Landkreis "Aktion Lichtzaun": Blaue Reflektoren schützen vor Wildunfällen

Blaue Warnreflektoren, wie hier bei Übrigshausen, sollen Wildunfälle verhindern. Die Tiere empfinden das blaue Licht als Gefahr.
Blaue Warnreflektoren, wie hier bei Übrigshausen, sollen Wildunfälle verhindern. Die Tiere empfinden das blaue Licht als Gefahr. © Foto: Privatfoto
SWP 25.07.2014
Seit 2006 beteiligen sich zahlreiche Revierpächter und Jäger in Baden-Württemberg freiwillig an der "Aktion Lichtzaun" des Landesjagdverbandes. Sie montieren an wildunfallträchtigen Stellen Warnreflektoren auf.

Bei mehr als 200.000 Wildunfällen stirbt eine bemerkenswert hohe Zahl an Tieren jedes Jahr im deutschen Straßenverkehr, berichtet die Jägervereinigung Schwäbisch Hall. Allein rund 200.000 Rehe und 25.000 Tiere beim Schwarzwild kommen nach Schätzungen der Jagdverbände jährlich unter die Räder. Hinzu kommt noch eine erhebliche Anzahl an Hasen, Füchsen, Mardern und weiteren Kleintieren.

Viele Wildunfälle enden glimpflich. Nach Angaben der Versicherungswirtschaft bringen die Versicherer jedes Jahr über 500 Millionen Euro für die Regulierung solcher Schäden auf, so die Jägervereinigung. Etwa 3000 Menschen werden jährlich zum Teil schwer verletzt, 20 bis 30 Verkehrsteilnehmer sterben bei Wildunfällen.

Jäger haben in der Vergangenheit mit verschiedenen Methoden versucht, die Zahl der Wildunfälle zu verringern. Es wurden CDs, DVDs oder Streifen von Alufolie an Bäumen oder Sträuchern in Straßennähe befestigt. Dadurch sollte das Fahrzeuglicht reflektiert und die Wildtiere von der Fahrbahn abgehalten werden. Büsche und Sträucher in Fahrbahnnähe wurden zurückgeschnitten, Warnschilder wurden angebracht. Keine dieser Maßnahmen reduzierte die Wildunfälle wirksam und nachhaltig. Der Landesjagdverband Baden-Württemberg hat daher die "Aktion Lichtzaun" ins Leben gerufen. Insgesamt wurden in Baden-Württemberg bisher rund 4000 Kilometer Straße mit speziellen Reflektoren bestückt.

Durch die Konstruktion der Reflektoren, die an die bestehenden Straßenleitpfosten angeschraubt werden, wird das Licht der sich nähernden Fahrzeuge als blaues Licht in das Gelände rechts und links der Straße reflektiert. Durch das reflektierte Scheinwerferlicht eines Fahrzeugs entsteht so ein sich scheinbar bewegendes Lichtband, also ein "Lichtzaun". Das soll die Wildtiere zum Stehenbleiben oder Umkehren veranlassen.

Farbe Blau verschreckt Tiere

Untersuchungen haben gezeigt, dass Wildtiere, wie zum Beispiel die Rehe, auf Weiß-, Orange-, oder Rottöne nicht besonders reagieren. Blau ist für sie jedoch eine regelrechte Schreckfarbe. Da die Farbe Blau in der Natur fast nicht vorkommt, wird sie vom Wild als gefährlich empfunden.

Auch die Jägervereinigung Schwäbisch Hall hat sich an der Aktion beteiligt. Sie ist vom Ergebnis positiv überrascht. So wurden beispielsweise bereits vor drei Jahren im Gebiet Mainhardter Wald an der B14 und den Kreisstraßen rund um Mainhardt mehrere hundert dieser Reflektoren angebracht. Für Hegeringleiter Roland Schmitt hat sich der Aufwand gelohnt: "Die Wildunfälle, vor allem beim Rehwild, sind um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen." Trotzdem kommt es immer wieder zu Unfällen, hauptsächlich frühmorgens oder abends in der Dämmerung, wenn die Reflektoren noch nicht richtig wirken, weil es schon oder noch zu hell ist.

Freiwilliger Einsatz für die Tiere

Die Jäger sind sich sicher, dass sich dieser Aufwand für Mensch und Tier lohnt. Kreisjägermeister Wilfried Ziegler dazu: "Dieser freiwillige Einsatz der Jägerschaft darf nicht wegen Demotivation durch das geplante neue Landesjagdgesetz aufs Spiel gesetzt werden."

Der Aufwand und die Kosten für die Anbringung der Wildwarnreflektoren werden nicht von den Trägern der Straßenbaulast, also vom Bund, dem Land oder den Gemeinden, übernommen. Auch die Versicherungen beteiligen sich nicht. Die Jäger bringen freiwillig Zeit und Geld zum Schutz von Mensch und Tier auf, so die Jägervereinigung.