Bühlertann 78 Ministranten aus dem Dekanat Schwäbisch Hall treffen sich in Bühlertann

Bühlertann / MICHAELA CHRIST 30.09.2014
Einmal im Jahr kommen alle Ministranten aus dem Dekanat Schwäbisch Hall zu einem Spiel- und Kennenlerntag zusammen. In diesem Jahr ging es nach "Mittelerde" im Bühlertanner Pfarrgarten.

Seit halb neun Uhr in der Früh füllt Ministrantin Johanna Hald (11) aus Bühlertann Mehl mit einem Trichter in 100 bunte Luftballons. "Die sind für den magischen Wald im Pfarrgarten hinterm Gemeindehaus", unterbricht sie kurz ihre Arbeit, um Hannes Pfitzer (9) mit je einem fertigen Ballon in jeder Hand in den Zauberwald zu schicken. Dort wartet Maike Kohnle (16) auf den Ministranten, um die empfindlichen Luftblüten an einem weit verzweigten Kastanienbaum aufzuhängen. "Die verzauberten Bäume verhindern, dass die Ministranten, die nach ihrer Ankunft in Bühlertann in Mittelerde gelandet sind, den Wald wieder verlassen können", beschreibt Maike. Denn die Jugendlichen sollen heute Abenteuer wie in "Herr der Ringe" oder "Der Hobbit" bestehen. "Damit sie aus dem Wald wieder raus kommen, müssen sie sich mit Blütenstaub, also dem Mehl aus den Ballons, tarnen", erklärt Maike. Darum bekommen die Ministranten Helme mit einer Spitze aufgesetzt, um die Ballons aufzustechen.

Karsten Probst ist seit 18 Jahren Ministrant

"Die Busse kommen", hört sie jetzt Thorsten Wassermann (40) vom Katholischen Jugendreferat Schwäbisch Hall vom Gemeindehaus her rufen. Die Ministranten unterbrechen ihre Arbeit und sammeln sich um ihren Gemeindereferenten Frank Schien (34), um die Gäste zu begrüßen.

Insgesamt werden 78 Ministranten aus sieben Seelsorgeeinheiten erwartet. "Das ist in etwa ein Zehntel der derzeit aktiven Ministranten", weiß Schien. Wassermann erklärt: "Überwiegend kommen die Jüngeren zum Mini-Tag. Er ist ins Leben gerufen worden, damit die Kinder sich kennenlernen, Spaß haben und spüren, dass es über die Seelsorgeeinheit hinaus eine große Gemeinschaft Gleichgesinnter gibt."

Jedoch gelte oft, einmal dabei, immer dabei, freut sich Wassermann über Karsten Probst (27) aus Crailsheim, der vorneweg dem ersten Bus entsteigt. Der Oberministrant der Stadt Crailsheim ist der älteste Ministrant im Dekanat. Seit 18 Jahren dient er am Altar. Seit 18 Jahren nimmt er am Dekanats-Ministrantentag teil. "Ich freue mich immer auf diesen Tag und finde es faszinierend, dass nach fast 20 Jahren jedes Jahr was Neues dabei rauskommt", strahlt der gelernte Altenpfleger.

Was bewegt ein Kind mit neun Jahren Ministrant zu werden? "Ich ging sonntags sowieso zum Gottesdienst und dachte, dann könnte ich mich auch am Altar nützlich machen", beschreibt Probst ganz pragmatisch seinen Einstieg im Jahr seiner Erstkommunion. Mit 20 kam die Krise. "Heute überwiegt die Einsicht, dass die Jüngeren ein Vorbild brauchen", erklärt Probst seine Beständigkeit.

Die Spiele beginnen

Vier etwa gleich große Gruppen werden gebildet. Die Seelsorgeeinheiten tun sich zusammen und suchen einen Gruppennamen. Das Obere Bühlertal wird zu den "Nugatschnitten". Schwäbisch Hall und Mainhardt zu "Schwäbisch Hall Plus", Crailsheim und Matzenbach zu "Die 13 Zwerge" und Gerabronn und Blaufelden zu "10, die eigentlich 13 sind".

Die Spiele beginnen. Es gilt Bruteier des Drachen Smaug mit Naturmaterialen aus dem Pfarrgarten so zu verpacken, dass sie einen zwei Meter hohen Fall von der Klippe überleben. Die Ministranten sind kreativ, höhlen einen Apfel für das Ei aus oder legen es in weiche stachelige Kastanienhüllen. Mit Blätter und Moos umwickelt entstehen Kugeln von bis zu 50 Zentimeter Durchmesser. Sieben knifflige Abenteuer schließen sich an. Zum Glück kommt auf halbem Weg ein Gasthaus in Sicht. Luitgard Reichert, Irene Gsell und Roswitha Hummel haben Spaghetti gekocht. Die Ministranten sind hungrig und schlagen kräftig zu. Sie vergessen nicht, sich mit einem Lied bei den Kirchengemeinderätinnen zu bedanken, bevor sie an den Tisch sitzen.

Um kurz vor vier Uhr nachmittags versetzt der Zauberer Gandalf die Ministranten aus Mittelerde wieder zurück in die heutige Welt. "Schade", sagt Marvin Ziegele (9) aus Bühlertann. Er hätte noch ewig weiterspielen können. "Im nächsten Jahr gehen wir auf jeden Fall wieder mit", klatscht er seinen Freund Noah (9) ab.

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