Schwäbisch Hall / Bettina Lober  Uhr
Großer Bahnhof im Haller Rathaus: Nach über 30 Jahren als Fachbereichsleiter nimmt Edgar Blinzinger Abschied.

Eigentlich wollte Edgar Blinzinger ja nichts Großes, sondern einfach „still und leise“ nach diesen 33 Jahren in der Haller Stadtverwaltung gehen. Dann ließ sich der Fachbereichsleiter für frühkindliche Bildung, Schulen und Sport aber doch zu einem feierlichen Abschiedsempfang überreden. Als er am Ende in die Gesichter der rund 250 Mitarbeiter, Kollegen, Rektoren, Stadträte, Weggefährten und seiner Familie schaut, kann er sich über die „vielen guten Worte“ auch richtig freuen.

Dabei hatte er mit so vielen Gästen nicht gerechnet. Aber immerhin „geht jetzt eine berufliche Ära zu Ende“, sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Dieser hat für die Abschiedsrede in alten Dienstzeugnissen gestöbert, aus denen er augenzwinkernd zitiert: „Seine Leistungen sind als über dem Durchschnitt zu bewerten“, hieß es 1973 im Rathaus Neuhütten, „sie werden daher mit der Note 3 bewertet.“

Der städtische Fachbereich Revision legt seinen Prüfbericht zum Jahresabschluss 2017 vor. Trotz einzelner Fehler sei das Ergebnis positiv und genehmigungsfähig.

Hinter Formulierungen wie „war bestrebt“ oder „nichts Nachteiliges zu sagen“ verbirgt sich im Personaler-Deutsch ja eher Kritik. Blinzinger kann heute darüber lachen. Und obwohl seine Bewerbung erst nach Fristablauf einging, wie Pelgrim erklärt, wurde der gebürtige Öhringer 1985 in Hall zum neuen Leiter für das Sozial- und Jugendreferat gewählt.

Harte Überzeugungsarbeit

Unter Blinzinger wurde die Schulsozialarbeit eingeführt. Er habe manchen Schulrektor von der Ganztagesbetreuung erst überzeugen müssen, so der OB.

Der Einbruch der Stadtfinanzen 2001 habe auch den Sozialbereich getroffen – eine schwierige Entwicklung, die Blinzinger zu begleiten hatte, würdigt Pelgrim dessen Arbeit. Er dankt für ein „freundschaftlich-kollegiales Miteinander“ und weiß genau: „Integration ist für ihn kein Fremdwort, sondern eine Herzensangelegenheit.“

Bei den landesweiten Vergleichsarbeiten schneidet das Schulzentrum im Bühlertal gut ab. An der Realschule wird auf verschiedenen Niveaus unterrichtet.

Werner Hepp, Geschäftsführer der Schwäbisch Haller Arbeiterwohlfahrt, dankt Blinzinger im Namen der Wohlfahrtsverbände für eine „konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit“. Überdies bescheinigt er dem scheidenden Fachbereichsleiter einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Blinzinger habe in seiner ruhigen und sachlichen Art stets die soziale Inklusion und den Abbau von Barrieren als Ziel vor Augen gehabt: „Es ist auch dein Verdienst, dass es im Sozialbereich zu keinem Kahlschlag kam.“ Blinzinger sei Anwalt und Fürsprecher für die Schwachen der Gesellschaft – da nehme man die gelegentlich zum Vorschein tretende „Öhringer Bruddelichkeit“ gerne in Kauf, sagt Hepp verschmitzt.

„Manchmal auch Beichtvater“

Als stets verlässlichen Unterstützer und „manchmal auch als Beichtvater“ hat Frank Walter, geschäftsführender Schulleiter in Hall, Edgar Blinzinger erlebt: „Man musste mit Ihnen nicht immer einer Meinung sein, aber am Ende des Gesprächs war man doch oftmals Ihrer Meinung“, sagt er anerkennend.

Beratung: Auf dem Weg zum Haushalt 2019 ging es im Umwelt- und Technikausschuss um Straßen und Gebäude.

„Sie waren ein ganz toller Chef für uns“, bedankt sich Blinzingers Stellvertreter Ernst Hortig. Im Namen der Kollegen und Mitarbeiter überreicht er ein spezielles Gutscheinbuch: Vom Drechsel­workshop übers Kartoffelsalatzubereiten bis zum Tanzkurs bei den Square Dancern (Blinzinger: „Oh, nein!“) wird der Neu-Renter wohl allerhand zu tun haben.

Schlucken muss der 65-Jährige, als Sohn Markus ans Mikrofon tritt. Er erzählt von früheren Besuchen gemeinsam mit Mutter Monika und dem jüngeren Bruder Philipp beim Vater im Rathausbüro, wo es anfangs „nach diesen schrecklichen Zigarillos und später, nach der etwas erträglicheren Pfeife“, roch – mittlerweile ist Blinzinger Nichtraucher. Schon damals hat der Sohn schnell gespürt: „Das ist nicht nur ein Job, den der Papa da macht.“ Und obwohl die Familie zuweilen auf den Vater daheim verzichten musste: „Papa, wir sind stolz auf dich.“