Tierheim "Das ist tödlich fürs Tierheim" - Große Not beim Haller Tierschutzverein

Im Katzenhaus des Michelfelder Tierheims: Der Haller Tierschutzverein, der das Tierheim betreibt, stößt an seine finanziellen Grenzen. Der Grund sind hohe Kosten, die durch ansteckenden Hautpilz bei Katzen verursacht werden.
Im Katzenhaus des Michelfelder Tierheims: Der Haller Tierschutzverein, der das Tierheim betreibt, stößt an seine finanziellen Grenzen. Der Grund sind hohe Kosten, die durch ansteckenden Hautpilz bei Katzen verursacht werden. © Foto: Ufuk Arslan
SONJA ALEXA SCHMITZ 25.07.2014
Die Katze ist dünn, der Bauch etwas zu dick. Das seien typische Anzeichen für die Krankheit, erklärt Johanna Schäfer. Ansonsten sehen die Tiere gesund und munter aus. Die Sorgen haben eher die Menschen.

Vor vier Wochen fängt es an. An einem Freitag stellen die Angestellten im Michelfelder Tierheim des Haller Tierschutzvereins bei einer Katze Hautpilz fest. Am Montag ist der Pilz in Gehege 3 angekommen. Seither leben die zwei Mitarbeiter und fünf festen Ehrenamtlichen im "Pilzstress". In aufwendiger Prozedur versuchen sie die Ausbreitung der Pilzsporen einzudämmen. Jeden Tag werden die Gehege desinfiziert - gerade so stark, wie es die Katzen vertragen können. Jedes Gehege bekommt einen extra Staubsauger sowie Putzmaterialien. Die Mitarbeiter müssen sich umziehen, wenn sie bei den erkrankten Katzen waren.

Schwierige Zeiten: Erst Hundechaos, jetzt Hautpilz

Die Decken nimmt Johanna Schröder täglich mit nach Hause. Dort werden sie im Desinfektionsbad drei Stunden eingeweicht, bevor sie gewaschen werden. Dann müssen sie neu beschriftet werden, damit sie nicht in ein anderes Gehege kommen.

Johanna Schröder ist die Frau des Vereinsvorsitzenden. Acht Stunden Minimum verbringt die Rentnerin derzeit täglich im Tierheim - ehrenamtlich. Ihre Stimme klingt frustriert, wenn sie von ihrem Alltag im Tierheim erzählt. Nie kehrt Ruhe ein. Bevor der Hautpilz kam, hatten sie "Hundechaos". Auf der Autobahn in einem Laster wurden elf Chihuahua-Welpen aus dem Ausland gefunden. Die haben, bis auf eines der Tiere, ein neues Herrchen gefunden.

Jetzt hoffen die Vereinsmitglieder, möglichst rasch die Katzen vermitteln zu können. Sechs Wochen dauert es im Durchschnitt, bis eine Tierheimkatze ein neues Zuhause findet. Der Hautpilz steht der Vermittlung nicht unbedingt im Weg. Eine erkrankte Katze allein ist kein Problem. Vom Tierarzt behandelt, ist die Krankheit in wenigen Wochen in den Griff zu kriegen. "Gut ist, wenn die Tierheimkatze bereits vorbehandelt ist", sagt Werner Schreiber, Leiter des Veterinäramtes. "Daheim ist es nur ein kleines, lösbares Problem - vorausgesetzt, es ist das einzige Haustier. Aber da, wo viele Tiere sind, wird es zu einem großen Problem." Im Tierheim haben einige Katzen die Immunschwäche FIP. Bekommt eine immunkranke Katze Hautpilz, kann sie daran sterben.

"Für gesunde Katzen ist der Hautpilz nicht tödlich. Tödlich ist er nur für das Tierheim", sagt Johanna Schröder bitter. Wenn die Katzen vermittelt und die Gehege leer sind, müssen sie alle Kratzbäume, Körbe, Decken, Kissen, die ganze Inneneinrichtung wegschmeißen. Abfallgebühren fallen an und Kosten für den Neukauf dieser Gegenstände. Der Verein rechnet mit 10000 bis 15000 Euro - "Geld, das wir nicht haben", sagt Elke Preuß, Angestellte im Tierheim. Die Katzen werden gegen den Hautpilz behandelt, auch diese Kosten kommen hinzu.

Vergangene Woche hatte der Verein seine Mitgliederversammlung. Etwa 900 Mitglieder zählt der Verein. "Die Zahl sinkt ständig", bedauert Johanna Schröder. Etwa 50 Mitglieder sind zu dem Treffen erschienen. Neue Ideen, finanzielle Unterstützung zu bekommen, hatten sie keine. "Das erste, womit wir aufhören müssen, ist die Arbeit draußen", sagt Schröder. "Draußen" sind die Mitglieder, um herrenlose Katzen zu kastrieren. Der Verein hofft weiter auf Spenden. Vielleicht finde sich eine Firma, die den Verein unterstützt, hofft Elke Preuß. Auf der Vereinshomepage steht: "Bitte helfen Sie."

Gefährdet sind junge und geschwächte Katzen

Mykose Den Auslöser für Hautpilz liefern so genannte Dermatophyten, die nur in den obersten, toten Schichten der Haut leben. Sie lösen die oberflächlichen Hornschichten auf und nisten sich in Haut, Haaren und Krallen der Tiere ein. Eine wesentliche Rolle beim Ausbruch des Hautpilzes spielt das Immunsystem der Katze. Geschwächte, gestresste, trächtige oder säugende Katzen stehen ebenso wie Jungtiere besonders in der Gefahr, infiziert zu werden. Je gesünder und abwehrstärker ein Tier ist, desto geringer sind die zu erwartenden Symptome.

Ansteckung Kommt es zu einer Ansteckung des Menschen, verursachen Dermatophyten meist "nur" einen Hautausschlag. Bei immungeschwächten Personen und Kindern kann es aber auch - wie bei den Katzen selbst - zum Organbefall kommen.

Heilung Zur Behandlung bei Tier und Mensch stehen Salben, die Pilze und Sporen abtöten, sowie Lotionen, Sprühlösungen und Tabletten zur Verfügung. Die Heilung kann mehrere Wochen dauern.

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