der Künstlergruppe Tausendgrün“, unterstreicht Trick.

Allerdings wird es innerhalb der großen Gruppe nicht einfacher, sich auf ein Thema zu einigen. „Am ersten Abend gelingt uns das meist nicht“, verrät Jäger. Bis Januar steht das Motto aber, denn dann bleibt nur noch bis Mitte Juni Zeit für die kreative Phase der Umsetzung. „Für den Flyer und den Ausstellungskatalog brauchen wir rechtzeitig Fotos der Objekte, zumindest von Details oder von Entwürfen“, stellt Trick klar. So ganz genau wisse keiner bis zum Sonntagmorgen der Vernissage, was alles aufgestellt wird. „Das ist wie eine Wundertüte“, meint Trick, der von seiner Wohnung hoch über dem „Ochsen“ den besten Blick auf die Open-Air-Ausstellung genießt.

Bernies Trio spielt zur Vernissage

Die 13. Vellberger Straßengalerie steht unter dem Motto „Wandelbar“. Bürgermeisterin Ute Zoll eröffnet sie am Sonntag, 22. Juli, um 11 Uhr mit einer kurzen Einführung. Bernies Trio begleitet die Vernissage musikalisch. Die Freiluftausstellung im Städtle ist kostenlos und rund um die Uhr bis Ende Oktober geöffnet. siba

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