Eva-Maria Zipperer will es demnächst vielleicht mit Intervall-Fasten versuchen. Für eine Weile täglich 16 Stunden am Stück nichts essen, das sollte ihrer Meinung nach zu meistern sein. Einen weiteren Tipp von Wellnessberaterin Bettina Kauf beim Vortrag im Bürgersaal des Dorfgemeinschaftshauses finden sie und andere Uttenhofener Landfrauen da schon schwieriger zu befolgen: Man möge den Frühling nutzen, um inneren und äußeren Ballast abzuwerfen.

Das Stichwort führt die Damen gedanklich schnurstracks in ihre Kleiderschränke. „Da arbeitet man sich stundenlang durch und nimmt jedes Stück in die Hand, um am Ende vier Sächle zu haben, die man tatsächlich wegtut“, spricht Eva-Maria Zipperer vermutlich für alle Frauen, die hier gerade mitlesen. „Man kann ausrangierte Klamotten aber noch zum Schaffen im Garten anziehen“, unterstreicht Helga Kiederer die Aussichtslosigkeit der Lage. Gartenarbeit wiederum ist für die beiden und ihre Freundinnen das beste Wellnessprogramm. Wenn sich die Landfrauen im Frühling beim Umgraben und Anpflanzen austoben können, haben sie auch gleich die Bewegung in der frischen Luft, die Bettina Kauf fürs Wohlergehen empfiehlt. Überhaupt sei die Jahreszeit ideal, um die Achtsamkeit auf den eigenen Körper zu schärfen.

Weckle und Wein

Entgiftung heiße das Zauberwort aus der Therapie für Drogensüchtige, das mittlerweile in der anglisierten Version „Detox“ im allgemeinen Trend liege. Das Fasten sei eine der Methoden zur Körperentschlackung, wie etwa die altbekannte Schrothkur, in deren Verlauf man hauptsächlich trockene Weckle zu sich nehme – „und Wein!“, wie Expertinnen im Raum sofort wissen. Womit sie durchaus auf dem richtigen Weg sind, weil zur Selbstkasteiung, so betont Kauf, solle die „Zeit der Erneuerung“ keinesfalls geraten: „Nehmen Sie sich öfter eine Auszeit, in der Sie wirklich gar nichts machen, kein Radio hören, kein Fernsehen gucken, und einfach nur so dasitzen.“ Einfach nur dasitzen, das begehrte schon der geplagte Gatte einer umtriebigen Hausfrau in Loriots berühmtem Cartoon vergeblich, und so verwundert der geraunte Kommentar „Das hält doch keiner aus“ einer Uttenhofenerin niemanden.

Als einen der Hauptfeinde der Gesundheit prangert Bettina Kauf die Übersäuerung des Körpers an. Diese entstehe durch zu wenig oder zu viel Bewegung, durch Rauchen, Umweltgifte, aber auch durch negative Gedanken und Mangel an Liebe. Gegenmittel nennt sie zahlreiche. Der regelmäßige Saunagang könne das Säure-Basen-Gleichgewicht ebenso wieder herstellen wie Bürstenmassagen der Haut oder ein zwei- bis dreistündiges Basebad in der heimischen Wanne. Letzteres, so lassen die Reaktionen der Zuhörerinnen erahnen, gleicht jedoch allzu sehr der unlösbaren Aufgabe, einfach nur dazusitzen.

Rosenöl öffnet das Herz

Aromatherapien mit ätherischen Ölen sind das Lieblingsthema der Referentin, die in Westheim lebt und in Hall eine Wellness-Praxis betreibt. Im Raum verdampft, auf die Haut getupft oder gar mit Lebensmitteln vermischt, vertreiben Wohlgerüche aus Früchten, Blüten und Kräutern ihrer Überzeugung nach so gut wie jedes Ungemach, von der Cellulitis über Konzentrationsschwäche bis hin zur schlechten Laune. Rosenöl soll unter anderem gegen den erwähnten Liebesmangel wirken, da sein Geruch das Herz öffne. Und den Geldbeutel gleich dazu, da das kostbare Naturprodukt exorbitant teuer ist. Bärbel Rumi-Ilg bevorzugt ohnehin das zarte Bukett getrockneter Rosenblätter, die sie reichlich in ihrem Gärtle erntet, wie sie der Reporterin verrät. Statt mit Lavendelöl beduftet sie das Schlafzimmer lieber mit beruhigenden Hopfenblüten vom regionalen Bierbrauer ihres Vertrauens.

Die Stimmung im Bürgersaal ist an diesem Abend auf jeden Fall prächtig. Möglicherweise liegt das sogar am, laut Kauf, erheiternden Odeur des Orangenöls, an dem die fröhlichen Landfrauen ausgiebig schnuppern dürfen.