Jungholzhausen 750 Jahre Jungholzhausen: Ein Fest mit vielen Facetten

Jungholzhausen / OLIVER FÄRBER 27.05.2016
Das ganze Dorf ist auf den Beinen beim Haupttag der 750-Jahr-Feier in Jungholzhausen. Es kommen viele tausend Besucher.

Normalerweise fristet die Jungholhäuser Reithalle eher ein Schattendasein am Ortsrand. Die Dorfbewohner haben sie kurzerhand zum Zentrum ihres dreitägigen Fests umgebaut. Schließlich gilt es es, die erste urkundliche Erwähnung des Ortes vor 750 Jahren zu feiern. Bürgermeister Frank Harsch kam gar bei seiner Eröffnungsrede am Mittwochabend wegen des Flairs im Holzgebäude ins Schwärmen. „Eine schöne Stelle hier – die Architektur der Halle. Schade, dass hier normalerweise nur fünf Gäule herumlaufen. Hier könnte man öfters was machen.“

Schönes Wetter lockt

Die Sonne lacht vom Himmel, das Thermometer steigt auf 24 Grad, Schäfchenwolken ziehen über den Ort. Der Fronleichnams-Donnerstag beschert als Haupttag des Jubiläums dem Dorf viele Besucher. „Das Wetter ist auch ideal“, meint Gottlob Rapp, Vorsitzender des Gemischten Chors Jungholzhausen. Wie viele Gäste am Ende wirklich kommen, kann keiner genau sagen: Schließlich herrscht den ganzen Tag ein Kommen und Gehen – vom Gottesdienst um 10 Uhr bis zum Konzert mit der Band Annâweech bis spät in die Nacht.

Geschichte im Blick

Im Trubel des Mittagsessens in der Reithalle geht die eigentliche Ortsgeschichte fast unter. Bürgermeister Harsch hält das Jubiläumsgespräch mit Kreisarchivarin Monika Kolb. „Es ist eine Herausforderung so viele Menschen mit Geschichte zu fesseln“, meint der Schultes in Anbetracht der nur wenigen freien Plätze. Kolb berichtet, dass die Ordnung des Archivs Jungholzhausen demnächst auf ihrem Programm stehe. „Das war ja bisher gut aufgehoben“, sagt sie – und lobt das zentrale Archiv der Gesamtgemeinde Braunsbach in der örtlichen Schule als vorbildlich.

Schaulustige bei Unfall

Ein lauter Knall erschüttert gestern gegen 14 Uhr Jungholzhausen. Kurz darauf fährt das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn durch den Ort. Ein Auto ist auf einen Baumstamm geprallt – allerdings absichtlich aus über zehn Metern Höhe von einem Autokran auf den Platz zwischen Bürgerhaus und Bauhof. Bei der Schauübung ist Zuschauen nicht nur erlaubt, sondern von der Mannschaft sogar gewollt, die sich hautnah dabei beobachten lässt, wie sie einen Verletzten (in Form einer Puppe) aus dem Wrack schneidet. „Ich hätte nicht gedacht, dass 60 Stundenkilometer Aufprall solche eine Wirkung haben“, sagt Elena Hartung, eine Zuschauerin, verblüfft.

Handwerk hoch halten

Bei Holzbau Beck ist die Werkshalle voller Besucher. In traditioneller Zunftskluft begrüßen die Mitarbeiter und der Firmenchef die Gäste. Sie demonstrieren, wie wichtig Handwerk ist, welche Aufgaben sie jeden Tag haben. Die Bilder, auf denen der Betrieb vergangene Projekte zeigt, bringen so manchen Interessierten zum Staunen.

Hofladen und Hühnerstall

Die Familie Däuber hat bis zu letzt geschuftet, damit der vergrößerte Hofladen an Fronleichnam den Besuchern präsentiert werden kann. „Wir haben bis gestern abend gearbeitet“, gibt Susanne Däuber zu. Viele Leute schauen sich auch die Hühnerställe an. „Wir wollen vor allem rüberbringen, dass wir einer der wenigen Betriebe sind, die ihr Futter aus Biokomponenten selbst mischen“, betont Rolf Däuber seine Hofphilosophie.

Schlepper schnaufen aus Tal

So mancher Autofahrer, der aus dem Kochertal kommt, braucth Geduld: Viele Teilnehmer tuckern zum Schleppertreffen in den Ort hinauf. Schon am Mittwoch dröhnen mit lautem Tok, Tok, Tok die alten Dieselmotoren durch den Ort.