Künzelsau Würth-Open-Air: 80 Mio. und ein geiles Leben

Die Gruppe Glasperlenspiel bei ihrem Auftritt beim Würth-Open-Air.
Die Gruppe Glasperlenspiel bei ihrem Auftritt beim Würth-Open-Air. © Foto: Ralf Seidel
Künzelsau / Andreas Dehne 26.06.2018
Beim Würth Open Air dominieren Max Giesinger und Glasperlenspiel mit ihren Hits. Headliner Fritz Kalkbrenner verwandelt anschließend das Festivalgelände in eine Freiluft-Disco.

Die Szene ist in tiefrotes Licht getaucht. Max Giesinger sitzt ganz alleine auf der Bühne. Eine akustische Gitarre in den Händen, auf der er etwas herumklimpert. „Vielleicht kennt ihr ja dieses Lied?“, fragt er betont nebensächlich in seinem badischen Akzent das begeisterte Publikum auf dem vollbesetzten Areal des Würth-Open-Airs in Gaisbach.

Nach etwa 80 grandiosen Konzertminuten von ihm und seiner Band ahnen wohl die meisten, was jetzt kommen sollte. Sehr verfremdet spielt er seinen bisher wohl größten Hit an. Das Publikum lauscht eher andächtig. Dann singt er. „Dort wo ich herkomm.“ Den zweiten Teil dieses inzwischen wohl schon berühmten Intros singen bereits die etwa 6000 Zuschauer begeistert mit. „Wohnen eintausend Menschen.“ Textsicher wird er vom Publikum unterstützt. Viel Beifall nach der ersten Strophe. Das Licht wechselt zu Blau. „Künzelsau“, brüllt er ins Mikrofon und die Stimmung kocht fast über. Sie zelebrieren „Einer von 80 Millionen“ förmlich. Giesinger holt Kinder aus dem Publikum als „Background-Chor“ auf die Bühne. Finn, Henrike und Alina begleiten die Band. Die Zuschauer sind hin und weg. „Wie hast du mich gefunden? Einer von 80 Millionen.“ Übertragen auf zwei Videoleinwände rechts und links neben der Bühne werden die drei Kinder wie Stars im Großformat dem Publikum präsentiert. Fast 15 Minuten lang machen sie aus ihrem Hit ein musikalisches Gesamtkunstwerk.

Kalkbrenner heizt ein

Doch auch schon zuvor hat Giesinger für viele Überraschungen gesorgt. Von einem Song auf den nächsten steht er plötzlich ganz unerwartet hinter dem Publikum und singt sich durch die Menge hindurch nach vorne zur Bühne. Entzückte Schreie, vor allem der Frauen und Mädchen, wenn der Star des Abends direkt vor ihnen singt.

Die Gruppe Glasperlenspiel tritt vor ihm auf. Auch sie zelebrieren ihren größten Hit erst in der Zugabe ausgiebig. „Ich wünsche dir ein geiles Leben.“ Zunächst in mystisch anmutende Klänge getaucht nähern sie sich ihrem größten Hit sehr zögerlich an und spielen ihn dann sehr vielschichtig ebenfalls in einer Version, die fast 15 Minuten dauert. Die Fans singen begeistert mit.

Mit dem Headliner Fritz Kalkbrenner ändert sich das Konzept des Abends total, nachdem Tom Gregory und Johannes Oerding das Festival am Nachmittag eröffnet hatten. Als letzter Act verwandelt er das Festivalgelände in eine Freiluft-Disco. „Ich bin der Fritz und ich fange jetzt an.“ In einer optisch und akustisch sehr ansprechenden Performance bringt er Technobeat mit melodischen Elementen auf die Bühne. „Kommt schon“, schreit er von seinem Pult aus in die tanzende Menge vor der Bühne und lässt die Bässe seiner elektronischen Musik dröhnen. Das vom Deutschland-Sieg trunkene Partyvolk dankt ihm laut kreischend dafür. Viele der nicht so technoaffinen Zuschauer machen sich auf den Heimweg. Ein schleichendes Ende, das aber Staus verhindert. Das zweite Würth-Open-Air auf dem Gelände des Carmen-Würth-Forums hinterlässt einen äußerst gelungenen Eindruck. „Perfekt“, möchte man eigentlich dazu sagen.

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