Schwäbisch Hall Handwerkertag: „Das ist alles nicht normal“

In der Schmiede pochen und knallen beim Handwerkertag in regelmäßigen Abständen die Hammerschläge.
In der Schmiede pochen und knallen beim Handwerkertag in regelmäßigen Abständen die Hammerschläge. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 14.06.2018
Am Stadtrand liegt ein kleines Paradies: In „Klein Sülz“ ist altes Handwerk vom Schmieden bis zum Buchbinden erlebbar.

Hinter der Wiese des alten Hauses von Hermann und Elke Rieth in Sülz erwacht neues altes Leben. Lauter kleine, zusammen mit Kindern gebaute Backsteinhäuschen sind offen. In ihnen wird beim Handwerkertag am vergangenen Samstag geschmiedet, gedrechselt, mit der Laubsäge gearbeitet und vieles mehr.

Aus den kleinen Kaminen raucht es. Aus der improvisierten Küche vor der Scheune, in der Achim Hoyer mit den Kindern Speckpfannkuchen macht, ziehen Feuerholzschwaden durch den Hof. In der Schmiede pochen und knallen in regelmäßigen Abständen die Hammerschläge. Sigrun Karle heizt im Backhäusle den Ofen an. Leif, Frederik und Mattis haben sich weiße Schürzen umgebunden und Bäckermützen aufgesetzt. Sie kneten Hefeteig und sollen ihn dann in drei Stücke teilen. „Nicht schneiden, Hefeteig wird gerissen. Das sagte immer meine Oma“, mahnt Sigrun Karle. Sie zeigt ihren jungen Bäckergesellen, wie man Teig rund walkt und kleine Brötchen formt.

Im Häuschen nebenan bemalt Mia eine rosa Postkarte mit Blümchen. Die schickt sie ihrer Mama. Die Briefmarke hat sie schon in der Poststation gekauft. Dort sitzt Jakob Kößler. Der 13-Jährige übernimmt schon seit vier Jahren den Job hinter dem Postschalter in der Werkstatt. Gekleidet in eine selbst genähte Postweste und Kappe, verkauft er reguläre Briefmarken und Sondermarken, auf denen „Klein Sülz“ steht.

Seine wichtigste Stunde kommt um 18 Uhr. Dann wird er den gelben, selbst gebauten – wie alles im Handwerkerparadies von Hermann Rieth – Briefkasten leeren. Drinnen stecken an die 30 Postsendungen. Die fährt er noch am Abend selbst mit Hermann Rieth auf dessen Motorrad aus.

Alle Aktivitäten, die sich größtenteils an Kinder richten, sind mit der Währung „Klein Sülzer Pfennige“ zu bezahlen. Das sind selbst geprägte Münzen, die es an der Kuchentheke bei Ulrike Klink zu kaufen gibt.

Beim Salzsieden sitzen Victoria, Miriam und Amélie. Die 17- und 18-Jährigen kommen aus Mannheim, Victoria ist mit Hermann Rieth verwandt. Seit vielen Jahren lassen sie sich das Event nicht entgehen. „Das ist so toll hier. Vor allem im Vergleich zu dem Leben in der Großstadt“, sagt Amélie. „Hier ist alles so schön“, bestätigt Miriam, die mit Mörser und Pistill Kräutersalz zusammenrührt, „selbst die Schüssel hier fasst sich so schön an. Das ist alles nicht normal.“