Geburtstag „Auf Weltreise gehen“

„Da fällt mir zuerst der Abischerz ein. Wir haben die Ente eines Lehrers in den Haupteingang der Schule gestellt“, antwortet Gerhard Bauer auf die Frage nach einer Jugendsünde.
„Da fällt mir zuerst der Abischerz ein. Wir haben die Ente eines Lehrers in den Haupteingang der Schule gestellt“, antwortet Gerhard Bauer auf die Frage nach einer Jugendsünde. © Foto: Ufuk Arslan
Landkreis / Marcus Haas 09.06.2018

Am Sonntagabend gibt es für geladene Gäste einen Stehempfang im Landratsamt. Zuvor feiert Gerhard Bauer im kleinen Kreis bei Kaffee und Kuchen in seinem Haus in Hessental. Im Interview blickt er auf fast zwei Amtsperioden zurück und gibt persönliche Einblicke.

Sie werden morgen 60: Wie geht es Ihnen damit?

Die Zahl 60 sagt nichts für mich aus. Ich fühle mich wohl und bin gesund.

Sie sind seit 2004 im Amt: Was würden Sie im Rückblick als Landrat anders machen?

Nichts.

Im Oktober 2019 wählt der Kreistag einen neuen Landrat: Wird es der alte sein?

Davor wird am 26. Mai der Kreistag neu gewählt. Den Kreisräten werde ich zuerst mitteilen, wie ich mich entscheide.

Sie wollten nicht Jurist, sondern Meeresbiologe werden – wie kam’s?

Meeresforscher und Tiefseetaucher Jacques-Yves Cousteau war so etwas wie ein Vorbild für mich, aber der Numerus clausus lag bei einem Notendurchschnitt von 1,0. So gut war mein Abi nicht.

Was fasziniert Sie am Beruf Landrat?

Es ist der schönste und vielfältigste, den ich mir vorstellen kann. Ich bin Chef eines Dienstleistungsunternehmens, Vorsitzender eines Parlaments – des Kreistags, das ich auch nach außen vertrete und repräsentiere. So gesehen bin ich Bundeskanzler, Bundestagspräsident und Bundespräsident in Personalunion. Ich kann sehr viel zum Wohle der Bürger bewirken. Das macht es aus.

Geht auch eine Pressemitteilung raus, die Sie als Landrat vorher nicht gelesen haben?

Ganz einfache Auskünfte schon, aber sonst muss der Landrat immer vorher Kenntnis haben.

Was empfanden Sie in Ihrer Amtszeit als besonders belastend? Worüber haben Sie sich sehr gefreut?

Mein schwerster Moment war am Montagabend, 30. Mai 2016, als ich nach der Katastrophe in Braunsbach war. Sehr erfreulich ist der Neubau des Kreisklinikums in Crailsheim.

Wie entspannen Sie am besten?

Beim Sport, Lesen oder in netter Gesellschaft.

Sie waren früher aktiver Fußballer: Wo, welche Position und in welcher Klasse haben Sie gespielt?

Das ging in Heidenheim bis hoch in die Oberliga. Meine Lieblingsposition war Libero.

Hatten Sie Ambitionen in Richtung Profifußball?

Ja, aber ich war 22 als mein Schienbein gebrochen wurde. Das bedeutete eine lange Pause.

Haben Sie einen Lieblingsverein?

Borussia Dortmund – seit der Kindheit. Ich erinnere mich heute noch gerne an das Europapokalfinale gegen Liverpool im Jahr 1966 in Glasgow zurück, mit Libudas Siegtreffer in der Verlängerung fast von der Mittellinie aus.

Wie halten Sie sich fit?

Mit Schwimmen, Fahrradfahren und Rudern. Ich schwimme regelmäßig daheim im Pool.

Womit kann man Ihnen eine Freude machen, wie auf die Palme bringen?

Ich liebe Schokolade, Kuchen, Eis und gut gemachtes Essen jeder Art. Auf die Palme bringen mich unsachliche Argumente und Intoleranz – sobald Streit die sachliche Ebene verlässt und persönlich wird.

Bei fast jeder Gelegenheit verweisen Sie darauf, dass Schwäbisch Hall der schönste Landkreis Deutschlands ist: Verbringen Sie hier auch Ihren Urlaub?

Ich habe es versucht, aber das geht nicht. Ich muss räumlich weg, um abschalten zu können. Aber ich werde es  wieder versuchen, wenn ich im Ruhestand bin.

Wo verbringen Sie Ihren Sommerurlaub?

Griechenland oder Türkei. Ich genieße Sonne, Strand, Meer und gutes Essen, werde viel Schwimmen und vielleicht etwas Segeln.

Wieviel Zeit verbringen Sie mit Ihren beiden Söhnen?

Die sind alle zwei Wochen bei mir.

Was ist Ihre liebste gemeinsame Aktivität?

Wir genießen den Pool daheim, wenn es so schön warm ist oder unternehmen Städtereisen.

Was möchten Sie Ihren Söhnen auf jeden Fall mitgeben?

Ich möchte die Werte der Gesellschaft, wie Zuverlässigkeit und Toleranz, vorleben.

Auf welche Jugendsünde sind Sie stolz?

Da fällt mir zuerst der Abischerz ein. Wir haben die Ente eines Lehrers in den Haupteingang der Schule gestellt.

Wenn Sie aus dem Vollen schöpfen könnten, was würden Sie mit dem Geld zuerst für den Landkreis machen?

Super wäre, wenn der Landkreis auf einen Schlag die Schulden von rund 76 Millionen Euro weg hätte, das würde ganz anderen Gestaltungsspielraum eröffnen.

Und privat? Was für Träume haben Sie, die Sie gerne verwirklichen möchten?

Ein Jahr raus und auf Weltreise gehen, andere Kulturen und Menschen kennenlernen. Das wär’s.

Wo möchten Sie den Ruhestand mal verbringen?

Hier, ich wohne doch im schönsten Landkreis.

Seit 2004 Landrat

Gerhard Bauer ist am 10. Juni 1958 in Heidenheim/Brenz geboren und aufgewachsen. Er hat zwei Söhne im Alter von 14 und 16 Jahren und wohnt in Schwäbisch Hall-Hessental. Bauer hat das Abitur am Hellenstein-Gymnasium in Heidenheim gemacht, in Tübingen das Studium der Rechtswissenschaften erfolgreich abgeschlossen und als Rechtsanwalt in Stuttgart gearbeitet. Er war von 1993 bis 2003 Dozent an der Fachhochschule Ludwigsburg in den Fachbereichen Allgemeines Verwaltungsrecht, Jugendhilfe- und Sozialhilferecht. Seine erste Station an einem Landratsamt hatte er als Sozialdezernent von 1991 bis 1994 im Rems-Murr-Kreis. Er war neun Monate Referent für Planfeststellungsverfahren am Regierungspräsidium Stuttgart, bevor er 1995 als Erster Landesbeamter und Stellvertreter des Landrats ans Landratsamt Schwäbisch Hall kam. Seit 2004 ist er Landrat. Gerhard Bauer war früher aktiver Fußballer. Heute fährt er in seiner Freizeit Fahrrad. Er schwimmt zudem und liest gerne. cus

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