Schwäbisch Hall Wild-West-Fans erobern den Hasenbühl

Familie Rohland aus Gschlachtenbretzingen (von links): Kirsten (38) mit Sohn Erik (2), Manuel (37) und Tochter Greta (7).
Familie Rohland aus Gschlachtenbretzingen (von links): Kirsten (38) mit Sohn Erik (2), Manuel (37) und Tochter Greta (7). © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 29.08.2018
Die Schützengilde feiert die 50. Auflage in Hessental. Zum Jubiläum beginnt das Fest einen Tag früher. Familie Rohland hat bereits am Freitag ihr Lager aufgeschlagen.

In einem dunkelbraunen, ledernen Overall sitzt der zweijährige Erik auf dem verdorrten Gras, vor ihm liegt ein kleiner Schaufelbagger. Die grellen Farben des Plastiks passen so gar nicht in das ansonsten durch Naturmaterialien in eher gedecktem Ton gehaltene Zeltensemble auf dem Hasenbühl. Der kleine Nachwuchstrapper und seine große Schwester Greta (7) haben an diesem Tag aber Besuch von Freunden aus Gschlachtenbretzingen, die Spielzeug mitgebracht haben. Das wilde Lagerleben begeistert eben nicht nur Familie Rohland, sondern auch die Kinder aus deren Nachbarschaft im zivilen Leben. Die älteren Kinder interessieren sich aber nicht für den Bagger. Sie spielen lieber Fangen und Verstecken zwischen Zelten und im Wald.

Dutzende Zelte stehen bereits auf dem Areal. Trapper, Indianer und Cowboys tauchen in ihre Wildwest-Rollen ein. Es steht das 50. internationale Vorderladerschießen der Haller Schützengilde an. Zum Jubiläum wird das Programm verlängert, es beginnt bereits am Donnerstagabend mit dem Probeschießen. Bis Sonntag sind Westernmusik geboten, dazu Lagerleben und Preisschießen, außerdem Marktstände.

Wildschweinzähne um den Hals

Das lassen sich die Rohlands aus Gschlachtenbretzingen nicht entgehen, die extra Urlaub genommen haben. Am Freitag haben sie ihr Lager aufgeschlagen, samt Schlafplatz, Waschstelle und Sitzecke. Historisches Gewand gehört dazu. „Ich trage zwei Wildschweinzähne um den Hals“, sagt Vater Manuel Rohland (37). Seine Frau Kirsten (38) ergänzt: „Die Outfits haben wir zum Teil gekauft, zum Teil selbst genäht.“

Für das Paar stellt das Lagerleben nicht nur eine einwöchige Auszeit vom stressigen Alltag sowie „eine Reduzierung der Gesellschaftseinflüsse“, dar, wie Manuel Rohland berichtet. Ohne die Veranstaltung hätte es die Familie gar nicht gegeben. Der  37-Jährige stammt aus Göttingen und besucht seit seinem 16. Lebensjahr zusammen mit den dortigen Schützenbrüdern den Wettkampf in Hessental samt Lager – „damals noch als kleiner Steppke“.

Kirsten Rohland war viele Jahre lang immer wieder mit ihren Freunden beim Vorderladerschießen und fand zunächst Gefallen am Fest, dann am zugereisten Manuel. 2002 kennengelernt, kamen sie vier Jahre später zusammen und heirateten 2009. „So bin ich nei’gschmeckert Haller geworden“, sagt der Vater, der im zivilen Leben als Projektleiter bei Würth tätig ist. Seine Frau arbeitet als Lohn- und Finanzbuchhalterin bei AST Beschichtungstechnik in Rot am See.

Jagdgründe im Supermarkt

Die Berufe spielen auf dem Lager aber keine Rolle. Für eine Woche sind die Rohlands einfache Trapper. Ganz auf zivile Errungenschaften verzichten wollen sie dort aber auch nicht. „Wir gönnen uns den Luxus einer Kühltruhe mit Gasbetrieb“, sagt die Mutter. Und ihr Mann ergänzt: „Ich bin zwar im wirklichen Leben auch Jäger, aber die Jagdgründe hier sind das Kaufland unten in Hessental.“ Auch ein Smartphone liegt für den Fall der Fälle in der Ecke bereit.

Statt Verbindung ins Internet suche die Familie in dieser Woche aber vorwiegend den Kontakt zu den anderen Menschen im Lager. Das Vorderladerschießen biete einmal im Jahr die Chance, Freunde aus ganz Deutschland, Holland und Frankreich wiederzusehen. „Gestern haben wir nebenan Kesselgulasch gekocht“, sagt Kirsten Rohland. Man sitze zusammen, plaudere, esse und mache auch Musik – mit Gitarre, Violine und sogar der Peitsche.

Keine Lagerfeuer

Eine Besonderheit gibt es heuer aber: Durch die Trockenheit sind Lagerfeuer bisher untersagt. „Wir kochen daher mit Gaskocher“, meint der Trapper-Vater. Ansonsten locke oben im Wald der Saloon, wo es auch Speisen gibt. „Manchmal sieht man hier auch den Pizza-Service vorfahren“, meint die Mutter.

Musik, Preisschießen und Festakt

Der offizielle Teil des internationalen Vorderladerschießens dauert von Donnerstag, 30. August, bis Sonntag, 2. September. An allen vier Tagen ist Händlermarkt, das Zelt und das Vereinsheim werden bewirtet.

Das Programm beginnt am Donnerstag mit Probeschießen. Freitag, 31. August: Prägung der Jubiläumsmünze, Preisschießen von 13 bis 18 Uhr, ab 20 Uhr spielt die Western-Band „Maggie und Conny“ (Eintritt frei). Samstag, 1. September: Prägung der Jubiläumsmünze, Preisschießen von 9 bis 18 Uhr, um 18 Uhr Festakt im Zelt, ab 20 Uhr spielt die Western-Band Dapper Dan Men (Eintritt frei). Sonntag, 2. September: Prägung der Jubiläumsmünze, Preisschießen von 9 bis 12 Uhr. Schießen um die Ehrenscheiben von 13 bis 14 Uhr. Ab 14 Uhr Großer Siedershof Schwäbisch Hall. Um 15 Uhr ist die Siegerehrung.

Zum Festakt am Samstagabend erscheint eine Festschrift. Darin wird auch an die Historie des internationalen Vorderladerschießens erinnert. „Die Schützengilde Schwäbisch Hall ist seit 1300 nachweisbar und damit einer der ältesten Vereine Deutschlands“, erzählt ihr Oberschützenmeister Hermann Kurz mit einer Spur Stolz.

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