Mainhardt / Maya Peters  Uhr
Mainhardt will mit Displays den Straßenlärm von Motorradfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern reduzieren. Eine Studie des Verkehrsministeriums zeigt, dass die Methode erfolgreich ist.

„Pst, Rücksicht! Langsam!“, fordert das Motorradlärm-Display, geschmückt mit dem Konterfei eines Mädchens, das sich die Ohren zuhält. Die Idee dahinter: Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer für deren Fahrweise. Besonders die Kurven und die Steigungen im idyllischen Mainhardter Wald fordern Motorradfahrer heraus. Übermäßiges Beschleunigen oder Verzögern und der Klangcharakter sind oft der Ursprung des als störend empfundenen Lärms, nicht nur überhöhte Geschwindigkeit. Typischerweise sind Motorradfahrer vor allem bei schönem Wetter und gehäuft am Wochenende unterwegs.

Mainhardt hat nun einen Lärmaktionsplan, der nun ausgelegt wird. Fazit: Nur wenige Bürger sind stärker betroffen.

„Die Wahrnehmung wird immer extremer, auch in anderen Landkreisen“, berichtet Bürgermeister Damian Komor im Gemeinderat von Klagen im Kreis. „Wenige machen Probleme und uns sind die Hände gebunden“, seufzt er. In Mainhardt habe es, auch wegen des Lärmaktionsplans, bereits verstärkte Kontrollen durch die Polizei gegeben. „Doch Beschränkungen und Verbote des fließenden Verkehrs dürfen nur da angeordnet werden, wo eine Gefahrenlage besteht“, betont er.

Zur Serienreife entwickelt

Das Landesverkehrsministerium hat Motorradlärm-Displays als präventive Lärmminderungsmaßnahme auf Pilotstrecken erprobt und zur Serienreife entwickeln lassen. Sogenannte Leitpfostenzählgeräte erfassten unter anderem auch den Lärmpegel der Fahrzeuge. Studien in mehreren Phasen haben ergeben, dass die Visualisierung der lärmenden Fahrweise durch ein sogenanntes Motorradlärm-Display eine Verbesserung bringt. Wer angemessen fährt, bekommt den Text „Danke“ angezeigt, wer zu laut ist, das „Leiser!“. Wer zusätzlich zu schnell ist, liest „Langsam!“.

Die Gerätekombination ist für den Einsatz an Motorradstrecken so eingestellt, dass bei der Vorbeifahrt von Motorrädern in Sekundenbruchteilen eine Schallmessung durchgeführt wird. Die nahe an Mainhardt gelegenen Gemeinden Finsterrot und Weihenbronn an der Bundesstraße 39 waren Teil der Studie. Dabei verringerten sich die mittleren Geschwindigkeiten gegenüber den Ausgangswerten ohne Display, so eine Pressemeldung des Verkehrsministeriums. Die Lärmwerte reduzierten sich um etwa 1,1 bis 2,2 Dezibel, wobei der Anteil der Motorräder mit besonders hohen Schallpegeln um 27 bis 48 Prozent, je nach Messstelle, verringert werden konnte. „Durch die Displays wurden die günstigen Verhaltensweisen im Verkehr verstärkt“, heißt es deshalb in der Studie aus den Jahren 2016 und 2017.

Die Mainhardter Verwaltung wolle sich im Verbund mit Nachbargemeinden deshalb ein Motorradlärm-Display mit Leitpfostenzählgerät für rund 16 000 Euro kaufen. „Wenn wir das bündeln, gibt es noch Zuschüsse und Rabatte“, erläutert Komor. Zusätzlich habe man auf dem Gemeindegebiet weiterhin zwei Geschwindigkeitsmesstafeln im Einsatz, die regelmäßig umgehängt würden.

Gemeinderat Walter Mack spricht sich dafür aus: „Den Lärm zu minimieren ist gut. Doch es ist beschämend, dass wir als Gemeinde dafür Geld ausgeben müssen und das nicht das Ministerium übernimmt.“ Der Lärm am Wochenende sei „Terror“, wird er drastisch. Auch Fritz Zentler, Gemeinderat aus Ammertsweiler, leidet unter der Geräuschkulisse. Doch, so erinnert ihn Kollege Thomas Bommerer: „Es sind nicht nur wir Motorradfahrer, auch Oldtimer oder alte Schlepper sind furchtbar laut.“

Das könnte dich auch interessieren:

Er hat auch versucht, eine Polizistin zu beißen ...

Ein gesuchter Diesel-Dieb ist am Donnerstag auf der A6 nahe Crailsheim festgenommen worden.