Gericht 63-Jähriger Bankkaufmann in Hall wegen Geldwäsche vor Gericht

Geldwäsche
Geldwäsche © Foto: DPA
ELEONORE HEYDEL 22.11.2013
Ein 63-jähriger Bankkaufmann hat sich im Frühjahr in den Dienst von Internet-Betrügern gestellt. Das Haller Amtsgericht nimmt ihm nicht ab, bei der Aktion ganz und gar gutgläubig gewesen zu sein.

Der 63-Jährige ist wegen Geldwäsche angeklagt worden. Um 20 Prozent Provision zu erhalten, hat er fremdes Geld in die Ukraine überwiesen. Das Geld gehörte einem Sparkassenkunden in Hannover. Eine undurchsichtige Betrügerbande hatte dessen Konto durch Phishing geplündert. Phishing bedeutet: Kriminelle suchen sich Zugang zu fremden Kontodaten und ziehen online Geld ab.

Die Masche ist immer dieselbe. Mit falscher Identität verschicken die Betrüger ungefragt E-Mails bevorzugt an arbeitslose Leute und ködern sie mit dem Versprechen, dass sie schnell Geld verdienen können: "Gut bezahlter Job für Dich!", werben sie in ihren Rundmails. Beißt der Adressat an, geben sich die Kriminellen den Anstrich eines seriösen Finanzunternehmens, im vorliegenden Fall einer "Finanzgruppe aus Estland".

In einer geschliffen abgefassten Standard-Mail erläutern die Betrüger dann Schritt für Schritt, worin der Job besteht: Ein Konto zur Verfügung stellen und eine Überweisung zwischen 2000 und 8000 Euro entgegennehmen. Das Geld abheben, 20 Prozent Provision einbehalten und die Restsumme mit "Western Union" an einen bestimmten Empfänger in Osteuropa überweisen.

Der arbeitslose 63-Jährige, der den Beruf des Bankkaufmanns gelernt, die Sparte aber später gewechselt hat, ließ sich auf den Deal ein. Weil er aufgrund einer Privat-Insolvenz kein eigenes Girokonto besaß, musste seine Ehefrau einspringen. Auf ihrem Konto kam später eine dubiose Überweisung von 5759 Euro an. Er behielt 1150 Euro für sich und schickte den Rest auf eigene Kosten mit "Western Union" an einen Empfänger in der Ukraine.

Sechs Wochen später meldete sich die Kriminalpolizei bei ihm. Sie machte ihm deutlich: Einem Kunden der Stadtsparkasse Hannover war genau der Betrag von 5759 Euro vom Girokonto gestohlen worden, den er über das Konto seiner Frau erhalten hatte.

In der Folge erließ das Haller Amtsgericht gegen den 63-Jährigen wegen Geldwäsche einen Strafbefehl über 3600 Euro (90 Tagessätze zu 40 Euro). Der grauhaarige Mann legte Einspruch ein. Vor dem Haller Amtsgericht beteuert er seine Unschuld und erklärt: "Was da im Nachhinein alles rausgekommen ist, hat mich, gelinde gesagt, vom Hocker gehauen!"

Er habe, sagt er, auf die Zusicherung seiner Auftraggeber vertraut, alles sei rechtmäßig und diene nur der "Steueroptimierung in Estland". Eine Provision von 20 Prozent sei in der Finanzbranche nicht ungewöhnlich.

Das Gericht aber ist skeptisch. Es sei kaum glaubhaft, dass bei einem gelernten Bankkaufmann die Alarmglocken erst geklingelt hätten, als er zur Kripo vorgeladen worden sei. Die Geldstrafe könne unter Umständen auch erhöht werden.

Als ihm dies signalisiert wird, zieht sich der 63-Jährige mit seinem Anwalt Joachim Müller zur Beratung zurück. Nach langer Wartezeit kommen beide in den Verhandlungssaal zurück. Mürrisch werfen sie ihre Unterlagen auf den Tisch und erklären, dass der Einspruch zurückgenommen werde. Es bleibt also bei der Geldstrafe von 3600 Euro.

Auch die Ehefrau des Angeklagten, die ihr Konto zur Verfügung stellte, kommt nicht ungeschoren davon. Sie wurde wegen "Beihilfe zur Geldwäsche" belangt. Das Verfahren gegen sie wurde von der Staatsanwaltschaft im Vorfeld eingestellt gegen die Auflage, dass sie eine Geldbuße von 500 Euro in sechs Monatsraten abstottert.