Künstlerleben Mozarteums-Studentin singt in Michelbach

Die junge Sängerin Paula Sophie Bohnet.
Die junge Sängerin Paula Sophie Bohnet. © Foto: privat
Michelbach / Monika Everling 03.07.2018
Paula Sophie Bohnet hat ihr Abitur am Schulzentrum Michelbach gemacht. Inzwischen studiert sie Gesang am Mozarteum Salzburg. Am Donnerstag gibt sie in Michelbach einen Liederabend.

Paula Bohnet strahlt, wenn sie sich an ihre Schulzeit und ihr Internatsleben in Michelbach erinnert: „Das war cool. Wir haben viel Mist gebaut, wir haben unsere Grenzen schon sehr gesucht“, meint sie. Das macht neugierig, aber sie hat nur kleine Sünden zu gestehen: „Naja, wir hatten ja feste Zeiten für Hausaufgaben und fürs Zubettgehen, das haben wir halt zu umgehen versucht.“

Als Paula Bohnet zur achten Klasse von der Realschule in Esslingen ans Aufbaugymnasium Michelbach gewechselt ist, war ihr großer Bruder Heiner schon dort, und der hat immer von seiner Schule geschwärmt. „Ich wusste schon mit zwölf, dass ich singen wollte“, berichtet Bohnet. Da passte es sehr gut, dass das Schulzentrum Michelbach einen Musikschwerpunkt hat. Bohnet hatte mit vier Jahren mit Ballettunterricht angefangen, mit sieben Jahren eröffnete sie von sich aus den Eltern, dass sie Geige spielen wollte, und mit zwölf startete sie mit Gesangsunterricht. In Michelbach kam dann das Klavier noch dazu – ihr damaliger Lehrer Ralf Schneider wird beim Konzert übermorgen im Schloss ihr Klavierbegleiter sein.

Tolle Übemöglichkeiten

Drei Jahre lang lebte Paula Bohnet im Internat, dann zogen die Eltern nach Michelbach und Bohnet besuchte die Schule bis zum Abitur im Jahr 2010 als Externe. Sie trat schon als Schülerin zum Beispiel im Singspiel „Das Feuerwerk“ auf. „Es war toll, in Michelbach diesen Musikzweig zu haben, und Räume, wo man immer üben kann.“

Doch nach dem Abitur kam etwas, das sie heute als „meine erste Krise“ bezeichnet: Sie fragte sich, ob sie wirklich den Gesang zum Beruf machen will. Vieles sprach dagegen: „Die nötige Disziplin schränkt einen schon sehr ein. Es gibt keine geregelten Arbeitszeiten, man arbeitet immer dann, wenn die anderen frei haben. Im Studium herrscht großer Druck und im ganzen Berufsleben ein ständiger Konkurrenzkampf.“

Deshalb ging die junge Frau erst einmal als Au-pair nach Australien. Danach machte sie an mehreren Orten die Aufnahmeprüfungen zum Gesangsstudium, bekam aber zunächst keinen Studienplatz. Deshalb schwenkte sie komplett um und studierte in Idstein Osteopathie. Zwei Jahre lang hielt sie das durch, „in dieser Zeit habe ich fast gar nicht gesungen“, aber die Musik fehlte ihr.

Sie suchte sich Unterstützung für die Vorbereitung zu erneuten Aufnahmeprüfungen, und diesmal sollte es klappen. Ab 2013 studierte sie an der Musikhochschule in Frankfurt. Und wie war das dann mit dem Konkurrenzdenken? „Unser Lehrer hat das nicht vorgelebt. Er sagt, Freude am Gesang zu haben, bringt euch viel weiter, als sich mit anderen zu messen.“ In Salzburg ist der Fachbereich Gesang viel größer, und damit auch das Konkurrenzdenken. „Aber ich lasse das nicht an mich rankommen“, ist Bohnet überzeugt. Ihr helfen Meditation und Qigong, mit dem Stress zurechtzukommen. Bohnets Berufsziel liegt an der Oper. Trotzdem hat sie als Schwerpunkt im Studium das Lied gewählt. „Das Bachelor-Studium in Frankfurt ist stark an der Oper orientiert. Deshalb habe ich da schon gute Grundlagen. Und im Lied-Fach wird genauer gearbeitet, mehr Wert auf Feinheiten in der Stimme gelegt.“

Singen braucht Kondition

So ist auch ihr Stundenplan: Sie übt pro Tag etwa zwei bis vier Stunden, dazu kommen dreimal pro Woche Unterricht in Gesangstechnik, zudem eine Doppelstunde Liedinterpretation und eine Doppelstunde Repertoirearbeit mit einem Korrepetitor (Klavierbegleiter). Zudem 30 bis 50 öffentliche Auftritte in Opernprojekten und Konzerten.

Das ist ein strammes Programm, aber „es muss ja auch eine Kondition geschaffen werden, dass die Muskeln mitmachen“, sagt Bohnet. Sie beschreibt ihre Stimme als lyrischen Sopran, aber sie tendiere eher ins dramatische Fach. „Dramatische Stimmen brauchen ja etwas länger, sich zu entwickeln. Bei mir kristallisiert sich jetzt langsam heraus, dass da sehr viel Peng dahinter ist.“ Wenn sich das bewahrheitet, kommt es ihrer Liebe zur Musik Wagners entgegen.

Als Sänger muss man sich selbst vermarkten. Bohnet hat eine Homepage, mit dem Ensemble „Sehnsucht :: Lied“ schreibt sie Veranstalter direkt an. „Man muss ein Netzwerk aufbauen. Und Wettbewerbe sind ein großes Sprungbrett.“ Deshalb hat sie sich jetzt gemeinsam mit einem Pianisten für den Hugo-Wolff-Wettbewerb beworben. Dazu musste ein Video eingereicht werden. In etwa zwei Wochen erwartet sie die Nachricht, ob sie teilnehmen darf.

Und im Herbst stehen Bewerbungen bei Opernhäusern an. Und für das nächste Jahr hat sie noch etwas ganz anderes vor: „Mein Verlobter und ich wollen heiraten. Ich möchte auf jeden Fall Familie haben. Für mich wäre es auch okay, dafür als Sängerin zurückzustecken.“

Info Der Liederabend in der Reihe „Michelbacher Schlossforum“ beginnt am Donnerstag, 5. Juli, um 19 Uhr. Unter dem Titel „Did I sing too loud?“ singt Paula Bohnet unter anderem Aaron Cop­lands Zyklus „Twelve Poems of Emily Dickinson“. Sie wird am Klavier begleitet von Ralf Schneider. Der Eintritt ist frei.

Eine Wagner-Freundin am Mozarteum

Paula Sophie Bohnet wurde in Göppingen geboren und besuchte in Esslingen die Realschule. Im Alter von 14 Jahren wechselte sie als Internatsschülerin ins Aufbaugymnasium Michelbach. 2010 legte sie dort ihr Abitur ab. Für acht Monate ging sie als Au-pair nach Australien und studierte anschließend zwei Jahre lang in Idstein Osteopathie. Seit 2013 studiert sie Gesang, bis zum Bachelor-Abschluss an der Musikhochschule Frankfurt/Main, seit einem Jahr im Master-Studium Lied und Oratorium am Mozarteum Salzburg. Wichtige Impulse erhielt sie durch Meisterkurse bei Helmut Deutsch, Axel Bauni und Kai Wessel. Sie tritt in Oratorienkonzerten und Liederabenden auf, wirkte bei Opernproduktionen mit. Gemeinsam mit ihrem Verlobten Philipp Gorjan Kranjc (Bass) und dem Pianisten Hedayet Jonas Djeddikar tritt sie im Trio „Sehnsucht :: Lied“ auf. 2015–2017 war sie Stipendiatin der Giovanni-Omodeo-Stiftung. Sie ist Gewinnerin des Wettbewerbes „Stimmenzauber“ in Herxheim 2016 und Finalistin weiterer Wettbewerbe.

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