Braunsbach "Das ist meine Oma!"

Aha-Erlebnisse: Die Zuschauer aus Braunsbach entdecken viele Orte auf den Fotos, die früher anders ausgesehen haben. Eine Besucherin erkennt auf einer Fotografie ihre Großmutter. Foto: Elvira Probst-Lipski
Aha-Erlebnisse: Die Zuschauer aus Braunsbach entdecken viele Orte auf den Fotos, die früher anders ausgesehen haben. Eine Besucherin erkennt auf einer Fotografie ihre Großmutter. Foto: Elvira Probst-Lipski
Braunsbach / ELVIRA PROBST-LIPSKI 30.12.2013
Der Rosensteinsaal in der Burgenlandhalle war voll. Erfreut konnte Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch daher feststellen, dass sich Veranstaltungstermine zwischen den Feiertagen bewähren.

"Das ist meine Oma!", ruft eine Zuschauerin. Die alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen rufen im Saal Begeisterung hervor. Viele Menschen und Situationen können wiedererkannt und zugeordnet werden. Auch bauliche Veränderungen über die Jahre sind erkennbar, wie die damalige Kocherbrücke nach Arnsdorf mit ihrer Stahlkonstruktion, die noch unbefestigten Straßen in Braunsbach oder ein gemütlicher Gehweg nach Döttingen.

Die Aufnahmen aus dem Jahr 1900, als die Linde beim Turbinenhaus gepflanzt wurde, hat ihn bisher am meisten beeindruckt: Klaus Wolf aus Braunsbach ist einer von denen, die alle Bilder gesehen haben.

Der Förderkreis Kultur im Rabbinat hat sich die Förderung der lokalen und regionalen Kultur zum Ziel gesetzt und wieder in den Rosensteinsaal eingeladen. Es war nunmehr der dritte Abend, an dem historische Bilder aus der Kochertalgemeinde gezeigt wurden. Klaus Wolf war jedes Mal dabei.

An diesem Abend zeigt der Schreinermeister Albert Burckhardt aus Braunsbach seine Schätze. Per Zufall kam er bei einer Ausstellung am Pfingstmarkt, wo sich Sammler vorstellten, mit Johannes Kolb aus Rückertshausen ins Gespräch. Dieser hatte alte Glasnegative gefunden. Mit der Herausforderung, die alten Fotos sichtbar zu machen, kann man auf dreierlei Weise umgehen. Burckhardt formuliert es humorvoll: Entweder man scanne die alten Bilder ein und zeige sie auf dem Beamer, oder man fange gar nicht erst an und lasse es bleiben. Oder aber, man mache ein Positiv von den alten Negativen, fotografiere das Bild auf Diafilm ab und zeige sie im Diaprojektor. Und eben dieser aufwendigen Prozedur hat sich der Referent gestellt und mit viel Arbeit seit Pfingsten den Vortragsabend zusammengestellt.

Im zweiten Teil des Abends berichtet Burckhardt von der Renovierung des Kirchturms in der evangelischen Kirche. Er hatte als Schreiner den Auftrag dafür. "Selten hat man eine Baustelle in 35 Meter Höhe, das ist ein tolles Gefühl. Vor allem bei Wind hat man schon weiche Knie, aber man gewöhnt sich daran", erzählt Burckhardt, immer noch sichtlich beeindruckt. "Wahrscheinlich werde ich nie mehr dort oben sein, deshalb habe ich einige Fotos gemacht." Faszinierende Einblicke rund um das Braunsbacher Schloss und interessante Perspektiven in die gegenüberliegende Hangbebauung tun sich auf.

Geschichtsträchtig wird es, als Albert Burckhardt von der Kirchturmrenovierung 1833 und den Urkunden berichtet, die bei dieser Gelegenheit in der Turmzier, wie man Wetterfahne, Kugel, Kirchturmspitze mit Kreuz nennt, gefunden hat. 1949 ließ Pfarrer Zantow Reparaturen ausführen, obwohl kein Geld da war. "Das ist Gottvertrauen", meinte der Referent schmunzelnd.

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