Der Film ist aus. Kurz herrscht angespanntes Schweigen, dann donnert heftiger Applaus durch die Kirchberger Klappe. An sich nichts Ungewöhnliches. Doch dann: Eine Nebentür geht auf, und ein Fahrradfahrer schiebt sein dick bepacktes Rad in den Kinosaal. Anselm Nathanael Pahnke ist sozusagen direkt von der Leinwand in die Realität übergewechselt, aus dem Film „Anderswo. Allein in Afrika“ aus dem Jahr 2014 ins Hier und Jetzt in Kirchberg. In der Fragerunde erzählt der Rad-Weltreisende viele Details.

Wie sind Sie überhaupt zu Ihrer Rolle als Regisseur und Filmautor gekommen?

Anselm Nathanael Pahnke: Eigentlich wollte ich nicht, dass es diesen Film überhaupt einmal geben wird. Als ich 2014 gestartet bin, hatte ich das nicht geplant. Als wir drei uns nach drei Monaten auf der Radreise durch Afrika getrennt haben, habe ich meiner Kamera erzählt, wie es mir geht. Dazu hatte ich auch keine Filmausrüstung dabei, sondern nur meinen 250-Euro-Fotoapparat, der eine Videofunktion hat.

Warum wurde dann trotzdem ein Film daraus?

Als mich meine Mutter nach rund einem Jahr Radreise in Israel besucht hat, habe ich ihr dort die Festplatte meines Laptops mitgegeben. Die lag dann jahrelang bei mir zu Hause, ich war ja nicht daheim. Nach meiner Rückkehr kam der Kontakt zu einem Filmcutter des Hamburger Tatorts zustande. Ich wollte immer noch nicht. Er hat dann gesagt, es ginge ihm nur um die Aufnahmen und er wolle es unentgeltlich machen. Der Cutter hat vier Monate lang daran gearbeitet.  Der Film war ja keine Absicht. Und ich bin mir sicher, dass es der einzige Film von mir bleiben wird.

Heiner Dormann vom Kino Klappe meldet sich zu Wort: „Wir hatten wahnsinniges Glück, dass wir uns frühzeitig entschlossen haben, diesen tollen Film zu zeigen. Er ist sehr authentisch. Ich selbst bin schon oft in Ägypten gewesen. Zu solch einer großen Reise habe ich allerdings keine Zeit.“

Anselm Nathanael Pahnke: Tagsüber arbeite ich nun für den Film. Gute Freunde sorgen für die Logistik und die PR, wir sind ein Dreierteam. Das wird jetzt noch ein paar Monate so laufen. Zum Fahrradfahren komme ich derzeit nicht viel, in dieser Woche waren es gerade einmal 100 Kilometer.

Wie haben Sie die Akkus von Kamera und Handy geladen?

In Afrika habe ich mir in einer Werkstatt meinen Nabendynamo am Fahrrad umbauen lassen. Dank USB-Anschluss konnte ich meine Akkus laden, 100 Kilometer mit dem Rad sind eine Handy-Akkufüllung.

Haben Sie ein besonderes Fahrrad benutzt?

Nein, das hatte ich mir bereits vor einigen Jahren gekauft. Inklusive Gepäck hat es 70 Kilogramm gewogen, dabei hatte ich einen 20-Liter-Kanister für das Trinkwasser dabei. In Afrika habe ich nie Trinkwasser gekauft, sondern immer bei den Menschen danach gefragt. Damit habe ich nie schlechte Erfahrungen gemacht oder mir den Magen verdorben. Im Endeffekt habe ich insgesamt drei Euro pro Tag für meine Lebenshaltung benötigt.

Haben Sie ans Aufgeben gedacht?

Nein. Nur als meine Freunde nach den drei Monaten nach Hause gefahren sind. In diesem Moment waren alle meine Sinne geschärft, und das war ein intensiver Moment. Wenn man etwas selbst will, kommt man überall durch. Das ist der Konsens des Lebens.

Wie war die Rückkehr ins normale Leben?

Was ist normal? Ich schaue nicht in die Zukunft. Ich bin auch nicht süchtig nach einer weiteren Tour geworden. Für viele ist solch eine Reise eine Flucht vor dem Hier und Jetzt. Mich hat es im Innersten erfüllt. Angst kommt auf solchen Touren nur von außen, die wird auf einen übertragen.

„Anderswo. Allein in Afrika“ kommt an beim Publikum: „Der Film hat uns gefangen genommen“, sagt Matthias Schellbert aus Tiefenbach. „Wir machen selbst oft mehrwöchige Touren. Radfahren ist die beste Art des Reisens, man ist nah an der Natur dran, kann überall anhalten. Und jetzt, Anselm, komm‘ zu uns zum Übernachten.“

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Info


Der Film läuft noch dreimal in der Klappe: am Mittwoch, 23., und Samstag, 26. Januar, jeweils um 18 Uhr, sowie am Sonntag, 27. Januar, 20.30 Uhr