Schwäbisch Hall Diak: Kommt das Geld für den Neubau aus dem Landkreis?

Die Chefs der Diakonie Neuendettelsau und des Diakoniewerks Schwäbisch Hall wollen ein Unternehmen werden. Das Foto zeigt die St. Laurentiuskirche in Neuendettelsau und das Mutterhaus der Diakonie Neuendettelsau (u-förmiges Gebäude am oberen Bildrand).
Die Chefs der Diakonie Neuendettelsau und des Diakoniewerks Schwäbisch Hall wollen ein Unternehmen werden. Das Foto zeigt die St. Laurentiuskirche in Neuendettelsau und das Mutterhaus der Diakonie Neuendettelsau (u-förmiges Gebäude am oberen Bildrand). © Foto: Diakonie/Nürnberg Luftbild
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 24.01.2019
Das Diak will 30,8 Millionen Euro für den Neubau vom Landkreis. Landrat Gerhard Bauer schlägt eine gemeinsame Krankenhausbetriebsgesellschaft vor. Dann könnte auch das Geld fließen.

Die Chefs der Diakonie Neuendettelsau und des Diakoniewerks Schwäbisch Hall machen sich für eine große Fusion der beiden Häuser stark, wollen ein neues Unternehmen schaffen. Landrat Gerhard Bauer favorisiert eine Krankenhausbetriebsgesellschaft, „die zu gleichen Teilen vom Evangelischen Diakoniewerk und dem Landkreis getragen wird“. Dann könne es auch sein, dass der Zuschuss über 30,8 Millionen Euro für den Diakneubau vom Kreis ans Diakonie-Klinikum fließe.

Der Landrat betont, dass er mit dieser Gesellschaft nicht an den „diakoniscen Grundsätzen rütteln“ werde und macht deutlich: „Für mich kommt aber keine Minderheitsbeteiligung in Frage, bei der am Schluss der Mehrheitsgesellschafter allein bestimmt.“ Die Höhe der Beteiligung sieht Diakchef Michael Kilb anders und sagt: „Der kirchlich-diakonische Zugriff muss sichergestellt sein. Eine Beteiligung zwischen 25 bis 33 Prozent ist denkbar.“ Eine höhere Beteiligung des Landkreises sei nicht satzungskonform und entspreche nicht der Haltung des Oberkirchenrats.

Diakonische Fahne hochhalten

Die Mitarbeitervertretung des Diakonie-Klinikums sieht es ähnlich wie der Chef. Hans-Ulrich Gruber und Jörg Härdtle finden es wichtig, dass „Mitarbeitende weiterhin im Wertesystem diakonischer Grundsätze arbeiten können.“ Dabei gehe es auch in Arbeitsvertragsrichtlinien für Einrichtungen, die wie das Diak der Diakonie Württemberg angehören, beispielsweise um Gehalt, um die Absicherung der Zusatzversorgungskasse. Die diakonische Fahne soll auch weiter hochgehalten werden.

Wie sieht der Oberkirchenrat die Beteiligung eines öffentlichen Trägers? „Der bestimmende Einfluss der Kirche ist erforderlich. Auch die gesellschaftsrechtlichen Strukturen der Gesellschaft dürfen diesen bestimmenden Einfluss nicht verhindern“, antwortet Oliver Hoesch, der Sprecher der Evangelischen Landeskirche Württemberg. Dies sei nicht der Fall, „wenn eine säkulare, der Kirche nicht zugeordnete Gesellschaft, die nicht Mitglied im Diakonischen Werk ist, bestimmenden Einfluss auf die Krankenhausbetriebsgesellschaft hat.“

Landesbischof Frank Otfried July hat eine besondere Beziehung zum Diak. Er war von 1996 bis 2005 leitender Pfarrer und Direktor des Evangelischen Diakoniewerks Schwäbisch Hall. Er betont, dass diakonische Tradition und Identität an diesem Standort besonders zum Ausdruck kommen soll und wünscht „allen Gesprächsbeteiligten und Entscheidern in den Gesprächen den richtigen Geist, um zuvorderst die evangelisch-diakonische Identität und dann auch die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit zu sichern. Beide Pole sind unerlässlich.“

Haller OB Hermann-Josef Pelgrim schlägt Kompromiss vor

Oberbürgermeister Hermann-­Josef Pelgrim sieht die Kooperation mit dem Landkreis als nächstliegende Variante, „sofern das Diak einen Partner braucht, um die Finanzierung des zweiten Bauabschnitts zu stemmen“. Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung sei Aufgabe des Kreises. Landkreis und Diak seien natürliche Partner, weil das Diak auch Grund- und Regelversorgung leiste. Der OB stellt sich eine gemeinsame Betriebsgesellschaft des Diaks und des Landkreises „als Steuerungsholding vor, die sich vertraglich zur Zusammenarbeit bei der zukünftigen Ausrichtung sowie zur Umsetzung eines abgestimmten medizinischen Konzeptes verpflichtet“. Dieses Modell trage gleichzeitig den Wünschen des Landkreises nach einer Beteiligung auf Augenhöhe und des Diakoniewerks nach einem Erhalt der diakonischen Mehrheitsbeteiligung am Diakonie-Klinikum Rechnung.

Wie geht es weiter?

Die Aufsichtsgremien der Diakoniewerke Hall und Neuendettelsau setzen sich mit dem Konzept zur großen Fusion auseinander. Neben den Aufsichtsräten gibt es in Hall die Mitgliederversammlung, die dazu abstimmen wird. Bis Anfang März soll die Entscheidung fallen. Parallel dazu läuft die Diskussion auf Kreisebene weiter. Diakchef Michael Kilb will das Thema gemeinsame Krankenhausbetriebsgesellschaft von Diakoniewerk und Landkreis direkt mit Landrat Gerhard Bauer absprechen. Dafür ist ein Termin am 30. Januar vorgesehen. Kreisräte warten noch auf angeforderte Unterlagen vom Diak, haben Informationsbedarf zum Konzept zwischen Neuendettelsau und Hall. Der Kreistag wird voraussichtlich am 25. März bei einer nicht öffentlichen Sondersitzung diskutieren. Dazu kommen nicht nur Diak-­Verantwortliche, sondern auch Vertreter der Diakonie Neuendettelsau sind eingeladen. Zwei Tage später ist eine öffentliche Sitzung des Kreistags geplant, wo laut Landrat frühestens eine Entscheidung getroffen werden könne.

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Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung

Das Diak gibt Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung für das Jahr 2017 bekannt. Der Konzernumsatz mit den Geschäftsbereichen Altenhilfe, Diakonie-Klinikum und ambulante Dienste wird für das Jahr 2017 mit 163,9 Millionen Euro angegeben. 2016 waren es 160,7 und 2015 lag die Zahl bei 155,7 Millionen Euro. Im August 2018 waren insgesamt 2371 Mitarbeiter beim Diak beschäftigt, davon 1503 im Diakonie-Klinikum. Zum Vergleich: Im Oktober 2015 waren es insgesamt 2399, davon 1436 im Diakonie-Klinikum.

Fürs Diakonie-Klinikum betrug der Umsatz im Jahr 2017 rund 130 Millionen Euro. 2016 waren es 127 und 2015 rund 121 Millionen Euro. Das Jahresergebnis im Diakonie-Klinikum vor Zins und Abschreibungen lag 2017 bei 3,4 Millionen Euro. 2016 sind es 4,2 und 2015 rund 5,6 Millionen Euro gewesen. 2017 betrug der Jahresüberschuss 584 000 Euro. Im Jahr 2016 waren es 902 000 Euro und 2015 rund 1,6 Millionen Euro.

Wie sieht die wirtschaftliche Entwicklung beim Kreisklinikum Crailsheim unter der öffentlichen Trägerschaft des Landkreises aus? Die Zahlen des Grund- und Regelversorgers sind rot, bislang steigt das Defizit. Fürs Jahr 2017 steht fürs Kreisklinikum unterm Strich ein betriebliches Defizit von rund 3,1 Millionen Euro. Der Plan sieht für 2018 ein Defizit von 4,4 Millionen Euro, in 2019 eines in Höhe von 4,6 Millionen Euro vor. Dazu kommen Kosten für den Neubau des Krankenhauses, wodurch sich das Defizit auf über sechs Millionen Euro pro Jahr erhöht. cus

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