Unwetter „Abkochen ist noch ratsam“

Braunsbach / NORBERT ACKER 29.06.2016
Täglich wird telefoniert, mindestens einmal die Woche sind Experten des Gesundheitsamts vor Ort in Braunsbach. Es gibt noch einiges zu tun.

Zwei Frauen und zwei Männer stehen in der vergangenen Woche vor dem Braunsbacher Rathaus und beratschlagen sich. Pläne werden angeschaut, die Köpfe zusammengesteckt. „Wie ist denn der momentane Stand bei der Wasserversorgung?“, will Dr. Eva König, Chefin des Gesundheitsamts des Landkreises wissen. „Wir kommen gut voran“, sagt Gottfried Mathias, sein Kollege Markus Kobald nickt.

Seit dem Unwetter am 29. Mai sind die beiden Wasserwärter der Gemeinde Braunsbach im Dauereinsatz, um die Versorgung mit Trinkwasser völlig wiederherzustellen. Das Gesundheitsamt begleitet die beiden dabei, mehrmals in der Woche tauscht man sich aus und bespricht die nächsten Schritte. „Ich bin sehr zufrieden, was hier auch mit Notleitungen in einer vergleichsweise kurzen Zeit geschaffen worden ist“, sagt König. Die blauen Leitungen, sogenannte fliegende Leitungen, sind in den ersten Wochen nach dem Unwetter an den Häusern auf dem schlimmsten Abschnitt der Orlacher Straße ein normaler Anblick gewesen. „Die haben einen Durchmesser von 50 Millimetern. Da geht ordentlich was durch“, sagt Kobold. Mittlerweile ist auf einem kurzen Stück der Straße eine Leitung provisorisch unter der Straße durchgeführt worden, bis irgendwann die endgültige Leitung wieder verlegt werden kann.

 Die Wasserversorgung Braunsbachs war schon wenige Tage nach dem Unwetter wieder mit 100 Prozent Eigenwasser gewährleistet. Direkt nach dem Unwetter wurde zeitweise auf die Fernwasserleitung der NOW (Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg) zurückgegriffen. Die Wasserspezialisten des Verbands waren sofort vor Ort, auch um laufend Proben abzunehmen. „Das hat bestens funktioniert. Für Notfälle gibt es entsprechende Pläne“, so König.

 Die vier gehen durch den Ort. Ab und an bleiben sie stehen, besprechen sich. „Es geht unter anderem darum, wo zum Beispiel ein Bruch ist, wo eine Leitung ein Leck hat“, erklärt Wasserwart Mathias. Rohre müssten untersucht werden, was teils durch Abhorchen mithilfe von Ultraschall geschieht.

Mittlerweile sind die beiden Hochbehälter, die Braunsbach versorgen, wieder voll in Betrieb: der Hochbehälter Schaalberg mit seinen 300 Kubikmetern Fassungsvermögen und der Behälter Märzenrain mit 400 Kubikmetern. Die Wasserqualität wird weiter regelmäßig überprüft. „Die Proben werden ins Labor geschickt. Die Ergebnisse bekommen wir nach etwa zwei bis drei Tagen zurück“, erklärt Ursula Bräuer, Hygiene-Inspektorin des Gesundheitsamts. Das Amt sei  dazu mit Braunsbach in direktem telefonischen Kontakt.

Vorsorglich  raten die Wasserexperten dazu, das Trinkwasser noch so lange abzukochen, bis alle erforderlichen Maßnahmen abgeschlossen sind und die Wasserqualität wieder voll der Trinkwasserverordnung entspricht. „Das ist für alle Nutzer wichtig“, so Bräuer. Dafür müssten auch die Leitungen wiederhergestellt, gereinigt und desinfiziert werden, ebenso die Hochbehälter.

„Wir sind froh, dass wir vor Ort so kompetente Ansprechpartner haben. Das erleichtert die Arbeit“, sagt Amtschefin König, während man sich gemeinsam eine weitere zerstörte Leitung ansieht. Man sei weiterhin auf einem guten Weg.

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