Business-Talk Sven Hannawald: „Auf die innere Stimme hören“

Wolpertshausen / Jochen Korte 18.05.2017
Empfang der Wirtschaft: Skisprunglegende Sven Hannawald berichtet über Höhenflüge, den psychischen Absturz und die Rückkehr ins Leben.

Let me entertain you“ und „Simply the best“, zwei der Lieder, die „Darcy’s Fault“ beim Empfang der Wirtschaft auf eindrucksvolle Weise interpretieren, geben die Richtung vor. Es geht am Dienstagabend in der Mehrzweckhalle in Wolpertshausen um außergewöhnliche Leistungen. Die vollbringen zum einen die Medienpreisträger, die die drei Tageszeitungen bei diesem Anlass ehren. Dass Skisprunglegende Sven Hannawald 2001/2002 Höchstleistungen beim Sieg in der Vierschanzentournee und bei der Olympiade vollbracht hat, steht ebenfalls fest. Doch der Stargast hat auch den psychischen Absturz erlebt – und sich davon wieder erholt. Auch das kommt bei dem spannenden Abend vor den 600 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Gesundheitswesen, Kirche sowie dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben zur Sprache.

„Never ever würde ich von so einer Schanze springen“, sagt Landrat Gerhard Bauer in der Begrüßung und outet sich als „leidenschaftlicher Skifahrer“. Schnell schlägt er den Bogen zur Wirtschaft. Wie beim Skispringen komme es auf Wagemut, die richtige Einschätzung der Lage, die Absicherung des Risikos und auf vorausschauendes Handeln an. „Unsere Weltmarktführer hätten auch ein jubelndes Massenpublikum verdient“, so der Landrat. Ebenso wie die Skispringer.

An die große Politik appelliert der Landrat, wie vom neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron gefordert, mehr in die Infrastruktur zu investieren. Konkret nennt er den Ausbau der A 6, der Murrbahn und der Landesstraßen.

Medienpreise vergeben

Den Empfang der Wirtschaft nutzen die drei Kreiszeitungen, verdiente Menschen mit dem Medienpreis auszuzeichnen. Jochen Höneß, Redaktionsleiter der Rundschau Gaildorf, bittet nach seiner Laudatio Moto-Cross-Organisator Ralf Schweda auf die Bühne. Darin hatte Höneß auch hervorgehoben, dass der MSC Gaildorf vom ADAC zum fünften Mal in Folge als bester Veranstalter der Rennserie MX-Masters ausgezeichnet wurde und mit Ken Roczen 2011 den MX-2-Weltmeister gestellt hat. „Was gibt es Schöneres, als Preise zu bekommen?“, fragt Schweda rhetorisch. Das Wichtigste sei für den MSC Gaildorf, dass die Sponsoren dem Verein für die Ausrichtung der Rennen die Treue halten. Davon saßen ja genug im Publikum.

Besonders langen Applaus erntet Frank Harsch, der Braunsbacher Bürgermeister. Marcus Haas, der Chefredakteur des Haller Tagblatts, nennt ihn „einen Krisenmanager, der über sich hinauswächst“. Schließlich ist Harsch seit der Nacht vom 29. auf den 30. Mai vergangenen Jahres ununterbrochen im Einsatz, damit die Gemeinde die Folgen der unbeschreiblichen Flutkatastrophe bewältigt. Der Schaden wird auf 100 Millionen Euro geschätzt. „Ich nehme den Preis stellvertretend für die Bürger, die ehrenamtlichen Helfer, Baufirmen und die Politik, die uns unterstützt, entgegen“, sagt Harsch. „Wir haben gekämpft und das zeichnet die Region aus“, ergänzt er. „Ich strotze vor Optimismus. So sehe ich hoffentlich auch aus.“ Wenn er angesprochen werde, ob er abgenommen habe, antwortet der Schultes verschmitzt: „Der Löwen hat erst seit einer Woche wieder auf.“

Das Hohenloher Tagblatt kürt die Schrozberger Unternehmerin Carmen Kroll zur Medienpreisträgerin. Sie führt ein Familienunternehmen mit 150 Mitarbeitern, das hochwertige Textilien für Beruf und Freizeit fertigt. „Sie ist dem fast schon altmodischen Anspruch der ehrbaren Kauffrau verpflichtet“, sagt Redaktionsleiter Andreas Harthan und stellt die Besonderheit der Firma Hakro heraus. Dort werde auf Nachhaltigkeit und das Einhalten von ethischen Normen sowie auf die persönliche Kontrolle der Produktionsstätten, die auch in Bangladesch liegen, gesetzt. „Die Herkulesaufgabe ist nur im Team zu bewältigen“, bedankt sich Carmen Kroll bei ihrer Familie und freut sich, dass sie „den Preis ins beschauliche Schrozberg mitnehmen kann“.

„Die Müdigkeit ging nicht weg“

Höhepunkt des Abends ist der Business-Talk zwischen Sven Hannawald und seinem Geschäftspartner Sven Ehricht. Beide sind heute in der Unternehmensberatung tätig. Nach einem ausführlichen Rückblick auf Hannawalds Anfänge als Skispringer, das Hochgefühl beim Fliegen und die ungezählten Erfolge wird auch der psychische Absturz nicht ausgespart. Die Anzeichen des schleichenden Prozesses, so wird deutlich, hat Hannawald, der sich als „ehrgeizig und perfektionistisch“ beschreibt, lange ignoriert. „Ich konnte nicht abschalten, die Müdigkeit ging nicht weg“, erklärt der Sportler. „Die innere Unruhe macht einen kirre, du wirst nicht Herr der Lage“, schildert er seine Erfahrungen. Hilfe hat Hannawald bei einem Arzt der Psychosomatik und während einer Reha gefunden. Sein Rat: „Auf die innere Stimme hören, aktive Erholung, abschalten.“ Ein Grundbaustein für ihn ist seine Familie. Langer Applaus belohnt die offene Schilderung.