Schwäbisch Hall Neubürgerempfang: „Das hat was von Wohnzimmer“

Sind in Schwäbisch Hall angekommen: Rafael und Yvonne Förster, die früher in Berlin gelebt haben.
Sind in Schwäbisch Hall angekommen: Rafael und Yvonne Förster, die früher in Berlin gelebt haben. © Foto: Sind in Schwäbisch Hall angekommen: Rafael und Yvonne Förster, die früher in Berlin gelebt haben. Foto: Jochen Korte
Schwäbisch Hall / Jochen Korte 11.02.2019
Die Stadt Schwäbisch Hall macht Werbung in eigener Sache. Musikschüler spielen für die 150 Gäste. Daniel Stihler erzählt anhand von fünf starken Frauen Episoden aus der Geschichte.

Schwäbisch Hall ist ein guter Kompromiss zwischen einer Großstadt und einer Gemeinde. Wir fühlen uns hier richtig wohl.“ Das ist die übereinstimmende Aussage von Julia und Michael Mütsch, die seit dem vergangenen Jahr auf dem Teurershof wohnen. Sie müssen es wissen, denn sie kommen aus Forchtenberg und haben auch einige Jahre in Stuttgart und Karlsruhe gelebt. „Wir wollten wieder Richtung Heimat. Da liegt Schwäbisch Hall genau richtig“, erläutert Michael Mütsch. Er arbeitet bei Gemü in Waldenburg, sie bei der Optima in Hall.

Bereitwillig geben sie am Freitag beim Neubürgerempfang im Zeughaussaal im Neubau Auskunft. „Wir haben uns über die Einladung sehr gefreut. Man fühlt sich willkommen“, sagt das junge Paar. Einzig an die vielen Steigungen müssen sie sich noch gewöhnen. Doch ein E-Bike soll helfen, den Weg von der Stadt zurück zum Teurershof zu bewältigen. In Stuttgart waren sie ohne Auto ausgekommen, jetzt haben sie eines. Wenn die Busse in kürzeren Takten fahren würden, wäre es auch besser. Doch ansonsten sei Hall „eine Supersache“.

Mütschs stehen mit dieser Beurteilung nicht allein da. Alle, die von unserer Zeitung beim Empfang angesprochen werden, zeigen sich mit den Lebensumständen in Hall höchst zufrieden.

„Das hier hat was von Wohnzimmer“, meint Rafael Förster zum fast familiären Empfang. Vor einem Jahr ist er mit seiner Frau Yvonne aus Berlin hergezogen. Dort hat er in der Luftfahrtbranche gearbeitet. Da ist er auch heute noch, und zwar beim Hersteller von Fluggastsitzen, Recaro.

Manche Neubürger haben mit dem Schwäbisch noch Probleme

Ihm ist aufgefallen, dass in Hall viele Ausländer leben, bunt gemischt, aber integriert. „Die Dinge, die die Lebensqualität erhöhen, sind in der Überzahl“, antwortet er auf die Frage nach dem Vergleich zur Hauptstadt. Auch wenn Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie in Hall nicht in einer solchen Vielfalt wie in Berlin vorhanden seien. Was er tatsächlich vermisst, ist das persönliche soziale Umfeld, das neu geschaffen werden muss. Dafür sei die Hilfsbereitschaft hier höher. Und die Wohnungssuche um ein Vielfaches einfacher. „In Berlin kommen zum Besichtigungstermin um die 150 Interessenten, in Hall zwei bis drei Mitbewerber“.

Natalia Stöcker ist aus Russland zu ihrem Mann Lothar nach Sittenhardt gezogen. Deutsch lernt sie an der Volkshochschule. „Alles ist gut, es sind sehr nette Leute“, schildert sie ihre Eindrücke. Mit dem Schwäbischen habe sie noch Probleme.

Mit dem Verlegen des Neubürgerempfangs in den Zeughaussaal, so der Eindruck, ist die Verwaltung den richtigen Weg gegangen. Die Atmosphäre stimmt. Auch dass etwas zu essen und zu trinken angeboten wird, kommt gut an. So gehen die Neubürger nicht gleich nach Hause, sondern suchen das Gespräch. Ansprechpartner stehen genügend zur Verfügung. Die Verwaltung ist zahlreich vertreten, etliche Infotische mit Broschüren und Stellwände sind aufgebaut. Man kann etwas über den Heimbacher Hof, das kulturelle Angebot, die Partnerstädte oder die Freilichtspiele erfahren. Vertreter fast aller Parteien sind ebenso da wie die des Sports, der Kirchen, der Bildungseinrichtungen, der Ortschaften und der Kultur.

In den Begegnungen kann mehr von dem in Erfahrung gebracht werden, was Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim bei seinem Parforceritt nur anreißen kann. Das sind statistische Daten wie Einwohnerentwicklung, die großen Arbeitgeber, Betreuungsplätze für Kinder, Schulen, höhere Bildungseinrichtungen und die Wohnbauentwicklung unter anderem auf dem Bahnhofsareal oder im Sonnenrain. „Bei den Betreuungsplätzen liegt Hall weit über dem Landesdurchschnitt“, so Pelgrim. Und beim Bereitstellen von Wohnraum pro 1000 Einwohner liege Hall bei den Städten bis 50.000 Einwohner auf Platz eins in Baden-Württemberg.

Spannende Geschichtsstunde

Dass Stadtgeschichte spannend erzählt werden kann, beweist Daniel Stihler, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs. Anhand der Lebensgeschichte von fünf starken Frauen, Guta Veldner (14. Jahrhundert), Sibilla Egen (16. Jh.), Maria Barbara Fischer (17. Jh.), Sophia Catharina Susanna Sanwald (18. Jh.) und Rifka Berlinger (20. Jh.) macht er mit teils dramatischen Geschichten deutlich, was Hall und seine Bewohner ausmacht. Was manchmal stört, ist das laute Knacken in der Lautsprecheranlage. Aber durch „die Geister“ lässt sich Stihler nicht aus der Ruhe bringen.

Dass ein Besuch der Musikschule was bringt, beweisen Jessica Kiefer und Philipp Sagowski (Klavier), Stephanie Reinhardt (Querflöte), Melina Kautz (Klavier), Samuel Duc Trung Nguyen (Klavier) und Tamineh Steinmeyer (Querflöte). Sie bekommen großen Applaus – und ein kleines Geschenk vom OB.

Das könnte dich auch interessieren:

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel