Baikonur „Das ist schon etwas Einzigartiges“

Gute Laune vorm Start: Alexander Gerst formt ein „K“ für seine Heimatstadt Künzelsau.
Gute Laune vorm Start: Alexander Gerst formt ein „K“ für seine Heimatstadt Künzelsau. © Foto: VFoto: afp
Baikonur / Thomas Zimmermann 08.06.2018
Beim Start des Astronauten Alexander Gerst drücken beim Weltraumbahnhof in Baikonur auch viele Hohenloher die Daumen.

„Es war ein Traumstart. Das sind unsere russischen Freunde, die können das einfach“, schwärmt Volker Schmid, Missionsleiter beim Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), als die Trägerrakete bereits wenige Minuten nach dem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur am Mittwoch die Umlaufbahn erreicht. Mit an Bord ist der aus Künzelsau stammende Astronaut Alexander Gerst.

Für ihn und seine Kollegen ist der Tag bis dahin angefüllt mit Abschiednehmen. Gut gelaunt winkt er Freunden, Gästen, Journalisten und Touristen zu. Nachdem die Ausrüstung perfekt sitzt, dürfen sich die Astronauten über Mikrofon noch einmal von ihren Familien verabschieden. „Was hast du heute gefrühstückt“, fragt Vater Hans-Dieter Gerst seinen Sohn. „Pfannkuchen mit Hackfleisch“, lautet seine Antwort. „Pass gut auf meine Kreditkarten auf“, ermahnt Alexander Gerst seine Freundin zum Spaß. „Du weißt, dass du kein Kommandant mehr bist, wenn du zurückkommst“, scherzt sie zurück.

Emotionaler Augenblick

Je weiter entfernt von der Heimat man sich trifft, desto enger rückt man zusammen. Dies bewahrheitet sich auch in Baikonur: Das Gemeinschaftsgefühl unter den Hohenlohern war nach dem gelungenen Start von Alexander Gerst ins All besonders groß. „Es ist ein sehr emotionaler Augenblick. Dass da einer im All unterwegs ist, aus unserer Heimatstadt, mit so einer Botschaft die Grenzen überwindet und mit der Freundschaft, die er ausstrahlt – das ist schon etwas Einzigartiges“, sagt Martin Probst. Dem Stadtrat und stellvertretenden Bürgermeister ist die Rührung dabei anzusehen.

„Vor vier Jahren wurde in der Dunkelheit gestartet“, denkt Christian von Stetten zurück. „Heute, am Tag, war es ein wunderbarer Start und man beobachtet die Mission mit ganz anderen Augen, wenn da jemand drinsitzt, den man sehr gut kennt“, so der Hohenloher Bundestagsabgeordnete. Auch für den Kopf der Mundartband Annâweech Frank (Molle) Winkler, war es ein Festtag. „Ich bin richtig stolz, von Alex ein Freund genannt zu werden. Da steht eine Säule und da sitzt einer von uns drin und fliegt ins All – unglaublich“, so Winkler, der wenig später fürs Fernsehen auch noch vor laufender Kamera die erste Strophe des eigens für Alexander Gerst komponierten Liedes „Mister Cool“ anstimmte.

Mit Tobias Kienzle war auch ein enger Freund von Astro-Alex aus Kindheitstagen in Baikonur vor Ort. Der gebürtige Ingelfinger, der heute in Heidelberg wohnt, kennt den Astronauten seit 30 Jahren, ist mit ihm groß geworden, und sie treffen sich noch immer regelmäßig: „Es ist einfach beeindruckend, was der Alex heute so macht.“

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