Motorsport "Autofahren ist das Coolste" Ex-Motorsportchef Norbert Haug zu Besuch in Hall

Schwäbisch Hall / JÜRGEN STEGMAIER 07.05.2015
Über seinen Weg aus dem Dorf an die Weltspitze und zurück - darüber mag Haug nicht sprechen. Er legt großen Wert darauf, seine Erfolge als Motorsportchef von Mercedes zu betonen. Diese sind erheblich.

Die Akademie Deutscher Weltmarktführer (ADWM) von Walter und Karin Döring hat Norbert Haug nach Schwäbisch Hall eingeladen. Am Dienstag wird Haug von Walter Döring im Haller Mercedes-Autohaus Widmann interviewt. "Eine Marke wie Mercedes kann nicht in der zweiten Liga spielen", sagt Haug über sein Verständnis, das dazu geführt hat, dass Mercedes 1994 in die Formel 1 zurückgekehrt ist. Diese Rückkehr durchzusetzen, sei nicht einfach gewesen, erzählt Haug vor rund 200 Zuhörern. Er habe mehrere Anläufe nehmen müssen. "Ein Fehlversuch darf nicht dazu führen, dass man den Kopf in den Sand steckt", so Haug. Vielmehr müsse man den richtigen Weg finden und an diesem festhalten.

Wenn Norbert Haug über seine Zeit bei Mercedes spricht, verwendet er noch immer die Bezeichnung "Wir". Jahreszahlen, Ereignisse und Namen aus dem Motorsport ruft er aus dem Gedächtnis ab, ohne eine Sekunde nachdenken zu müssen. Auffallend oft verwendet er die Bezeichnung "kleines Geld" wenn er über unterschiedliche Budgets spricht, mit denen sich sein damaliger Arbeitgeber im Motorsport engagierte. Die Rede ist aber stets von vielen Millionen Euro.

"Autofahren ist für mich auch heute noch das Coolste", verrät Haug über sich selbst, aber er heize "nicht mehr wie eine gesenkte Sau über die Landstraßen". Der Wertewandel bei jungen Leuten gebe ihm zu denken. Für ihn sei es als Jugendlicher undenkbar gewesen, keinen Führerschein zu machen.

Die Elektromobilität sei nicht aufzuhalten, vermutet Haug. Einen Boom werde es aber erst dann geben, wenn es gelingt, Batterien zu entwickeln, die hohe Reichweiten ermöglichen.

Gastgeber an diesem Abend ist Bernd Widmann. Der Mit-Geschäftsführer des gleichnamigen Mercedes Autohauses weiß, dass sich Erfolge im Motorsport nicht unmittelbar in Verkaufszahlen oder technischen Fortschritten im Alltag auswirken. "Siege wirken eher nach innen", erzählt er. Nach einem Mercedes-Erfolg in der Formel 1 am Sonntag könne es schon sein, dass die Monteure in der Werkstatt montags voller Stolz die Mercedes-Fahne raushängen. "Für Menschen ist die Identifikation wichtig", so Bernd Widmann.

Formel 1-Titel unter der Leitung von Norbert Haug

Person Norbert Haug ist 62 Jahre alt. Von 1990 bis 2012 war er Motorsportchef bei Mercedes. Unter der Leitung des gelernten Journalisten (Pforzheimer Zeitung; Auto Motor und Sport) stieg Mercedes in Kooperation mit McLaren wieder in die Formel 1 ein. Das Team feierte drei FahrerWeltmeistertitel: 1998 und 1999 mit Mika Häkkinen sowie 2008 mit Lewis Hamilton. Mercedes und Haug lösten ihren Vertrag 2012 in beiderseitigem Einvernehmen. Beobachter gehen davon aus, dass Haug gehen musste, weil das Mercedes-Team, das sich 2010 auf eigene Beine gestellt hatte, der Konkurrenz hinterherfuhr.

Experte Haug berät derzeit das Unternehmen Paravan, Spezialanbieter für behindertengerechte Fahrzeugumbauten. Außerdem ist er Experte für die ARD bei der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM).

SWP