Schwäbisch Hall / swp Zehn große Klangkörper läuten in der Kirche St. Michael, dazu kommt noch eine Stundenglocke. Georg Hüfner vom  Förderverein der Kirchen weiß, wann sie erklingen.

Wann läuten die Glocken der Michaelskirche in der Passionszeit und zu Ostern?  „Wir Haller freuen uns immer wieder, wenn wir die Glocken der Michaelskirche hören“, schreibt Georg Hüfner. Der Haller engagiert sich im Förderverein Mittelalterlicher Kirchen und kann das Geläut von seiner Wohnung in der Altstadt täglich hören. Für die Leser hat er aufgeschlüsselt, was in Hall in den nächsten Tagen zu hören sein wird: Diese Glocken bilden auch tatsächlich eines der schönsten Geläute im Land. Die Glocken läuten jedoch nicht nach Lust und Laune des Mesners, sondern nach einer liturgischen Ordnung des Tages und des Kirchenjahres.

Jeden Werktag früh um halb sieben lädt uns die „Vater-Unser-Glocke“ zum Morgengebet ein. Mittags um zwölf Uhr und um sieben Uhr abends übernimmt dies die „Versöhnungsglocke“ (diese wäre frühmorgens für manche Schläfer zu mächtig).

Doch merkwürdig: jeden Donnerstag nach dem Abendläuten schließt sich ein heller, silbriger Glockenklang an: Es ist die „Namenlose Glocke“, die seit 750 Jahren an Jesu Beten im Garten Gethsemane erinnert, voller Angst und Zweifel, ob dies Kommende Gottes Wille sei, Angst eines Menschen wie wir alle, die wir oft Angst haben.

„Christi-Angst-Läuten“ wird dieses Läuten genannt. Am Karfreitag lädt das große „Trauergeläut“ kurz vor zehn zum Gottesdienst ein. In dieser ernsten und tiefen Klangkombination läuten die Glocken nur ein Mal im Jahr, am Karfreitagmorgen.

Am Karfreitag um 15 Uhr nachmittags erinnert die tief klingende, mächtige „Michaelsglocke“ an die Todesstunde Jesu. Nach deren Verklingen schweigen alle Glocken bis zum Ostermorgen.

Am Ostersonntagmorgen aber wird die Osterfreude deutlich hörbar: Alle zehn Glocken der Michaelskirche verkünden die Auferstehung und  laden zum Gottesdienst um 10 Uhr ein. Dieses prachtvolle Geläut ist nur an hohen Festtagen im Jahr zu hören.

Info Geöffnet ist die Kirche und der Glockenstuhl des Turms am Montag von 12 bis 17 Uhr; Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr; Sonntag ab 11.30 Uhr. Zudem gibt es Glockenführungen.

Seit dem Jahr 2006 ertönt der volle Klang wieder in Harmonie

Das Geläut der Michaelskirche besteht heute aus zehn Glocken, dazu die kleine Stundenglocke in der Turmlaterne an der obersten Spitze. Die älteste, „Namenlose Glocke“ genannt, wurde um 1260 gegossen. Zu den fünf historischen kamen 2006 bei der 850-Jahr-Feier der Weihe der Michaelskirche fünf neue hinzu – wie auch die Sanierung des Glockenturms wurde dies finanziert vom Förderverein zur Erhaltung der mittelalterlichen Kirchen.

Die Michaelskirche, die mit ihrer berühmten Treppe majestätisch über dem Marktplatz thront, wurde am 10. Februar 1156, im Jahr nach der Kaiserkrönung des Staufers Friedrich Barbarossa, vom Bischof von Würzburg  als romanische Basilika geweiht. Aus dieser Zeit stehen nur noch die vier untersten Geschosse des romanischen Westturms mit der Vorhalle. Von hier aus überblickt der Erzengel Michael, eine Stein­skulptur aus dem späten 13. Jahrhundert, als Hüter der Gerechtigkeit das Marktgeschehen und die Stadt. Im 15. Jahrhundert wurde die dreischiffige romanische Basilika ersetzt durch eine gotische Hallenkirche mit Rundsäulen (das Langhaus 1427 bis 1456 erbaut, der hohe Chor mit seinem prächtigen spätgotischen Netzgewölbe 1495 bis 1525). 1573 wurde der Turm durch zwei achtseitige Turmgeschosse mit Kuppeldach und Glockenlaterne erhöht.