Statistik 640 Einwohner mehr als im Vorjahr: Schwäbisch Hall wächst

Renate Wagner, Ulrike Klink und Tanja Schindler stoßen mit Winterbier im Sudhaus an. Die drei Frauen leben unterschiedlich lange in Hall – zwischen einer Woche und vier Jahren. Sie haben den Umzug in die neue Heimat nicht bereut.
Renate Wagner, Ulrike Klink und Tanja Schindler stoßen mit Winterbier im Sudhaus an. Die drei Frauen leben unterschiedlich lange in Hall – zwischen einer Woche und vier Jahren. Sie haben den Umzug in die neue Heimat nicht bereut. © Foto: tob
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 10.01.2019
Die Bevölkerungszahl steigt in der Stadt um 1,6 Prozent auf 40 621 an. Beim Neubürgerstammtisch erfährt man, warum Hall Menschen anzieht.

Nachdem Schwäbisch Hall 2017 erstmals die 40 000-Einwohner-­Marke geknackt hat, ist die Stadt weiter auf Wachstumskurs. Ende 2018 hatten 40 621 Menschen dort ihren ersten Wohnsitz gemeldet. 3272 Anmeldungen stehen 2631 Wegzüge gegenüber. „Ein sattes Plus von 640 mit Blick auf die Einwohnerzahlen“, schreibt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung.

Wer sind die neuen Bürger in Hall?

Doch wer sind die Menschen hinter den Zahlen? Warum gibt jemand das Leben in einer der angesagtesten Metropolen der Welt auf, um an einem Ort zu leben, der mit dem Zusatz „Schwäbisch“ das Provinzielle im Namen trägt?

Beim Stammtisch „Neu in Hall?“ trifft man sie. Da bestellt sich am Dienstagabend Renate Wagner (58) ein Winterbier im Sudhaus. Sie ist so frisch in Hall, dass sie noch gar nicht in der Statistik fürs Jahr 2018 erfasst ist. „Ich bin gerade eben aus Frankfurt hergezogen“, berichtet sie. Der Liebe wegen. Bei einem Trommelkurs im Odenwald lernte sie vor Jahren Wolfgang Schmalzried kennen. Mit ihm und weiteren Hallern plant sie im Sonnenrain ein Haus fürs Mehrgenerationenwohnen zu bauen. „Die Kisten stehen jetzt noch nicht ausgepackt in der Glockengasse. Ich überlege mir, welche ich überhaupt auspacken soll“, berichtet sie voller Vorfreude auf das Wohnprojekt, das aber möglicherweise noch auf sich warten lässt. Sie vermisst bisher nichts: „Dieses Städtchen ist im Vergleich zu Frankfurt ein Kleinod.“

Wie entwickelt sich die Bevölkerung in Schwäbisch Hall?

Mit dieser Einschätzung steht sie nicht allein da. Statistisch betrachtet ist die Bevölkerung Schwäbisch Halls 2018 um 1,6 Prozent im Vorjahresvergleich gewachsen. Der landesweite Zuwachs liegt bei 0,7 Prozent, bezogen auf ganz Deutschland sind es nur 0,4 Prozent. „Diese 1,6 Prozent sind ein Indikator dafür, dass Schwäbisch Hall als attraktiver Lebensmittelpunkt wahrgenommen wird. Die Menschen ziehen gerne her“, sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim.

Das trifft genau auf Tanja Schindler (46) zu. Sie stammt aus einem Ort bei Rothenburg, lebte zuletzt mit ihrem Partner vier Jahre lang in Berlin. „Wir haben uns überlegt: Wir wollen wieder in den Süden.“ In Sulzbach-Laufen wurde die Eventmanagerin fündig.

Was ist der Unterschied zwischen Berlin und Hall?

„Wenn man aus Berlin kommt, kann man aber nicht nach Laufen ziehen.“ Seit drei Jahren lebt sie in Hall. Auch ihr Partner fand einen Job. „Wir fühlen uns pudelwohl“, sagt sie. „In Berlin wird man ständig angeblöfft. Hier wird einem geholfen.“

Ulrike Klink, die Frau des Ersten Bürgermeisters, die seit über vier Jahren in Hall lebt, hat den Stammtisch vor drei Jahren ins Leben gerufen. „Wer nur wegen der Arbeit nach Hall zieht, ist manchmal nicht so schnell eingebunden, da er tagsüber nicht in der Stadt ist.“ Der Stammtisch, zu dem rund ein Dutzend Haller kommen, helfe dann. „Ich sehe ab und zu Menschen zusammen in der Stadt, die sich über unsere Treffen kennengelernt haben.“

Auch die Zahl der Jobs nimmt zu

Ein Blick in die aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit verrät: Im Juni 2018 waren 25 809 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Schwäbisch Hall gemeldet. Das waren 575 Personen mehr als 2017 mit 25 234 gemeldeten Personen. Ein Zuwachs von 2,3 Prozent, teilt die Stadt Hall mit.

„Ich werte die Zahlen als ein positives Zeichen. Sie zeigen, dass unsere Kommunen und Unternehmen im gemeinsamen Wettbewerb um Fachkräfte durchsetzungsfähig sind“, so Pelgrim, der in diesem Jahr die Geschäftsführung für das regionale Wirtschaftsbündnis Hohenlohe plus übernommen hat. „Stellt man den 575 neuen Arbeitsplätzen 418 Geburten in Hall im Jahr 2018 gegenüber, wird deutlich, dass wir den Bedarf an Fachkräften nicht alleine decken können“, unterstreicht das Stadtoberhaupt. Es sei wichtig, dass Städte und Wirtschaft noch enger kooperieren.

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